Ent­schei­dung als Vor­sit­zen­der oder Ein­zel­rich­ter?

In der Ver­wen­dung einer unkla­ren Funk­ti­ons­be­zeich­nung des ent­schei­den­den Rich­ters in einer gericht­li­chen Ent­schei­dung (hier: als "Vor­sit­zen­der" statt als "Ein­zel­rich­ter") liegt kei­ne Ver­let­zung von Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG.

Ent­schei­dung als Vor­sit­zen­der oder Ein­zel­rich­ter?

Abs. 1 Satz 2 GG ver­langt, dass sich der zur Ent­schei­dung beru­fe­ne Rich­ter mög­lichst ein­deu­tig aus einer all­ge­mei­nen Norm ergibt 1. Nicht jede feh­ler­haf­te Anwen­dung oder Nicht­be­ach­tung einer ein­fach­ge­setz­li­chen Zustän­dig­keits­vor­schrift begrün­det jedoch zugleich einen ver­fas­sungs­recht­lich rele­van­ten Ver­stoß 2; ein sol­cher liegt erst vor, wenn eine der­ar­ti­ge Norm will­kür­lich unrich­tig ange­wen­det wird 3.

So auch in dem hier ent­schie­de­nen Fall: Der Beschwer­de­füh­rer bringt kei­ne Tat­sa­chen dafür vor, dass der Rich­ter, der den Beschluss erlas­sen hat, nach dem Geschäfts­ver­tei­lungs­plan des Land­ge­richts nicht zur Ent­schei­dung beru­fen gewe­sen wäre. Dass die­ser Rich­ter "als Vor­sit­zen­der" und nicht – wie in § 568 Satz 1 ZPO vor­ge­se­hen – "als Ein­zel­rich­ter" bezeich­net wur­de, stellt kei­nen Ver­stoß gegen Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG dar.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 18. Juli 2019 – 2 BvR 1082/​18

  1. vgl. BVerfGE 6, 45, 50 f.; 17, 294, 299; BVerfG, Beschluss vom 23.12 2016 – 2 BvR 2023/​16, Rn. 23; Beschluss vom 20.02.2018 – 2 BvR 2675/​17, Rn. 17[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 17.03.2014 – 2 BvR 736/​13, Rn. 30[]
  3. vgl. BVerfGE 131, 268, 312[]