Frist­lo­se Kün­di­gung des Miet­ver­hält­nis­ses – und die Pro­vo­ka­ti­on des Ver­mie­ters

In die Wür­di­gung, ob der Ver­mie­ter ange­sichts einer Pflicht­ver­let­zung des Mie­ters ein berech­tig­tes Inter­es­se (§ 573 Abs. 2 Nr. 1 BGB) an der Been­di­gung des Miet­ver­tra­ges hat oder die Fort­set­zung des Miet­ver­hält­nis­ses für ihn unzu­mut­bar ist (§ 543 Abs. 1 BGB), ist ein vor­an­ge­gan­ge­nes ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten des Ver­mie­ters ein­zu­be­zie­hen, ins­be­son­de­re, wenn es das nach­fol­gen­de ver­trags­wid­ri­ge Ver­hal­ten des Mie­ters pro­vo­ziert hat.

Frist­lo­se Kün­di­gung des Miet­ver­hält­nis­ses – und die Pro­vo­ka­ti­on des Ver­mie­ters

Die frist­lo­se Kün­di­gung eines Wohn­raum­miet­ver­hält­nis­ses setzt gemäß § 543 Abs. 1 Satz 2 BGB vor­aus, dass dem Kün­di­gen­den unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de des Ein­zel­falls, ins­be­son­de­re eines Ver­schul­dens der Ver­trags­par­tei­en, und unter Abwä­gung der bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen die Fort­set­zung des Miet­ver­hält­nis­ses bis zum Ablauf der Kün­di­gungs­frist oder bis zur sons­ti­gen Been­di­gung des Miet­ver­hält­nis­ses nicht zuge­mu­tet wer­den kann.

Die Beant­wor­tung der Fra­ge, ob eine Unzu­mut­bar­keit in die­sem Sin­ne vor­liegt, ist das Ergeb­nis einer wer­ten­den Betrach­tung; die­se obliegt in ers­ter Linie dem Tatrich­ter und kann vom Revi­si­ons­ge­richt nur dar­auf­hin über­prüft wer­den, ob der Tatrich­ter die maß­ge­ben­den Tat­sa­chen voll­stän­dig und feh­ler­frei fest­ge­stellt und gewür­digt hat und ob er die all­ge­mein aner­kann­ten Maß­stä­be berück­sich­tigt und rich­tig ange­wandt hat1.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 4. Juni 2014 – VIII ZR 289/​13

  1. BGH, Urteil vom 09.03.2005 – VIII ZR 394/​03, WuM 2005, 401 unter – II 3 []