Fest­stel­lungs­kla­ge bei delik­ti­schen For­de­run­gen – und der Streit­wert

Der Streit­wert einer Kla­ge, mit der die Fest­stel­lung begehrt wird, eine ange­mel­de­te For­de­rung beru­he auf einer vor­sätz­lich began­ge­nen uner­laub­ten Hand­lung, bemisst sich nach höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung nicht nach dem Nenn­wert der For­de­rung, son­dern maß­geb­lich viel­mehr die spä­te­ren Voll­stre­ckungs­aus­sich­ten des Insol­venz­gläu­bi­gers nach Been­di­gung des Insol­venz­ver­fah­rens und Ertei­lung der Rest­schuld­be­frei­ung sind.

Fest­stel­lungs­kla­ge bei delik­ti­schen For­de­run­gen – und der Streit­wert

Müs­sen die künf­ti­gen Voll­stre­ckungs­aus­sich­ten "eher zurück­hal­tend" beur­teilt wer­den, so kann dabei auch ein deut­li­cher Abschlag von 75% gerecht­fer­tigt sein 1.

Glei­ches gilt für die Bemes­sung der Beschwer des Klä­gers, wenn sei­ne auf eine sol­che Fest­stel­lung gerich­te­te Kla­ge abge­wie­sen wor­den ist 2.

Ob die­sel­ben Grund­sät­ze auch für die Beschwer des beklag­ten Schuld­ners gel­ten, hat der Bun­des­ge­richts­hof im vor­lie­gen­den Fall offen gelas­sen. Denn auch unter Berück­sich­ti­gung des Ermes­sens­spiel­raums des Beru­fungs­ge­richts erscheint ein Abschlag vom Nomi­nal­wert der For­de­rung in Höhe von vor­lie­gend mehr als 87% deut­lich zu hoch, soll­ten nicht ganz beson­de­re Umstän­de nahe­le­gen, dass der Beklag­te mit höchs­ter Wahr­schein­lich­keit dau­er­haft über kein Ein­kom­men und Ver­mö­gen ver­fü­gen wird, die ihm den Aus­gleich der For­de­rung ermög­li­chen bzw. dem kla­gen­den Land im Rah­men einer von die­sem betrie­be­nen Zwangs­voll­stre­ckung zur Ver­fü­gung ste­hen. Die blo­ße Fest­stel­lung, dass der ver­gleichs­wei­se jun­ge Beklag­te im Jahr 2006 "unge­lernt und lang­zeit­ar­beits­los" war, reicht als Grund­la­ge für eine sol­che Annah­me nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Okto­ber 2013 – VI ZB 2/​13

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 22.01.2009 – IX ZR 235/​08, NJW 2009, 920 Rn. 4 ff.[]
  2. vgl. auch inso­weit BGH, Beschluss vom 22.01.2009 – IX ZR 235/​08, aaO[]