Frei­zeit­rad­ler oben ohne

In einem Urteil aus dem Früh­jahr hat­te der für Ver­kehrs­un­fall­sa­chen zustän­di­ge 1. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf ent­schie­den, dass jeder, der mit sei­nem Renn­rad sei­nen Frei­zeit­sport auf öffent­li­chen Stra­ßen aus­übt, grund­sätz­lich einen Schutz­helm tra­gen muss, da ihm ansons­ten ein Mit­ver­schul­den an bei einem Unfall erlit­te­nen Kopf­ver­let­zun­gen trifft. Nun­mehr hat der­sel­be Senat dies für Frei­zeit­rad­ler ein­ge­schränkt und ent­schie­den, dass ein Frei­zeit­rad­fah­rer, der im inner­städ­ti­schen Ver­kehr ein nicht für den Sport­ein­satz kon­zi­pier­tes Fahr­rad benutzt, anders als ein Renn­rad­fah­rer kei­nen Schutz­helm tra­gen muss.

Frei­zeit­rad­ler oben ohne

Der Ent­schei­dung lag die Kla­ge eines Dor­ma­ge­ner Rad­fah­rers zu Grun­de, der sich bei der Benut­zung eines Rad­we­ges in Neuss zu einer Voll­brem­sung ver­an­lasst sah, weil er den Zusam­men­stoß mit der sich auf den Rad­weg zu bewe­gen­den beklag­ten Fuß­gän­ge­rin ver­mei­den woll­te. Im Zuge der Voll­brem­sung blo­ckier­te das Vor­der­rad, der nicht durch einen Helm geschütz­te Klä­ger kipp­te mit dem Fahr­rad vorn­über und ver­letz­te sich dabei erheb­lich. In sei­nem Urteil führt der 1. Zivil­se­nat aus, dass der Klä­ger sich unter kei­nem recht­li­chen Gesichts­punkt ein Mit­ver­schul­den anrech­nen las­sen muss.

In Fort­füh­rung sei­ner bereits in dem Urteil vom 12. Febru­ar 2007 (I‑1 U 182/​06) ent­wi­ckel­ten Recht­spre­chung führt der Senat aus, dass die Fra­ge, ob Rad­fah­rer einen Schutz­helm tra­gen müs­sen, nur dif­fe­ren­ziert beant­wor­tet wer­den kön­ne. Im Hin­blick auf die völ­lig unter­schied­li­chen Fahr­wei­sen und die damit ein­her­ge­hen­den Gefah­ren und Risi­ken sei es gebo­ten, eine Unter­schei­dung zwi­schen den ver­schie­de­nen Rad­fah­rer­grup­pen vor­zu­neh­men und dabei auch die Ver­kehrs­si­tua­ti­on (Rad­weg oder Stra­ße; inner­ört­li­cher oder außer­ört­li­cher Ver­kehr) zu berück­sich­ti­gen. Dem her­kömm­li­chen Frei­zeit­rad­fah­rer, der sein Gefährt als nor­ma­les Fort­be­we­gungs­mit­tel ohne sport­li­che Ambi­tio­nen ein­setzt, kön­ne man­gels ent­spre­chen­der all­ge­mei­ner Übung nicht ohne Wei­te­res abver­langt wer­den, zu sei­nem eige­nen Schutz vor Unfall­ver­let­zun­gen einen Schutz­helm zu tra­gen. In die­ser Grup­pe sei das Unfall­ri­si­ko und das Aus­maß der Eigen­ge­fähr­dung deut­lich gerin­ger als bei Renn­rad­fah­rern, bei denen auch die Akzep­tanz und Bereit­schaft, einen Schutz­helm zu tra­gen, deut­li­cher aus­ge­prägt sei. Da der Klä­ger ein gewöhn­li­ches Tou­ren­fahr­rad benutz­te, mit dem er einen inner­ört­li­chen Rad­weg mit einer Geschwin­dig­keit von 15 km/​h befuhr, gehö­re er zu der Grup­pe von Rad­fah­ren, die kei­nen Schutz­helm tra­gen müs­sen.

Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 18. Juni 2007 ? I‑1 U 278/​06 ? nicht rechts­kräf­tig