Der blick­dich­te Zaun

Die Errich­tung eines blick­dich­ten Zauns zum Nach­bar­grund­stück ver­stößt nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin nicht zwin­gend gegen das bau­recht­li­che Ver­un­stal­tungs­ver­bot.

Der blick­dich­te Zaun

In dem hier ent­schie­de­nen Fall hat­te der Eigen­tü­mer eines Grund­stücks in Ber­lin-Lich­ten­berg geklagt, dass mit einem Dop­pel­haus bebaut ist. Die ande­re Dop­pel­haus­hälf­te befin­det sich auf dem Nach­bar­grund­stück. Rück­wär­tig befin­det sich eine ähn­lich wie das Dop­pel­haus über bei­de Grund­stü­cke errich­te­te Remi­se, so dass ein zu den Sei­ten offe­ner Hof­raum ent­steht, durch des­sen Mit­te die Grund­stücks­gren­ze ver­läuft. Der Klä­ger errich­te­te ohne Geneh­mi­gung auf der Grund­stücks­gren­ze einen ca. 1,70 m hohen und 9,90 m lan­gen Metall­zaun mit Kunst­stoff­la­mel­len (Mar­ke „Guck nicht“), weil er sich von der Eigen­tü­me­rin des Nach­bar­grund­stücks beläs­tigt fühl­te. Auf deren Anzei­ge gab das Bezirks­amt Lich­ten­berg dem Klä­ger auf, jede zwei­te hori­zon­ta­le Kunst­stoff­la­mel­le aus dem Metall­zaun zu ent­fer­nen, da die Abschir­mung ver­un­stal­tend wir­ke. Die hier­ge­gen gerich­te­te Kla­ge hat­te vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin Erfolg:

Zwar kön­ne die Bau­be­hör­de die teil­wei­se Besei­ti­gung von Anla­gen anord­nen, die im Wider­spruch zu öffent­lich-recht­li­chen Vor­schrif­ten errich­tet wor­den sei­en. Die Vor­aus­set­zun­gen lägen aber nicht vor. Ver­un­stal­tend sei eine bau­li­che Anla­ge nur, wenn sie aus der Sicht eines für ästhe­ti­sche Ein­drü­cke auf­ge­schlos­se­nen Men­schen eine das Maß der blo­ßen Unschön­heit über­schrei­ten­de, den Geschmacksinn ver­let­zen­de Häss­lich­keit auf­wei­se. Dar­an feh­le es hier. Eine Ver­un­stal­tung des Orts- oder Land­schafts­bil­des kön­ne auf­grund der eher gerin­gen Abmes­sun­gen des Zau­nes und sei­nes Stand­orts inmit­ten einer Hof­si­tua­ti­on nicht ange­nom­men wer­den. Im Übri­gen habe der Gesetz­ge­ber blick­dich­te Ein­frie­dun­gen unab­hän­gig von ihrer Län­ge pri­vi­le­giert, um sozia­le Distanz zu schaf­fen. Die­se Wer­tung dür­fe nicht durch eine zu exten­si­ve Aus­deh­nung der Recht­spre­chung zur Ver­un­stal­tung unter­lau­fen wer­den. Aller­dings sei es dem Ver­ord­nungs­ge­ber unbe­nom­men, stren­ge­re ästhe­ti­sche Maß­stä­be in einer ent­spre­chen­den Ver­ord­nung fest­zu­le­gen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 20. Okto­ber 2016 – VG 13 K 122.16