Die Kla­ge einer kroa­ti­schen Kon­su­lin

Ein Rechts­streit zwi­schen einer in Deutsch­land täti­gen Kon­su­lin und ihrem Anstel­lungs­staat (hier: Kroa­ti­en) unter­liegt nach § 20 Abs. 2 GVG in Ver­bin­dung mit den all­ge­mei­nen Regeln des Völ­ker­rechts nicht der deut­schen Gerichts­bar­keit, weil die Klä­ge­rin als Kon­su­lin ers­ter Klas­se für die Beklag­te hoheit­lich tätig war [1].

Die Kla­ge einer kroa­ti­schen Kon­su­lin

In Fäl­len hoheit­li­cher Tätig­keit des Arbeit­neh­mers für den Ent­sen­de­staat wird durch den zwi­schen Arbeit­neh­mer und Ent­sen­de­staat geführ­ten Rechts­streit – ent­ge­gen der völ­ker­recht­li­chen Norm „ne impe­dia­tur lega­tio“ – eine abs­trak­te Gefahr für die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der diplo­ma­ti­schen Ver­tre­tung begrün­det [2].

Eine kon­kre­te oder tat­säch­li­che Gefähr­dung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit der diplo­ma­ti­schen Ver­tre­tung durch den Rechts­streit ist inso­fern nicht erfor­der­lich [3]. Soweit sich die Gegen­an­sicht in die­sem Zusam­men­hang auf die Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts Mün­chen vom 27.11.2009 [4] beruft, ist das Bun­des­ar­beits­ge­richt die­ser Recht­spre­chung nicht gefolgt. Es beur­teilt die Zustän­dig­keit der deut­schen Gerichts­bar­keit unab­hän­gig von dem kon­kre­ten Streit­ge­gen­stand – auch bei Ver­gü­tungs­kla­gen – allein danach, ob die Tätig­keit des kla­gen­den Mit­ar­bei­ters hoheit­li­cher Natur ist [5].

Auch einen Immu­ni­täts­ver­zicht des Anstel­lungs­staa­tes durch den Abschluss des Abkom­mens vom 24.11.1997 über Sozia­le Sicher­heit [6] ver­neint der Bun­des­gerchts­hof. An die Annah­me eines Immu­ni­täts­ver­zichts sind stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len. Der Ver­zicht bedarf regel­mä­ßig einer aus­drück­li­chen Erklä­rung. Ein kon­klu­den­ter Immu­ni­täts­ver­zicht kommt nur bei Ver­hal­tens­wei­sen in Betracht, aus denen sich ein Unter­wer­fungs­wil­le ein­deu­tig ergibt [7]. Das deutsch­kroa­ti­sche Sozi­al­ver­si­che­rungs­ab­kom­men ent­hält kei­nen aus­drück­li­chen, auf gericht­li­che Erkennt­nis­ver­fah­ren bezo­ge­nen Immu­ni­täts­ver­zicht. Anhalts­punk­te für einen kon­klu­den­ten Ver­zicht sind eben­falls nicht erkenn­bar.

Die deut­sche Gerichts­bar­keit ergibt sich vor­lie­gend auch nicht aus Art. 18 Abs. 1 EuGV­VO aF. Das Immu­ni­täts­recht ist dem inter­na­tio­na­len Zustän­dig­keits­recht vor­ge­la­gert. Ist nach § 20 Abs. 2 GVG in Ver­bin­dung mit den all­ge­mei­nen Regeln des Völ­ker­rechts bereits die Gerichts­bar­keit eines Staa­tes nicht gege­ben, fin­det das inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keits­recht der Ver­ord­nung (EG) Nr. 44/​2001 kei­ne Anwen­dung.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Novem­ber 2015 – III ZR 26/​15

  1. vgl. hier­zu BAG, NJOZ 2012, 784, 785; NJOZ 2003, 1658, 1659 f; NJOZ 2002, 1366, 1368; NZA 2001, 683, 684 f[]
  2. vgl. BAG, NZA 2001, 683, 685[]
  3. vgl. BVerfGE 46, 342, 395; BAG NZA 2001, 683, 685[]
  4. LAG Mün­chen, Beck­RS 2010, 65909[]
  5. BAG, NZA 2013, 468, 470; NZA 2013, 1102, 1103; so auch LAG Baden-Würt­tem­berg, Beck­RS 2009, 61836 Rn.20 ff[]
  6. BGBl.1998 – II S.2034[]
  7. BGH, Beschluss vom 30.01.2013 – III ZB 40/​12, NJW 2013, 3184, 3186; Urteil vom 09.07.2009 – III ZR 46/​08, BGHZ 182, 10 Rn. 38 f[]