Die Gemein­de als Insol­venz­gläu­bi­ger – und die Min­dest­ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters

Eine Gebiets­kör­per­schaft zählt bei der Berech­nung der Min­dest­ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters auch dann als (nur) eine Gläu­bi­ge­rin, wenn sie durch ver­schie­de­ne Behör­den meh­re­re For­de­run­gen aus unter­schied­li­chen Rechts­ver­hält­nis­sen ange­mel­det hat.

Die Gemein­de als Insol­venz­gläu­bi­ger – und die Min­dest­ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters

Die Min­dest­ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters beträgt nach § 2 Abs. 2 InsVV in Insol­venz­ver­fah­ren, in denen nicht mehr als zehn Gläu­bi­ger ihre For­de­run­gen ange­mel­det haben, regel­mä­ßig 1.000 €. Sie erhöht sich, wenn in dem Ver­fah­ren 11 bis 30 Gläu­bi­ger ihre For­de­run­gen ange­mel­det haben, für je ange­fan­ge­ne fünf Gläu­bi­ger um 150 €. Ab 31 Gläu­bi­ger erhöht sich die Ver­gü­tung je ange­fan­ge­ne fünf Gläu­bi­ger um 100 €. Die mit der Ände­rungs­ver­ord­nung vom 04. Okto­ber 2004 [1] ein­ge­führ­te Rege­lung soll dem unter­schied­li­chen Auf­wand der Ver­wal­ter in den jewei­li­gen Ver­fah­ren Rech­nung tra­gen. Die Anzahl der Gläu­bi­ger wur­de als geeig­ne­tes Dif­fe­ren­zie­rungs­kri­te­ri­um erach­tet, das den Auf­wand des Ver­wal­ters in etwa abbil­det [2]. Maß­ge­bend ist die Kopf­zahl der anmel­den­den Gläu­bi­ger, nicht die Anzahl der ange­mel­de­ten For­de­run­gen [3]. Der Ver­ord­nungs­ge­ber hat sich damit für ein Kri­te­ri­um ent­schie­den, das den tat­säch­li­chen Arbeits­auf­wand des Insol­venz­ver­wal­ters nur nähe­rungs­wei­se wie­der­gibt, dafür aber dem Insol­venz­ge­richt eine ein­fa­che und siche­re Hand­ha­bung ermög­licht. Er hat durch die Ver­wen­dung eines pau­scha­lie­ren­den Maß­stabs im Inter­es­se der Prak­ti­ka­bi­li­tät in Kauf genom­men, dass die Min­dest­ver­gü­tung nicht in jedem Fall genau mit der Belas­tung des Ver­wal­ters kor­re­liert [4]. Die­se Rege­lung ist von der gesetz­li­chen Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge gedeckt und ver­fas­sungs­ge­mäß [5].

Der typi­sie­ren­den Rege­lungs­wei­se ent­spricht es, die maß­geb­li­che Anzahl der Gläu­bi­ger for­mal zu bestim­men. Ent­schei­dend ist, wer jeweils mate­ri­ell­recht­lich Inha­ber der ange­mel­de­ten For­de­rung ist (vgl. § 241 Abs. 1 Satz 1 BGB). Uner­heb­lich ist hin­ge­gen, ob ein Gläu­bi­ger meh­re­re For­de­run­gen gel­tend macht, auch wenn die­se auf unter­schied­li­chen Rechts­ver­hält­nis­sen beru­hen und von ver­schie­de­nen Orga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten des Gläu­bi­gers bear­bei­tet wer­den. Han­delt es sich bei dem Gläu­bi­ger wie hier um eine öffent­lich­recht­li­che Gebiets­kör­per­schaft, die durch ver­schie­de­ne Behör­den recht­lich selb­stän­di­ge For­de­run­gen ange­mel­det hat, ist sie bei der Ermitt­lung der Min­dest­ver­gü­tung nach § 2 Abs. 2 InsVV nur ein­mal zu zäh­len, auch wenn im kon­kre­ten Fall für den Insol­venz­ver­wal­ter ein ähn­li­cher Arbeits­auf­wand ent­steht wie bei der For­de­rungs­an­mel­dung durch unter­schied­li­che Gläu­bi­ger [6]. Eine aus­kömm­li­che Ver­gü­tung muss im Blick auf den Gesichts­punkt der Quer­fi­nan­zie­rung nicht in jedem ein­zel­nen Ver­fah­ren erzielt wer­den [7].

Teil­wei­se wird unter Hin­weis auf den Beschluss des Bun­des­ge­richts­hofs vom 4. Febru­ar 2010 [8] eine mehr wer­ten­de Betrach­tung befür­wor­tet. Dort ging es jedoch nicht um die Ver­gü­tung des end­gül­ti­gen, son­dern um die­je­ni­ge des vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­wal­ters. Da im Eröff­nungs­ver­fah­ren die Zahl der Gläu­bi­ger, die nach Ver­fah­rens­er­öff­nung For­de­run­gen anmel­den, noch nicht bekannt ist, hat der Bun­des­ge­richts­hof für die­sen Ver­fah­rens­ab­schnitt die Zahl der Gläu­bi­ger für maß­geb­lich erach­tet, bei denen nach der Eröff­nung des Ver­fah­rens mit einer For­de­rungs­an­mel­dung zu rech­nen ist. Dar­aus ist nicht der Schluss zu zie­hen, auch im eröff­ne­ten Ver­fah­ren müs­se die Anzahl der Gläu­bi­ger, die in die­sem Ver­fah­rens­sta­di­um bekannt sind, wer­tend bestimmt wer­den.

Mel­det ein Gläu­bi­ger meh­re­re For­de­run­gen an, erhöht dies nach der gel­ten­den Rege­lung nicht die Min­dest­ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters. Eine dar­aus resul­tie­ren­de Dis­kre­panz zwi­schen dem Arbeits­auf­wand des Ver­wal­ters und der Höhe sei­ner Ver­gü­tung ist im Grund­satz hin­zu­neh­men. In beson­de­ren Fäl­len kann eine unan­ge­mes­sen nied­ri­ge Ver­gü­tung durch einen Zuschlag nach § 3 Abs. 1 InsVV ver­mie­den wer­den. Die Umstän­de des vor­lie­gen­den Fal­les recht­fer­ti­gen einen sol­chen Zuschlag jedoch nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Mai 2011 – IX ZB 27/​10

  1. BGBl. I S. 2569[]
  2. vgl. die Begrün­dung der Ver­ord­nung, abge­druckt u.a. in ZIP 2004, 1927, 1930 f[]
  3. BGH, Beschluss vom 16.12. 2010 – IX ZB 39/​10, ZIP 2011, 132 Rn. 4[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 04.02.2010 – IX ZB 129/​08, ZIP 2010, 486 Rn. 8[]
  5. BGH, Beschluss vom 13.03.2008 – IX ZB 63/​05, ZIP 2008, 976 Rn. 6 ff[]
  6. aA GrafSchlicker/​Kalkmann, InsO, 2. Aufl., § 2 InsVV Rn. 19[]
  7. BGH, Beschluss vom 13.03.2008, aaO Rn. 11 f[]
  8. BGH, Beschluss vom 04.02.2010 – IX ZB 129/​08, aaO[]