Gefähr­dungs­haf­tung von Pri­vat­pi­lo­ten

Die luft­ver­kehrs­recht­li­che Gefähr­dungs­haf­tung gilt auch für ?Pri­vat­pi­lo­ten?. Als Luft­fracht­füh­rer haf­tet auch ein nicht gewerb­lich täti­ger "Pri­vat­pi­lot" gemäß § 45 Luft­ver­kehrs­ge­setz für Schä­den, die sei­ne ver­ein­ba­rungs­ge­mäß beför­der­ten Pas­sa­gie­re beim Absturz des Flug­zeu­ges erlei­den.

Gefähr­dungs­haf­tung von Pri­vat­pi­lo­ten

In dem hier vom Ober­lan­des­ge­richt Hamm ent­schie­de­nen Fall hat­te die Toch­ter einer bei einem Flug­zeug­ab­sturz im August 2013 ums Leben gekom­me­nen Pas­sa­gie­rin geklagt. Sie ver­lang­te vom Sohn des bei dem Absturz eben­falls töd­lich ver­un­fall­ten Pilo­ten, Scha­dens­er­satz. Mit zwei von ihrem Bru­der für eine Kos­ten­be­tei­li­gung 600 Euro mit dem Pilo­ten abge­spro­che­nen Flü­gen soll­te zunächst der Bru­der vom Flug­platz in Men­den nach Lan­ge­oog und sodann die Fami­lie des Bru­ders aus dem Urlaub von Lan­ge­oog nach Men­den zurück­ge­bracht wer­den. Der Pilot war Inha­ber einer Pri­vat­pi­lo­ten­li­zenz und char­ter­te für die Flü­ge ein Flug­zeug vom Typ Piper. Auf dem Rück­flug von Lan­ge­oog nach Arns­berg stürz­te das Flug­zeug aus bis­lang unge­klär­ter und zwi­schen den Par­tei­en umstrit­te­ner Ursa­che ab. Die von der Toch­ter des Absturz­op­fers inso­weit behaup­te­ten Pilo­ten­feh­ler – die­ser habe zu wenig Treib­stoff getankt und es ver­säumt, eine Not­lan­dung ein­zu­lei­ten – hat der Erbe des Pilo­ten unter Hin­weis auf mög­li­che tech­ni­sche Defek­te bestrit­ten. Außer dem Pilo­ten star­ben 4 Pas­sa­gie­re, u.a. die Mut­ter der Klä­ge­rin. Die­se nimmt die Erbin des Pilo­ten auf Ersatz der Beer­di­gungs­kos­ten in Höhe von ca. 7.600 € in Anspruch. Das Ober­lan­des­ge­richt Hamm gab ihr Recht:

Der Beklag­te ist als Erbe des Pilo­ten zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet. Er habe die gemäß § 45 Luft­ver­kehrs­ge­setz begrün­de­te Scha­dens­er­satz­pflicht des ver­stor­be­nen Pilo­ten zu erfül­len. Der Pilot sei auf­grund eines ihm erteil­ten Auf­tra­ges ver­pflich­tet gewe­sen, die Pas­sa­gie­re zu einem Pau­schal­preis von 600 Euro zu flie­gen. Er habe nicht ledig­lich – rechts­un­ver­bind­lich – aus Gefäl­lig­keit gehan­delt. Er sei als Luft­fracht­füh­rer im Sin­ne des Luft­ver­kehrs­ge­set­zes anzu­se­hen. Dass die Vor­schrift im Rah­men der dort fest­ge­leg­ten Haf­tungs­gren­zen eine Gefähr­dungs­haf­tung auch für nicht gewerb­lich täti­ge ?Pri­vat­pi­lo­ten? begrün­de, sei recht­lich unbe­denk­lich. Von einem haf­tungs­be­grün­den­den Unfall­ereig­nis im Sin­ne des Luft­ver­kehrs­ge­set­zes sei nach dem Vor­trag aller Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten aus­zu­ge­hen.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Beschluss vom 19. Novem­ber 2015 – 27 U 47/​15