Das Rechts­mit­tel der zur Aus­kunfts­er­tei­lung ver­ur­teil­ten Par­tei – und die Beschwer

Der nach frei­em Ermes­sen fest­zu­set­zen­de Beschwer­de­wert für das Rechts­mit­tel der zur Aus­kunfts­er­tei­lung ver­ur­teil­ten Par­tei bemisst sich gemäß § 3 ZPO nach ihrem Inter­es­se, die Aus­kunft nicht ertei­len zu müs­sen.

Das Rechts­mit­tel der zur Aus­kunfts­er­tei­lung ver­ur­teil­ten Par­tei – und die Beschwer

Dabei ist im Wesent­li­chen dar­auf abzu­stel­len, wel­chen Auf­wand an Zeit und Kos­ten die Ertei­lung der Aus­kunft erfor­dert und ob die ver­ur­teil­te Par­tei ein schüt­zens­wer­tes Inter­es­se dar­an hat, bestimm­te Tat­sa­chen vor dem Geg­ner geheim zu hal­ten.

Das Rechts­be­schwer­de­ge­richt kann die Bemes­sung der Beschwer nur dar­auf über­prü­fen, ob das Beru­fungs­ge­richt die gesetz­li­chen Gren­zen des ihm gemäß § 3 ZPO auch ein­ge­räum­ten Ermes­sens über­schrit­ten oder sein Ermes­sen feh­ler­haft aus­ge­übt hat1.

Nach die­sen Grund­sät­zen hat­te in dem hier ent­schie­de­nen Fall das Land­ge­richt Mün­chen – I rechts­feh­ler­frei ohne Über­schrei­tung der dem Tatrich­ter gezo­ge­nen Gren­zen die Beschwer der Beklag­ten bemes­sen. Es hat ange­nom­men, dass hier nicht mehr als 300 € an Kos­ten für die Ertei­lung der Aus­kunft anfal­len2:

Die Rechts­be­schwer­de macht gel­tend, dass eine Mit­ar­bei­te­rin einen Tag und der Geschäfts­füh­rer der Beklag­ten zu 2 mehr als einen hal­ben Tag Zeit auf­wen­den müss­ten, um die Aus­kunft zu ertei­len. Dies stellt die Wert­fest­set­zung des Beru­fungs­ge­richts nicht in Fra­ge. Für die Bemes­sung des Wer­tes der Beschwer kön­nen die Per­so­nal­kos­ten, die für eige­ne Mit­ar­bei­ter für die Aus­kunfts­er­tei­lung anfal­len, eben­so wie die eige­nen Auf­wen­dun­gen des Aus­kunfts­ver­pflich­te­ten nur nach Maß­ga­be der Stun­den­sät­ze ange­setzt wer­den, die die Mit­ar­bei­ter nach dem Jus­tiz­ver­gü­tungs­und Ent­schä­di­gungs­ge­setz (JVEG) als Zeu­gen in einem Zivil­pro­zess erhal­ten wür­den. Der Höchst­be­trag nach § 22 JVEG3 beträgt danach 21 € die Stun­de. Bei einem behaup­te­ten Zeit­auf­wand von einem Tag und mehr als einem hal­ben Tag sind damit noch kei­ne Kos­ten von mehr als 300 € dar­ge­legt.

Ohne Erfolg bleibt der Angriff der Rechts­be­schwer­de, die Beschwer sei höher zu bewer­ten, weil auf­grund des Aus­kunfts­be­geh­rens der Klä­ge­rin die Beklag­ten gehal­ten sei­en, die übri­gen Gesell­schaf­ter nach § 4 Abs. 3 Satz 1 Nr. 3 BDSG aF zu infor­mie­ren. Die Kos­ten dafür belie­fen sich auf 900 Schrei­ben mit Por­to à 70 Cent und damit in Höhe von 630 €. Maß­ge­bend für die Beschwer sind aber nicht die Fol­gen aus Dritt­be­zie­hun­gen4. Die Beklag­ten kön­nen nicht eine angeb­li­che Kos­ten­be­las­tung für die Bemes­sung der Beschwer in Ansatz brin­gen, die sich aus ihren Rechts­be­zie­hun­gen zu den übri­gen Gesell­schaf­tern wegen gege­be­nen­falls dar­in begrün­de­ten Pflich­ten und damit aus Dritt­be­zie­hun­gen erge­ben.

