Fest­stel­lungs­kla­ge – und die hin­rei­chen­de Bestimmt­heit des Fest­stel­lungs­an­trags

Gemäß § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO muss die Kla­ge­schrift die bestimm­te Anga­be des Gegen­stands und des Grun­des des erho­be­nen Anspruchs sowie einen bestimm­ten Antrag ent­hal­ten. Der Streit­ge­gen­stand und der Umfang der gericht­li­chen Prü­fungs- und Ent­schei­dungs­be­fug­nis müs­sen klar umris­sen sein 1.

Fest­stel­lungs­kla­ge – und die hin­rei­chen­de Bestimmt­heit des Fest­stel­lungs­an­trags

Für das Ver­ständ­nis eines Kla­ge­an­trags ist nicht an dem buch­stäb­li­chen Wort­laut der Antrags­fas­sung zu haf­ten. Bei Zwei­feln ist der Antrag aus­zu­le­gen. Das Gericht hat den erklär­ten Wil­len zu erfor­schen, wie er aus der Kla­ge­be­grün­dung, dem Pro­zess­ziel und der Inter­es­sen­la­ge her­vor­geht.

Die für Wil­lens­er­klä­run­gen gel­ten­den Aus­le­gungs­re­geln (§§ 133, 157 BGB) sind für die Aus­le­gung von Kla­ge­an­trä­gen her­an­zu­zie­hen. Das gilt auch im Revi­si­ons­ver­fah­ren 2.

In dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall bedeu­te­te dies: Nach der danach gebo­te­nen Aus­le­gung genügt der Fest­stel­lungs­an­trag des Klä­gers den Anfor­de­run­gen an die hin­rei­chen­de Bestimmt­heit iSv. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Der Klä­ger begehrt die Fest­stel­lung, dass die Beklag­te ver­pflich­tet ist, sämt­li­che zukünf­ti­gen mate­ri­el­len Schä­den zu erset­zen, die ihm aus der unter­las­se­nen Ein­stel­lung bei der Beklag­ten als "Sachgebietsleiter/​in Bau­ver­wal­tung (m/​w), Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­ren 01/​2014" ent­ste­hen wer­den. Er möch­te so gestellt wer­den, als wäre ihm die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le über­tra­gen wor­den. Mit die­sem Inhalt wäre der Antrag man­gels voll­streck­ba­ren Inhalts zu unbe­stimmt. Es wird nicht deut­lich, in wel­chem Umfang der Klä­ger wie ein Sach­ge­biets­lei­ter Bau­ver­wal­tung behan­delt wer­den will. Der Antrag kann vom Bun­des­ar­beits­ge­richt kon­kre­ti­sie­rend dahin gehend aus­ge­legt wer­den, dass es ihm allein um die finan­zi­el­le Gleich­stel­lung in der Ver­gü­tung geht. Zwar beschränkt sich sein Antrag nicht aus­drück­lich hier­auf. Der Klä­ger gibt in der Kla­ge­be­grün­dung jedoch kei­ne ande­ren Nach­tei­le durch die unter­blie­be­ne Ein­stel­lung an, son­dern ver­weist dar­auf, dass die Scha­dens­er­satz­an­sprü­che für die Zukunft (anders als die mit dem Leis­tungs­an­trag gel­tend gemach­ten Ent­gelt(differenz-)ansprüche) der Höhe nach "noch nicht abseh­bar" sei­en. Mit die­ser Aus­le­gung, ihn ab dem 1.04.2016 ver­gü­tungs­mä­ßig so zu stel­len, als wäre er ein­ge­stellt wor­den, ist die Kla­ge hin­rei­chend bestimmt und als Fest­stel­lungs­kla­ge zuläs­sig 3.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 12. Dezem­ber 2017 – 9 AZR 152/​17

  1. BAG 19.02.2008 – 9 AZR 70/​07, Rn. 16, BAGE 126, 26[]
  2. BAG 27.06.2017 – 9 AZR 120/​16, Rn. 11; 19.02.2008 – 9 AZR 70/​07 – aaO mwN[]
  3. vgl. BAG 19.02.2008 – 9 AZR 70/​07, Rn. 18, BAGE 126, 26[]