Gesundheitsschaden mit verschiedenen Ursachen

Lässt sich bei der Mitverursachung einer Gesundheitsverletzung durch mehrere Ursachen ein Teil des Gesundheitsschadens abgrenzen, der ausschließlich einer Ursache zuzurechnen ist? Mit dieser Frage hatte sich der Bundesgerichtshof zu befassen:

Gesundheitsschaden mit verschiedenen Ursachen

Eine Mitursächlichkeit steht zwar haftungsrechtlich der Alleinursächlichkeit grundsätzlich in vollem Umfang gleich. Dies ist aber ausnahmsweise nicht der Fall, wenn feststeht, dass die Mitursächlichkeit nur zu einem abgrenzbaren Teil des Schadens geführt hat.

Nach allgemeinem Schadensrecht steht nämlich eine Mitursächlichkeit, und sei es auch nur im Sinne eines Auslösers neben erheblichen anderen Umständen, der Alleinursächlichkeit grundsätzlich haftungsrechtlich in vollem Umfang gleich1. Auch wenn eine Mitursächlichkeit der Alleinursächlichkeit haftungsrechtlich grundsätzlich in vollem Umfang gleichsteht, ist dies ausnahmsweise nicht der Fall, wenn feststeht, dass der Behandlungsfehler nur zu einem abgrenzbaren Teil des Schadens geführt hat, also eine sogenannte abgrenzbare Teilkausalität vorliegt2. Erforderlich ist, dass sich der Schadensbeitrag des Behandlungsfehlers einwandfrei von dem anderen Schadensbeitrag – etwa einer Vorschädigung des Patienten – abgrenzen und damit der Haftungsanteil des Arztes bestimmen lässt3. Andernfalls verbleibt es bei der Einstandspflicht für den gesamten Schaden, auch wenn dieser durch andere, schicksalhafte Umstände wesentlich mitverursacht worden ist4.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 20. Mai 2014 – VI ZR 187/13

  1. vgl. BGH, Urteile vom 27.06.2000 – VI ZR 201/99, VersR 2000, 1282, 1283; vom 20.11.2001 – VI ZR 77/00, VersR 2002, 200, 201; vom 05.04.2005 – VI ZR 216/03, VersR 2005, 942; vom 19.04.2005 – VI ZR 175/04, VersR 2005, 945, 946; vom 16.03.2010 – VI ZR 64/09, VersR 2010, 627 Rn. 12; BGH, Beschluss vom 13.11.2007 – VI ZR 155/07[]
  2. vgl. BGH, Urteile vom 01.10.1996 – VI ZR 10/96, VersR 1997, 362, 363; vom 08.02.2000 – VI ZR 325/98, VersR 2000, 1107, 1108; vom 05.04.2005 – VI ZR 216/03, VersR 2005, 942; BGH, Beschluss vom 13.11.2007 – VI ZR 155/07[]
  3. G. Müller, VersR 2006, 1289, 1296[]
  4. vgl. OLG Schleswig, OLGR Schleswig 2005, 273, 275; Geiß/Greiner, Arzthaftpflichtrecht, 7. Aufl., B Rn. 217[]
Weiterlesen:
Operation ohne wirksame Einwilligung - und der hypothetische Schaden ohne Operation