Fit­ness­ver­trag bei Gelenk­er­kran­kung

Nach dem Abschluss eines Sport­stu­dio­ver­tra­ges hat der Kun­de grund­sätz­lich dann ein außer­or­dent­li­ches Kün­di­gungs­recht, wenn er krank­heits­be­dingt die Ein­rich­tun­gen des Stu­di­os nicht mehr nut­zen kann. Waren aller­dings die Umstän­de, die Anlass zur Kün­di­gung bie­ten, bereits beim Ver­trags­schluss bekannt, so ist dem Kun­den die Ver­trags­fort­set­zung zuzu­mu­ten, wenn kei­ne ande­re aus­drück­li­che Ver­ein­ba­rung dar­über getrof­fen wor­den ist.

Fit­ness­ver­trag bei Gelenk­er­kran­kung

So die Ent­schei­dung des Amts­ge­richts Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Kun­den, der sei­nen Fit­ness­ver­trag wie­der kün­di­gen woll­te, da er an einer chro­ni­schen Erkran­kung der Gelen­ke lei­de. Anfang April 2010 schloss ein Münch­ner mit einem Fit­ness­stu­dio einen Ver­trag mit einer Lauf­zeit von 24 Mona­ten. Kurz nach Trai­nings­be­ginn woll­te er die­sen schon wie­der kün­di­gen. Er gab an, an einer chro­ni­schen Erkran­kung der Gelen­ke zu lei­den und trotz sei­ner Hoff­nun­gen doch nicht trai­nie­ren zu kön­nen. Das Fit­ness­stu­dio nahm die frist­lo­se Kün­di­gung nicht an, ver­wies auf die Lauf­zeit und ver­lang­te schließ­lich 1029 Euro vom Kun­den. Schließ­lich habe die­ser bereits bei Abschluss des Ver­tra­ges von sei­ner Erkran­kung gewusst. Die­ser wei­ger­te sich zu zah­len. Dar­auf hin erhob der Betrei­ber des Stu­di­os Kla­ge vor dem Amts­ge­richt Mün­chen.

Nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts Mün­chen ist Vorraus­set­zung für ein außer­or­dent­li­ches Kün­di­gungs­recht des Kun­den, dass dem kün­di­gen­den Teil unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de des Ein­zel­falls und unter Abwä­gung der beid­sei­ti­gen Inter­es­sen die Fort­set­zung des Ver­trags­ver­hält­nis­ses bis zur ver­ein­bar­ten Been­di­gung nicht zuge­mu­tet wer­den kön­ne. Dies sei nach Abschluss eines Sport­stu­dio­ver­tra­ges zwar grund­sätz­lich der Fall, wenn der Kun­de krank­heits­be­dingt die Ein­rich­tun­gen des Stu­di­os nicht mehr benüt­zen kön­ne.

Anders lie­ge es aber – da aus­drück­lich auch die Inter­es­sen des Kün­di­gungs­geg­ners zu berück­sich­ti­gen sei­en – wenn die Umstän­de, die Anlass zur Kün­di­gung bie­ten, bereits bei Ver­trags­schluss bekannt waren. In die­sem Fall sei dem trai­nings­un­fä­hig erkrank­ten Kun­den die Ver­trags­fort­set­zung zuzu­mu­ten.

Dies habe hier vor­ge­le­gen. Dem Beklag­ten sei sei­ne chro­ni­sche Gelenks­er­kran­kung bekannt gewe­sen. Dass ein Son­der­kün­di­gungs­recht ver­ein­bart wor­den wäre, habe er nicht bewei­sen kön­nen. Er schul­de daher die Bei­trä­ge bis zum Ende der Lauf­zeit des Ver­tra­ges.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 13. Okto­ber 2011 – 213 C 22567/​11