Das 1937 ver­stei­ger­te Bild eines jüdi­schen Kunst­händ­lers

Das Ober­lan­des­ge­richt Köln hat einen Scha­dens­er­satz­an­spruch wegen eines im Jahr 1937 ver­stei­ger­tes Bild eines jüdi­schen Kunst­händ­lers ver­neint.

Das 1937 ver­stei­ger­te Bild eines jüdi­schen Kunst­händ­lers

Die Klä­ge­rin, eine New Yor­ker Gesell­schaft, ver­lang­te Scha­dens­er­satz für ein Gemäl­de von Ludo­vico Car­rac­ci. Das Werk hat­te frü­her einem jüdi­schen Kunst­händ­ler gehört. Die­ser hat­te es im Jahr 1937 unter dem Ver­fol­gungs­druck des NS-Regimes beim Rechts­vor­gän­ger des beklag­ten Kunst­hau­ses ver­stei­gern las­sen und hier­für 4.320 Reichs­mark erhal­ten. Im Jahr 2000 bot das­sel­be Kunst­haus das Bild erneut zur Ver­stei­ge­rung an. Die Klä­ge­rin erstei­ger­te es für etwa 100.000 DM. Im Jahr 2009 gab sie es an die Erben des jüdi­schen Kunst­händ­lers zurück, nach­dem die­se es im Jahr 2004 im Art Loss Regis­ter als gesucht gemel­det hat­ten. Die Klä­ge­rin will nun­mehr den gegen­wär­ti­gen Wert des Bil­des ersetzt erhal­ten, den sie mit knapp 300.000 Euro bewer­tet. Sie macht hier­zu gel­tend, sie habe das Kunst­werk nach US-ame­ri­ka­ni­schem Recht an die Erben her­aus­ge­ben müs­sen.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Köln hat­te die Kla­ge abge­wie­sen 1. Das Ober­lan­des­ge­richt Köln hat die­se Ent­schei­dung nun bestä­tigt:

Die Klä­ge­rin sei trotz der Vor­ge­schich­te bei der öffent­li­chen Ver­stei­ge­rung recht­mä­ßi­ge Eigen­tü­me­rin des Bil­des gewor­den. Die­ses Eigen­tum sei auch nicht mit einem soge­nann­ten Rechts­man­gel behaf­tet. Ins­be­son­de­re habe die Klä­ge­rin das Gemäl­de nach US-ame­ri­ka­ni­schem Recht nicht zurück­ge­ben müs­sen. Wesent­lich für das Ober­lan­des­ge­richt war dabei, dass der Kunst­händ­ler bei der Ver­stei­ge­rung im Jahr 1937 den Ver­stei­ge­rungs­er­lös erhal­ten hat­te und nach dem Krieg durch den deut­schen Staat für den durch den Ver­fol­gungs­druck bei der Ver­stei­ge­rung ver­ur­sach­ten Min­der­erlös ("Ver­schleu­de­rungs­scha­den") auf Basis sei­ner Vor­stel­lun­gen ent­schä­digt wor­den war. Der Händ­ler habe das Werk auch nicht behal­ten wol­len, son­dern es sei ohne­hin zum Ver­kauf bestimmt gewe­sen. Ein Her­aus­ga­be­an­spruch der Erben nach US-ame­ri­ka­ni­schen Recht schei­de über­dies aus, weil der Kunst­händ­ler nach dem Krieg die Gemäl­de aus der Ver­stei­ge­rung im Jahr 1937 – anders als Kunst­wer­ke aus sei­nem Bestand, wel­che die Gesta­po spä­ter beschlag­nahmt hat­te – nicht gesucht habe. Dies zei­ge, dass die Sache hin­sicht­lich des in Rede ste­hen­den Bil­des mit Erhalt der Ent­schä­di­gung abge­schlos­sen gewe­sen sei.

Hier­mit weicht das Ober­lan­des­ge­richt von einer Ver­gleichs­ent­schei­dung des District Court of Rho­de Island aus dem Jahr 2008 ab. Die­ses US-ame­ri­ka­ni­sche Gericht hat­te hin­sicht­lich eines ande­ren Gemäl­des, das im Jahr 1937 in der glei­chen Auk­ti­on ver­stei­gert wor­den war, einen nach US-ame­ri­ka­ni­schen Recht bestehen­den Her­aus­ga­be­an­spruch der Erben bejaht. Das Ober­lan­des­ge­richt hat sei­ne hier­von abwei­chen­de Ent­schei­dung nach Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens zum ame­ri­ka­ni­schen Recht damit begrün­det, dass der vom Court of Rho­de Island zugrun­de geleg­te Sach­ver­halt sich wesent­lich von dem vor­lie­gen­den Fall unter­schei­de. Wäh­rend das ame­ri­ka­ni­sche Gericht davon aus­ge­gan­gen sei, dass der Kunst­händ­ler die Erlö­se aus der Auk­ti­on des Jah­res 1937 nicht erhal­ten hat­te, hat das Ober­lan­des­ge­richt im vor­lie­gen­den Fall durch Ein­blick in die Ent­schä­di­gungs­ak­te des jüdi­schen Kunst­händ­lers fest­ge­stellt, dass die Erlö­se aus­ge­zahlt und der Händ­ler für den Ver­schleu­de­rungs­scha­den ent­schä­digt wor­den war.

Das Ober­lan­des­ge­richt hat die Revi­si­on zum Bun­des­ge­richts­hof nicht zuge­las­sen. Wie die in einem aus­län­di­schen Staat gel­ten­de Rechts­la­ge in einem deut­schen Gerichts­ver­fah­ren zu ermit­teln ist, habe der Bun­des­ge­richts­hof bereits geklärt. Ob das aus­län­di­sche Recht zutref­fend ange­wandt wor­den ist, kön­ne durch die Revi­si­on nicht über­prüft wer­den. Denn das Revi­si­ons­ver­fah­ren die­ne der ein­heit­li­chen Anwen­dung nur des deut­schen Rechts. Die Ent­schei­dung kann daher nur noch mit der soge­nann­ten Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ange­grif­fen wer­den.

Ober­lan­des­ge­richt Köln, Urteil vom 8. Juli 2016 – 1 U 36/​13

  1. LG Köln, Urteil vom 24.04.2013 – 23 O 266/​12[]