Ein­stel­lung der Strom­ver­sor­gung

Die Ein­stel­lung der Strom­ver­sor­gung wegen Zah­lungs­rück­stän­den ist nicht so ein­fach: Ist der Strom­kun­de mit sei­nen Zah­lun­gen im Rück­stand, darf trotz­dem die Strom­zu­fuhr nicht unter­bro­chen wer­den, wenn hin­rei­chend Aus­sicht besteht, dass der Kun­de sei­nen Ver­pflich­tun­gen nach­kom­men wird.

Ein­stel­lung der Strom­ver­sor­gung

Dies zeigt sich jetzt wie­der in einem vom Amts­ge­richt Mün­chen ent­schie­de­nen Ver­fah­ren: Der spä­te­re Beklag­te ist Mie­ter einer Woh­nung, die von der Klä­ge­rin mit Strom ver­sorgt wird. Aller­dings hat­te er die Woh­nung bis zum Juli 2004 unter­ver­mie­tet. Ab August 2004 bewohn­te er sie selbst. Im März 2006 for­der­te das Strom­un­ter­neh­men vom spä­te­ren Beklag­ten für den Zeit­raum März 2003 bis Juli 2004 1.900 €. Im Juli 2006 for­der­te es für den Zeit­raum Juli 2005 bis Juli 2006 644 €. Im Juli 2007 for­der­te es für den Zeit­raum Juli 2006 bis Juni 2007 209 €. Die künf­ti­gen monat­li­chen Vor­aus­zah­lun­gen wur­den mit 16 Euro fest­ge­setzt. Der spä­te­re Beklag­te zahl­te bis Mit­te Juni 2007 450 € an das Strom­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men und über­wies von da an 50 € monat­lich. Gegen die ers­te Rech­nung vom März 2006 wand­te er sich aller­dings. Schließ­lich sei die Woh­nung zu die­sem Zeit­punkt nicht von ihm bewohnt gewe­sen. Dem Strom­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men waren die­se Zah­lun­gen zu wenig. Es wand­te sich an das Amts­ge­richt Mün­chen, um eine Berech­ti­gung zum Ein­stel­len der Strom­ver­sor­gung zu errei­chen.

Der zustän­di­ge Rich­ter des Amts­ge­richts Mün­chen wies die Kla­ge jedoch ab:
Das Ver­trags­ver­hält­nis zwi­schen den Par­tei­en über den Bezug von Strom bestim­me sich nach der Ver­ord­nung über all­ge­mei­ne Bedin­gun­gen für die Grund­ver­sor­gung von Haus­halts­kun­den und die Ersatz­ver­sor­gung mit Elek­tri­zi­tät aus dem Nie­der­span­nungs­netz (Strom­grund­ver­sor­gungs­ver­ord­nung-Strom GVV) vom 07.11.06. Die­se Ver­ord­nung fin­de auch Anwen­dung auf älte­re Ver­trags­be­zie­hun­gen.

Gemäß § 19 Absatz 2 StromGVV sei der Grund­ver­sor­ger bei der Nicht­er­fül­lung einer Zah­lungs­pflicht durch den Kun­den nicht berech­tigt, die Ver­sor­gung zu unter­bre­chen, wenn der Kun­de dar­le­ge, dass aus­rei­chend Aus­sicht bestehe, dass er sei­ner Ver­pflich­tung nach­kom­me. Bei der Berech­nung der rück­stän­di­gen For­de­rung müss­ten zudem die­je­ni­gen nichtti­tu­lier­ten For­de­run­gen außer Betracht blei­ben, die der Kun­de form- und frist­ge­recht sowie schlüs­sig begrün­det bean­stan­det habe. Daher sei die Jah­res­rech­nung vom März 2006 nicht mit her­an zu zie­hen, da der Beklag­te zu die­sem Zeit­punkt die Woh­nung nicht selbst bewohn­te. Zie­he man von der übrig­blei­ben­den For­de­rung in Höhe von 853 Euro (644 € plus 209 €) die gezahl­ten 450 € ab, berück­sich­ti­ge man dar­über hin­aus, dass die Vor­aus­zah­lun­gen jetzt nur noch 16 € betra­gen und dass der Beklag­te 50 € monat­lich bezah­le, sei davon aus­zu­ge­hen, dass der Zah­lungs­rück­stand inner­halb ange­mes­se­ner Zeit getilgt sein wer­de. Die Grund­ver­sor­gung mit Strom dür­fe daher nicht ver­sagt wer­den.

Das Urteil ist rechts­kräf­tig.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 19. Sep­tem­ber 2007 – 242 C 4590/​07