Dop­pel­kau­sa­li­tät ‑und die Äqui­va­lenz­theo­rie

Eine Dop­pel­kau­sa­li­tät wird ange­nom­men, wenn zwei Umstän­de einen Scha­den ver­ur­sa­chen und jeder für sich allein aus­ge­reicht hät­te, den gan­zen Scha­den zu ver­ur­sa­chen. Dann sind bei­de Umstän­de als ursäch­lich zu behan­deln1.

Dop­pel­kau­sa­li­tät ‑und die Äqui­va­lenz­theo­rie

Dafür ist nicht erfor­der­lich, dass die Schä­di­gung durch zwei ver­schie­de­ne Per­so­nen erfolgt. Es genügt, wenn eine Per­son zwei Ursa­chen setzt, wel­che jede für sich den vol­len Scha­den her­bei­ge­führt hät­te2. Auch steht der Annah­me einer Dop­pel­kau­sa­li­tät nicht ent­ge­gen, dass sich der Geschä­dig­te das Ver­hal­ten des einen Schä­di­gers im Ver­hält­nis zum ande­ren Schä­di­ger als eige­nes anrech­nen las­sen muss3.

In all die­sen Fäl­len besteht ein Bedürf­nis für eine wer­tungs­mä­ßi­ge Kor­rek­tur der Äqui­va­lenz­theo­rie, um zu ver­hin­dern, dass von zwei schä­di­gen­den Ereig­nis­sen letzt­lich kei­nes zu einer Haf­tung führt.

Anders liegt es jedoch, bei dem Ver­hält­nis einer von außen gesetz­ten mög­li­chen Scha­dens­ur­sa­che und einer eige­nen Hand­lung des Geschä­dig­ten. Hier geht es nicht dar­um, dass die Anwen­dung der Äqui­va­lenz­theo­rie auf zwei mög­li­che Scha­dens­ur­sa­chen zu einer sach­wid­ri­gen Ver­nei­nung jeg­li­cher Haf­tung füh­ren wür­de. Viel­mehr muss in die­sen Fäl­len unter Anwen­dung des im Ansatz sub­jekt­be­zo­ge­nen Scha­dens­be­griffs4 fest­ge­stellt wer­den, inwie­weit sich eine schä­di­gen­de Hand­lung bei dem Geschä­dig­ten über­haupt nach­tei­lig aus­ge­wirkt hat. Einer wer­ten­den Kor­rek­tur der Äqui­va­lenz­theo­rie bedarf es hier nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 4. April 2014 – V ZR 275/​12

  1. BGH, Urteil vom 07.05.2004 – V ZR 77/​03, NJW 2004, 2526, 2528; BGH, Urteil vom 20.02.2013 – – VIII ZR 339/​11, NJW 2013, 2018 Rn. 27 mwN []
  2. BGH, Urteil vom 07.05.2004 – V ZR 77/​03, NJW 2004, 2526, 2528; BGH, Urteil vom 20.02.2013 – VIII ZR 339/​11, NJW 2013, 2018 Rn. 27 []
  3. BGH, Urteil vom 20.02.2013 – VIII ZR 339/​11, NJW 2013, 2018 Rn. 26 f. []
  4. vgl. BGH, Urteil vom 26.09.1997 – V ZR 29/​96, NJW 1998, 302, 304; BGH, Urteil vom 15.10.1991 – VI ZR 314/​90, BGHZ 115, 364, 369 []