Kin­der­krip­pen-AGB

Sieht das Ver­trags­for­mu­lar einer Kin­der­krip­pe ein ordent­li­ches Kün­di­gungs­recht von zwei Mona­ten zum Monats­en­de vor, so ist dies im Hin­blick auf die AGB-Kon­trol­le nach § 307 BGB – auch ohne Ein­räu­mung einer anfäng­li­chen Pro­be­zeit – unbe­denk­lich. Auch ist es zuläs­sig, wenn ver­ein­bar­te Fest- und Pau­schal­be­trä­ge stets für vol­le Mona­te zu ent­rich­ten sind. Unzu­läs­sig ist es dage­gen, den Eltern eine Besuchs­pflicht des Kin­des in der Kin­der­krip­pe auf­zu­er­le­gen.

Kin­der­krip­pen-AGB

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall besuch­te der sei­ner­zeit 16 Mona­te alte Sohn die Krip­pe in der Zeit vom 9. bis zum 19. Sep­tem­ber 2013. An die­sem Tag teil­te der Vater der Krip­pen­be­trei­be­rin mit, dass er die Betreu­ung in der Ein­rich­tung nicht mehr in Anspruch neh­men wol­le, und bat um Rück­zah­lung der Kau­ti­on in Höhe von 1.000 €, die er ent­spre­chend den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Kin­der­krip­pe zuvor geleis­tet hat­te. Sein Sohn habe sich in der Krip­pe nicht wohl gefühlt.

Die Krip­pen­be­trei­be­rin hat der Kau­ti­ons­rück­zah­lungs­for­de­rung des Vaters eige­ne Ansprü­che auf Fort­zah­lung der Betreu­ungs­ver­gü­tung zuzüg­lich Ver­pfle­gungs- und Pfle­ge­mit­tel­pau­scha­le für die Mona­te Sep­tem­ber bis Novem­ber 2013 (ins­ge­samt 1.590 €) ent­ge­gen gesetzt. Sie ist der Ansicht, die Kün­di­gung sei erst zum 30. Novem­ber 2013 wirk­sam gewor­den. Wegen der den Kau­ti­ons­be­trag über­stei­gen­dem 590 € hat sie Wider­kla­ge erho­ben, mit der sie über­dies die Fest­stel­lung begehrt, dass der Vater ihren För­der­aus­fall für die Mona­te Sep­tem­ber bis Novem­ber 2013 in Höhe von 2.495,07 € zu bezah­len habe. Hier­zu hat sie vor­ge­tra­gen, dass ihr die Rück­zah­lung kind­be­zo­ge­ner staat­li­cher und kom­mu­na­ler För­der­mit­tel dro­he, weil die­se zur Vor­aus­set­zung hät­ten, dass ein regel­mä­ßi­ger Besuch der Krip­pe durch die von der För­de­rung erfass­ten Kin­der erfol­ge. Trotz inten­si­ver Bemü­hun­gen sei ihr, der Krip­pen­be­trei­be­rin, eine Nach­be­set­zung des frei­ge­wor­de­nen Plat­zes vor dem 1. Dezem­ber 2013 nicht gelun­gen.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Amts­ge­richt Mün­chen hat Gegen­for­de­run­gen der Krip­pen­be­trei­be­rin in Höhe von ins­ge­samt 1.410 € für gerecht­fer­tigt erach­tet und die Wider­kla­ge im Übri­gen abge­wie­sen1. Die hier­ge­gen ein­ge­leg­ten Beru­fun­gen bei­der Par­tei­en sind vor dem Land­ge­richt Mün­chen I im Wesent­li­chen erfolg­los geblie­ben2. Die vom Land­ge­richt Mün­chen I im Beru­fungs­ur­teil zuge­las­se­nen Revi­sio­nen bei­der Par­tei­en hat der Bun­des­ge­richts­hof nun eben­falls als unbe­grün­det zurück­ge­wie­sen:

Nach dem Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs konn­te der Vater das Ver­trags­ver­hält­nis erst mit Wir­kung zum 30. Novem­ber 2013 kün­di­gen. Ein jeder­zei­ti­ges sofor­ti­ges Kün­di­gungs­recht der Eltern (hier: des Vaters) nach § 627 Abs. 1 BGB hat der Bun­des­ge­richts­hof ver­neint, weil es sich bei dem Betreu­ungs­ver­trag als um ein dau­ern­des Dienst­ver­hält­nis mit fes­ten Bezü­gen han­delt. Sieht der (For­mu­lar-)Ver­trag ein ordent­li­ches Kün­di­gungs­recht von zwei Mona­ten zum Monats­en­de vor, so ist dies im Hin­blick auf die AGB-Kon­trol­le nach § 307 BGB unbe­denk­lich. Es ist bei einer sol­chen, ver­gleichs­wei­se kur­zen Frist auch nicht gebo­ten, dass den Eltern für die Dau­er der anfäng­li­chen Ein­ge­wöh­nungs­pha­se – im Sin­ne einer "Pro­be­zeit" – ein frist­lo­ses Lösungs­recht ein­ge­räumt wird.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat jedoch ande­re All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen im Ver­trag der beklag­ten Krip­pen­be­trei­be­rin gemäß § 307 BGB wegen unan­ge­mes­se­ner Benach­tei­li­gung ihrer Ver­trags­part­ner als unwirk­sam ange­se­hen:

Dies gilt zum einen für die Ver­pflich­tung der Eltern zur Leis­tung einer Kau­ti­on in erheb­li­cher Höhe (hier: 1.000 €) in Form eines "Dar­le­hens" an den Betrei­ber der Kin­der­krip­pe.

Unwirk­sam ist fer­ner die voll­stän­di­ge Abbe­din­gung der Mög­lich­keit der Eltern, von ihrer Ver­gü­tungs­pflicht im Fall des Annah­me­ver­zugs einen Abzug wegen der vom Krip­pen­be­trei­ber erspar­ten Auf­wen­dun­gen nach § 615 Satz 2 BGB vor­zu­neh­men; aller­dings ist es zuläs­sig, wenn ver­ein­bar­te Fest- und Pau­schal­be­trä­ge stets für vol­le Mona­te zu ent­rich­ten sind.

Unwirk­sam ist schließ­lich auch eine – zumal: durch Scha­dens­er­satz­an­sprü­che der Kin­der­krip­pe sank­tio­nier­te – Ver­pflich­tung der Eltern, ihr Kind regel­mä­ßig in die Kin­der­krip­pe zu brin­gen und dort betreu­en zu las­sen, da eine sol­che Pflicht mit dem in Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG garan­tier­ten Pfle­ge- und Erzie­hungs­recht der Eltern unver­ein­bar wäre.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Febru­ar 2016 – – III ZR 126/​15

  1. AG München,Urteil vom 22. Juli 2014 – 114 C 31477/​13 []
  2. LG Mün­chen I, Urteil vom 23.04.2015 – 6 S 16379/​14 []