Haf­tung des Gebraucht­wa­gen­händ­lers bei ver­kürz­tem Inspek­ti­ons­in­ter­vall

Den gewerb­li­chen Ver­käu­fer eines gebrauch­ten Pkw trifft nicht die Ver­pflich­tung, die im Ser­vice­heft ange­ge­be­nen Inspek­ti­ons­vor­ga­ben zu aktua­li­sie­ren oder dem Käu­fer unge­fragt Ände­run­gen der Ser­vice­be­stim­mun­gen des Her­stel­lers – etwa bei einem ver­kürz­tem Zahn­rie­men­wech­sel-Inter­vall – mit­zu­tei­len. Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Land­ge­richt Karls­ru­he die Scha­dens­er­satz­kla­ge des Käu­fers eines Alfa Romeo 147 gegen den Gebraucht­wa­gen­händ­ler abge­wie­sen.

Haf­tung des Gebraucht­wa­gen­händ­lers bei ver­kürz­tem Inspek­ti­ons­in­ter­vall

Vom Käu­fer eines Gebraucht­wa­gens kann, so das Land­ge­richt Karls­ru­he, grund­sätz­lich erwar­tet wer­den, dass er sich selbst dar­um küm­mert, dass die War­tungs­in­ter­val­le ein­ge­hal­ten wer­den. Hier hat es der Käu­fer offen­sicht­lich auch ver­säumt, die an für sich vor­ge­se­he­ne Sicht­kon­trol­le bei 60.000 km durch­füh­ren zu las­sen. Es hät­te dem Käu­fer oble­gen, sich mit der Bedie­nungs­an­lei­tung ent­spre­chend aus­ein­an­der­zu­set­zen.

Eine Hin­weis­pflicht bezüg­lich von War­tungs­in­ter­val­len ist ledig­lich bei einem unmit­tel­bar bevor­ste­hen­den Ablauf anzu­neh­men. So hat das Amts­ge­richt Bran­den­burg 1 eine sol­che Hin­weis­pflicht allen­falls dann ange­nom­men, wenn die emp­foh­le­ne Frist vor­aus­sicht­lich inner­halb der nächs­ten 3 Mona­te abläuft.

Mit dem Amts­ge­richts Hoyers­wer­da 2 geht das Land­ge­richt Karls­ru­he im Übri­gen davon aus, dass den gewerb­li­chen Ver­käu­fer eines gebrauch­ten Pkw nicht die Ver­pflich­tung trifft, die im Ser­vice­heft ange­ge­be­nen Inspek­ti­ons­vor­ga­ben zu aktua­li­sie­ren oder dem Käu­fer unge­fragt Ände­run­gen der Ser­vice­be­stim­mun­gen des Her­stel­lers mit­zu­tei­len. Zu Recht führt das Amts­ge­richt Hoyers­wer­da aus, dass sol­che Hin­wei­se nicht ver­kehrs­üb­lich sind und im Hin­blick auf den zwi­schen den Par­tei­en geschlos­se­nen Kauf­ver­trag zu weit gin­gen. Denn zur erfolg­rei­chen Über­ga­be und Über­eig­nung des Pkws waren die gefor­der­ten Anga­ben nicht erfor­der­lich. Ent­spre­chen­de Infor­ma­tio­nen waren auch nicht für den lau­fen­den Betrieb des Pkw not­wen­dig. Es ist im Übri­gen auch all­ge­mein bekannt, dass Her­stel­ler ihre Ser­vice­vor­ga­ben aktua­li­sie­ren bzw. auch ändern. Es muss auch berück­sich­tigt wer­den, dass der Beklag­ten gera­de nicht die Durch­füh­rung der fäl­li­gen Inspek­ti­on über­tra­gen wor­den war. Ledig­lich im Fal­le einer sol­chen Über­tra­gung bzw. bei aus­drück­li­cher Nach­fra­ge wäre die Beklag­te ver­pflich­tet gewe­sen, die Klä­ge­rin über den neu­es­ten Stand der Ser­vice­vor­ga­ben des Her­stel­lers zu infor­mie­ren 3.

Soweit sich der Klä­ger­ver­tre­ter im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang auf eine Ent­schei­dung des BGH vom 23.07.2009 4 beruft, ist die­se BGH-Ent­schei­dung nach dem Dafür­hal­ten des Land­ge­richts Karls­ru­he für die vor­lie­gen­de Fall­kon­stel­la­ti­on nicht wei­ter­füh­rend. Anders als im dor­ti­gen Fall war die Beklag­te näm­lich kei­ne mit der Grund­über­ho­lung einer tech­ni­schen Anla­ge beauf­trag­te Fach­werk­statt.

Land­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 26. Janu­ar 2010 – 6 O 82/​09

  1. AG Bran­den­burg, Urteil vom 08.01.2007 – 31 C 59/​06, NJW 2007, 3072-3075
  2. AG Hoyers­wer­da, Urteil vom 27.04.2004 – 1 C 66/​04
  3. AG Hoyers­wer­da, a.a.O.
  4. BGH, Urteil vom 23.07.2009 – VII ZR 164/​08, NJW-RR 2009, 1151-1152