Pro­zess­kos­ten­hil­fe im Insol­venz­ver­fah­ren

Allein der Umstand, dass der Insol­venz­ver­wal­ter ver­su­chen muss, die Finan­zie­rung der Pro­zess­füh­rung durch 26 Gläu­bi­ger zu errei­chen, zwingt nicht zur Gewäh­rung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe.

Pro­zess­kos­ten­hil­fe im Insol­venz­ver­fah­ren

Für die Fra­ge, ob nach § 116 Satz 1 Nr. 1 ZPO den am Gegen­stand des Rechts­streits wirt­schaft­lich Betei­lig­ten zuzu­mu­ten ist, die Kos­ten für den beab­sich­tig­ten Rechts­streit des Insol­venz­ver­wal­ters auf­zu­brin­gen, ist eine wer­ten­de Abwä­gung aller Gesamt­um­stän­de des Ein­zel­falls erfor­der­lich 1. Bei die­ser wer­ten­den Abwä­gung sind ins­be­son­de­re eine zu erwar­ten­de Quo­ten­ver­bes­se­rung im Fall des Obsie­gens, das Pro­zess- und Voll­stre­ckungs­ri­si­ko und die Gläu­bi­ger­struk­tur zu berück­sich­ti­gen 2.

Eine Zumut­bar­keit ist nicht auto­ma­tisch dann zu beja­hen, wenn die Gläu­bi­ger wirt­schaft­lich leis­tungs­fä­hig sind. Auch ist bei der Beur­tei­lung der Gefahr, dass ein oder meh­re­re Gläu­bi­ger auf die Finan­zie­rung der Kos­ten durch die ande­ren ver­trau­en, nicht allein auf die wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit der Groß­gläu­bi­ger abzu­stel­len. Ist es für den ein­zel­nen Groß­gläu­bi­ger zumut­bar, den auf ihn ent­fal­len­den Anteil der Pro­zess­kos­ten auf­zu­brin­gen, so kann die Mög­lich­keit, das ein­zel­ne Gläu­bi­ger, obwohl ihnen der Bei­trag zuzu­mu­ten ist, die­sen nicht leis­ten, nicht dazu füh­ren, dass für die ande­ren Gläu­bi­ger die Auf­brin­gung des Zuschus­ses unzu­mut­bar wird.

Der Insol­venz­ver­wal­ter muss ver­su­chen, die Finan­zie­rung der Pro­zess­füh­rung durch die wirt­schaft­lich Betei­lig­ten zu betrei­ben und zu koor­di­nie­ren 3. Die­se Auf­fas­sung liegt auch der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zugrun­de, nach der es kei­ne fes­te und star­re Gren­ze hin­sicht­lich der Anzahl der her­an­zu­zie­hen­den Insol­venz­gläu­bi­ger gibt, die wegen des durch die Gläu­bi­ger­struk­tur beding­ten Koor­di­nie­rungs­auf­wands von vor­ne her­ein die Auf­brin­gung der Kos­ten durch die wirt­schaft­lich am Gegen­stand des Rechts­streits Betei­lig­ten als unzu­mut­bar erschei­nen lie­ße 4. Der Insol­venz­ver­wal­ter kann ver­pflich­tet sein, die Gläu­bi­ger davon zu unter­rich­ten, dass die Pro­zess­kos­ten aus der Mas­se nicht bestrit­ten wer­den könn­ten und dass auch die Vor­aus­set­zun­gen der Pro­zess­kos­ten­hil­fe gemäß § 116 Satz 1 Nr. 1 ZPO wegen der vor­han­de­nen Groß­gläu­bi­ger nicht gege­ben sei­en. Um die For­de­rung zuguns­ten der Insol­venz­mas­se durch­zu­set­zen, bedarf es die­ses Ver­su­ches des Insol­venz­ver­wal­ters, die Kos­ten von den wirt­schaft­lich Betei­lig­ten zu erlan­gen. Dies ist von den all­ge­mei­nen Auf­ga­ben des Insol­venz­ver­wal­ters gedeckt; es spielt daher kei­ne Rol­le, dass er hier­für kein beson­de­res Hono­rar erhält.

Der Bun­des­ge­richts­hof muss im vor­lie­gen­den Fall auch nicht ent­schei­den, ob es hin­sicht­lich die­ser Bemü­hun­gen Gren­zen gibt, jen­seits derer der Insol­venz­ver­wal­ter hier­zu nicht mehr ver­pflich­tet ist; in Betracht käme dann im Ein­zel­fall immer noch, dass den Insol­venz­gläu­bi­gern selbst wei­te­re Koor­di­nie­rungs­tä­tig­kei­ten zumut­bar wären. Der Insol­venz­ver­wal­ter hat­te im Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ver­fah­ren aller­dings nicht ein­mal im Ansatz dar­ge­legt, war­um und wes­halb eine Bei­trei­bung die­ser Pro­zess­kos­ten bei den Insol­venz­gläu­bi­gern ohne Erfolg geblie­ben ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Novem­ber 2010 – VII ZB 71/​08

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 27.05.2009 – III ZB 15/​09; vom 23.10.2008 – II ZR 211/​08; vom 27.09.2007 – IX ZB 172/​06, WM 2007, 2201, Rn. 9; und vom 06.03.2006 – II ZB 11/​05, NJW-RR 2006, 1064, Rn. 15[]
  2. BGH, Beschluss vom 27.05.2009 – III ZB 15/​09, m.w.N.[]
  3. eben­so z.B. aus­drück­lich OLG Koblenz, OLGR 2009, 968, 969[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 27.05.2009 – III ZB 15/​09[]