Der Ein­wand der Rechts­be­schwer­de geht fehl, die Kos­ten­be­las­tung aus dem Unter­lie­gen in ers­ter Instanz sei bei der Bemes­sung der Beschwer jeden­falls als deren Unter­gren­ze zu berück­sich­ti­gen, die hier 600 € über­stei­ge.

Dies wider­spricht § 4 ZPO, wonach Kos­ten bei der Wert­fest­set­zung außer Ansatz blei­ben, wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits aus­ge­führt hat5. Es besteht kein Anlass in die­sem Ver­fah­ren, von der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs abzu­wei­chen.

Erfolg­los macht die Rechts­be­schwer­de gel­tend, die Grund­sät­ze des Beschlus­ses des Gro­ßen Zivil­se­nats für Zivil­sa­chen vom 24.11.19946 könn­ten nicht für den Fall gel­ten, dass eine Aus­kunfts­kla­ge iso­liert erho­ben wor­den und die­se nicht Teil einer Stu­fen­kla­ge sei. Es kön­ne des­halb nicht allei­ne auf die Kos­ten der Aus­kunft für die Beschwer des ver­ur­teil­ten Ver­pflich­te­ten abge­stellt wer­den. Dem ist der Bun­des­ge­richts­hof auch für den Fall einer iso­liert erho­be­nen Aus­kunfts­kla­ge, die nicht Teil einer Stu­fen­kla­ge ist, ent­ge­gen­ge­tre­ten und hat dazu aus­ge­führt, dass auch iso­liert erho­be­ne Aus­kunfts­kla­gen in der Regel kein Selbst­zweck sind, son­dern der Vor­be­rei­tung wei­te­rer recht­li­cher oder wirt­schaft­li­cher Maß­nah­men die­nen sol­len. Gegen etwai­ge (Haupt)Ansprüche, die anschlie­ßend in Ver­wen­dung der aus der Aus­kunft gewon­ne­nen Infor­ma­tio­nen gel­tend gemacht wer­den, kön­nen die Beklag­ten sich wei­ter­hin frag­los zur Wehr set­zen, wie auch bei einer Stu­fen­kla­ge dem Leis­tungs­an­trag auf der letz­ten Stu­fe7. Der Sach­ver­halt ent­hält kei­ne Beson­der­hei­ten, die es recht­fer­ti­gen wür­den, von die­sen Grund­sät­zen abzu­wei­chen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. Juli 2018 – II ZB 13/​17

  1. st. Rspr., BGH, Beschluss vom 07.11.2017 – II ZB 4/​17, NZG 2018, 110 Rn. 3 mwN []
  2. LG Mün­chen I, Beschluss vom 24.01.2017 13 S 9111/​16 []
  3. st. Rspr., BGH, Beschluss vom 13.09.2017 – IV ZB 21/​16, Fam­RZ 2017, 1954, Rn. 9; Beschluss vom 28.02.2017 – I ZR 46/​16, ZUMRD 2017, 251 Rn. 14 []
  4. BGH, Beschluss vom 07.11.2017 – II ZB 4/​17, NZG 2018, 110 Rn. 12 f. []
  5. BGH, Gro­ßer Bun­des­ge­richts­hof für Zivil­sa­chen, Beschluss vom 24.11.1994 GSZ 1/​94, BGHZ 128, 85, 91 f. []
  6. GSZ 1/​94, BGHZ 128, 85 ff. []
  7. BGH, Beschluss vom 07.11.2017 – II ZB 4/​17, NZG 2018, 110 Rn.19 []