Ord­nungs­ge­mä­ße Revi­si­ons­be­grün­dung – und die Aus­ein­der­set­zung mit den Urteils­grün­den

Wen­det sich der Revi­si­ons­klä­ger gegen die mate­ri­el­le Sicht des Finanz­ge­richts, so hat er die Umstän­de zu bezeich­nen, aus denen sich die Rechts­ver­let­zung ergibt (§ 120 Abs. 3 Nr. 2 Buchst. a FGO).

Ord­nungs­ge­mä­ße Revi­si­ons­be­grün­dung – und die Aus­ein­der­set­zung mit den Urteils­grün­den

Das umfasst auch Anga­ben dazu, aus wel­chen Grün­den der Revi­si­ons­klä­ger das erst­in­stanz­li­che Urteil als unrich­tig erach­tet. Dem­ge­mäß gehört nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs zu einer ord­nungs­ge­mä­ßen Revi­si­ons­be­grün­dung u.a. die Aus­ein­an­der­set­zung mit den Grün­den des ange­foch­te­nen Urteils des Finanz­ge­richts.

Der Revi­si­ons­klä­ger muss neben der Rüge eines kon­kre­ten Rechts­ver­sto­ßes die Grün­de tat­säch­li­cher oder recht­li­cher Art ange­ben, die nach sei­ner Auf­fas­sung das erst­in­stanz­li­che Urteil als unrich­tig erschei­nen las­sen.

Erfor­der­lich ist damit eine zumin­dest kur­ze Aus­ein­an­der­set­zung mit den Grün­den des ange­foch­te­nen Urteils, aus der zu erken­nen ist, dass der Revi­si­ons­klä­ger die Begrün­dung die­ses Urteils und sein eige­nes Vor­brin­gen über­prüft hat 1. Der Revi­si­ons­klä­ger muss danach im Ein­zel­nen und in Aus­ein­an­der­set­zung mit der Argu­men­ta­ti­on des Finanz­ge­richt dar­tun, wel­che Aus­füh­run­gen der Vor­in­stanz aus wel­chen Grün­den unrich­tig sein sol­len 2.

Eine aus­schließ­lich unter dem Gesichts­punkt der Ver­let­zung mate­ri­el­len Rechts ein­ge­leg­te Revi­si­on kann nicht in einer den Anfor­de­run­gen des § 120 Abs. 3 Nr. 2 FGO genü­gen­den Wei­se aus­schließ­lich mit Angrif­fen gegen die tat­säch­li­che Wür­di­gung durch das Finanz­ge­richt begrün­det wer­den, es sei denn, es wer­den Umstän­de bezeich­net, aus denen sich schlüs­sig ergibt, dass die vom Finanz­ge­richt in dem ange­foch­te­nen Urteil getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen mit den Denk­ge­set­zen oder mit all­ge­mei­nen Erfah­rungs­sät­zen unver­ein­bar sind 3.

Ins­be­son­de­re genügt hier­zu weder der blo­ße Hin­weis auf zwei Lite­ra­tur­fund­stel­len 4 noch der Ver­weis auf ein BMF-Schrei­ben.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 11. Janu­ar 2017 – VI R 26/​15

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, BFH, Beschluss vom 09.03.2016 – I R 79/​14, BFH/​NV 2016, 1039, und die Nach­wei­se bei Gräber/​Ratschow, Finanz­ge­richts­ord­nung, 8. Aufl., § 120 Rz 59, 65; Rüs­ken in Beermann/​Gosch, FGO § 120 Rz 172 f.[]
  2. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 20.08.2012 – I R 3/​12, BFH/​NV 2012, 1990; vom 07.04.2010 – I R 34/​06, BFH/​NV 2010, 1466, mit wei­te­ren Recht­spre­chungs­hin­wei­sen[]
  3. stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Beschluss vom 28.07.2015 – VI R 1/​15, BFH/​NV 2015, 1591[]
  4. vgl. BFH, Beschluss vom 11.12 1970 – VI R 256/​70, BFHE 101, 55, BSt­Bl II 1971, 205[]