Der nicht gelie­fer­te Por­sche

Wird die Leis­tung aus einem Kauf­ver­trag nicht erbracht, muss der Ver­käu­fer den ent­stan­de­nen Scha­den erset­zen. Das gilt auch bei Nicht­lie­fe­rung eines bei Ebay erstan­de­nen Por­sches.

Der nicht gelie­fer­te Por­sche

Mit die­ser Begrün­dung hat das Land­ge­richt Coburg in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Kla­ge einer Ebay-Käu­fe­rin statt­ge­ge­ben und ihr einen Scha­den­er­satz in Höhe von 16.000,00 Euro zuge­spro­chen. Der Beklag­te hat­te im Juli 2012 auf der Inter­net­platt­form Ebay einen Por­sche Car­re­ra zum Sofort­kauf für 36.600,00 Euro ein­ge­stellt. Das Fahr­zeug war in allen Ein­zel­hei­ten beschrie­ben. Die Klä­ge­rin kauf­te das Fahr­zeug und erhielt eine Bestä­ti­gungs­email von Ebay über den getä­tig­ten Kauf. Dann konn­te die Käu­fe­rin den Ver­käu­fer jedoch weder tele­fo­nisch noch schrift­lich errei­chen. Ihr Anwalt dräng­te dann auf Erfül­lung des Kauf­ver­trags. Dar­auf­hin teil­te der Beklag­te im Sep­tem­ber 2012 mit, dass er das Inse­rat bei Ebay so nicht auf­ge­ge­ben habe. Er sei Opfer einer Phis­hin­g­at­ta­cke gewor­den. Das Auto ste­he über­haupt nicht zum Ver­kauf.

Die Klä­ge­rin behaup­te­te im Pro­zess, dass sie ein ver­gleich­ba­res Fahr­zeug nur zu einem Durch­schnitts­wert von 53.000,00 Euro hät­te erwer­ben kön­nen. Des­halb habe sie Anspruch auf Scha­den­er­satz in Höhe von 16.400,00 Euro. Der Beklag­te ver­tei­dig­te sich mit der Behaup­tung, das Ange­bot auf Ebay sei durch einen Hacking­an­griff mani­pu­liert wor­den. Zudem wären ver­gleich­ba­re Fahr­zeu­ge güns­ti­ger als zum Preis von 36.600,00 Euro zu erwer­ben.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Land­ge­richt Coburg aus­ge­führt, dass im Pro­zess ein Nach­weis für den von Beklag­ten behaup­te­ten und bei der zustän­di­gen Poli­zei­dienst­stel­le ange­zeig­ten Phis­hin­g­an­griff ver­langt wor­den ist. Dar­auf­hin konn­te der Beklag­te kei­nen Nach­weis für sei­ne Behaup­tung vor­le­gen. Des­halb ging das Land­ge­richt davon aus, dass der Beklag­te das Eba­y­ange­bot zu ver­ant­wor­ten hat.

Da der Beklag­te die Leis­tung aus dem Kauf­ver­trag nicht erbrach­te, muss er der Klä­ge­rin den ent­stan­de­nen Scha­den erset­zen. Das Land­ge­richt hat die Kos­ten der Wie­der­be­schaf­fung einer wirt­schaft­lich gleich­wer­ti­gen Ersatz­sa­che durch einen Sach­ver­stän­di­gen ermit­teln las­sen. Die­ser leg­te die detail­lier­te Beschrei­bung des Eba­y­ange­bots zu Grun­de und ermit­tel­te nach Recher­chen einen rech­ne­ri­schen Durch­schnitts­wert von 53.000,00 Euro. Dabei berück­sich­tig­te er die kon­kre­te Markt­la­ge zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses. Die­se Ein­schät­zung hat der gericht­lich bestell­te Sach­ver­stän­di­ge auch in einer münd­li­chen Ver­hand­lung wei­ter unter­mau­ert, so dass das Gericht an sei­nem Gut­ach­ten kei­ner­lei Zwei­fel hat­te. Der ver­trags­brü­chi­ge Ver­käu­fer hat­te Scha­dens­er­satz in gefor­der­ter Höhe zu leis­ten.

Land­ge­richt Coburg, Urteil vom 29. April 2014 – 21 O 135/​13 (rechts­kräf­tig)