Beru­fungs­ur­teil – und die Wie­der­ga­be der Beru­fungs­an­trä­ge

Nach § 540 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO muss ein Beru­fungs­ur­teil zwar kei­nen Tat­be­stand ent­hal­ten, grund­sätz­lich ist aber eine Bezug­nah­me auf die tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen in dem erst­in­stanz­li­chen Urteil mit einer Dar­stel­lung etwai­ger Ände­run­gen oder Ergän­zun­gen erfor­der­lich, wozu zumin­dest auch die sinn­ge­mä­ße Wie­der­ga­be der Beru­fungs­an­trä­ge gehört 1.

Beru­fungs­ur­teil – und die Wie­der­ga­be der Beru­fungs­an­trä­ge

Obwohl das Beru­fungs­ge­richt im hier ent­schie­de­nen Fall ledig­lich auf die tat­be­stand­li­chen Fest­stel­lun­gen des amts­ge­richt­li­chen Urteils Bezug genom­men hat, lässt sich dem ange­foch­te­nen Urteil nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs eine sinn­ge­mä­ße Wie­der­ga­be der Beru­fungs­an­trä­ge noch ent­neh­men. Denn das Beru­fungs­ge­richt hat das klag­ab­wei­sen­de Urteil des Amts­ge­richts dahin­ge­hend abge­än­dert, dass der Kla­ge voll­um­fäng­lich statt­ge­ge­ben wird. Dar­aus ergibt sich mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit, dass die Klä­ge­rin ihr ursprüng­li­ches Begeh­ren im Beru­fungs­ver­fah­ren wei­ter­ver­folgt hat 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Janu­ar 2020 – XII ZR 46/​19

  1. vgl. etwa BGH Urtei­le vom 14.01.2005 – V ZR 99/​04 Fam­RZ 2005, 701; BGHZ 156, 216, 218 = Fam­RZ 2004, 265 und BGHZ 154, 99, 100 f. = Fam­RZ 2003, 747[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 11.08.2010 XII ZR 102/​09 Fam­RZ 2010, 1637 Rn.20 ff.[]