Recht­li­ches Gehör – und die Wür­di­gung des Par­tei­vor­trags

Art. 103 Abs. 1 GG ver­pflich­tet das Gericht, die Aus­füh­run­gen der Pro­zess­be­tei­lig­ten zur Kennt­nis zu neh­men und bei ihrer Ent­schei­dung in Erwä­gung zu zie­hen.

Recht­li­ches Gehör – und die Wür­di­gung des Par­tei­vor­trags

Dabei soll das Gebot des recht­li­chen Gehörs als Pro­zess­grund­recht sicher­stel­len, dass die Ent­schei­dung frei von Ver­fah­rens­feh­lern ergeht, wel­che ihren Grund in unter­las­se­ner Kennt­nis­nah­me und Nicht­be­rück­sich­ti­gung des Sach­vor­trags der Par­tei­en haben.

Dar­aus folgt zwar nicht, dass das Gericht ver­pflich­tet wäre, jedes Vor­brin­gen der Betei­lig­ten in den Ent­schei­dungs­grün­den aus­drück­lich zu beschei­den1. Die wesent­li­chen, der Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung die­nen­den Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen müs­sen in den Grün­den aber ver­ar­bei­tet wer­den2. Geht ein Gericht auf den wesent­li­chen Kern des Tat­sa­chen­vor­trags einer Par­tei zu einer Fra­ge, die für das Ver­fah­ren von zen­tra­ler Bedeu­tung ist, in den Ent­schei­dungs­grün­den nicht ein, so lässt dies auf die Nicht­be­rück­sich­ti­gung des Vor­trags schlie­ßen, sofern er nicht nach dem Rechts­stand­punkt des Gerichts uner­heb­lich oder offen­sicht­lich unsub­stan­ti­iert war3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 31. Mai 2016 – VI ZR 305/​15

  1. vgl. BVerfGE 88, 366, 375 f. mwN
  2. vgl. BVerfGE 47, 182, 189
  3. vgl. BVerfGE 86, 133, 146; BVerfG, Beschluss vom 15.05.2012 – 1 BvR 1999/​09 13