Pflicht­teils­an­spruch und Grund­ge­setz

Nach § 2303 Abs. 1 BGB kann das Kind eines Erb­las­sers, das durch Ver­fü­gung von Todes wegen von der Erb­fol­ge aus­ge­schlos­sen ist, von dem Erben den Pflicht­teil ver­lan­gen. Der Erb­las­ser kann dem Kind den
Pflicht­teil nur ent­zie­hen, wenn ein Pflicht­teils­ent­zie­hungs­grund vor­liegt. Dies ist unter ande­rem dann der Fall, wenn das Kind dem Erb­las­ser nach dem Leben trach­tet oder es sich einer vor­sätz­li­chen kör­per­li­chen Miss­hand­lung des Erb­las­sers schul­dig macht (§ 2333 Nr. 1 und 2 BGB).

Pflicht­teils­an­spruch und Grund­ge­setz

Die­se grund­sätz­lich unent­zieh­ba­re und bedarfs­un­ab­hän­gi­ge wirt­schaft­li­che Min­dest­be­tei­li­gung der Kin­der des Erb­las­sers an des­sen Nach­lass ist nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar. Sie wird durch die Erb­rechts­ga­ran­tie des Art. 14 Abs. 1 Satz 1 in Ver­bin­dung mit Art. 6 Abs. 1 GG gewähr­leis­tet. Die Nor­men über das Pflicht­teils­recht der Kin­der des Erb­las­sers (§ 2303 Abs. 1 BGB) und über die Pflicht­teils­ent­zie­hungs­grün­de des § 2333 Nr. 1 und 2 BGB sind mit dem
Grund­ge­setz ver­ein­bar.

(BVerfG, Beschluss vom 19. April 2005 ? 1 BvR 1644/​00 und 1 BvR 188/​03)