Scha­dens­er­satz­an­sprü­che aus gemein­sa­men Aus­lands­auf­ent­halt

Scha­dens­er­satz­an­sprü­che wie auch etwa im Innen­ver­hält­nis bestehen­de Aus­gleichs­an­sprü­che für einen bei einem gemein­sa­men Aus­lands­auf­ent­halt ver­ur­sach­ten Scha­den rich­ten sich auch dann nach deut­schem Recht, wenn der Aus­lands­auf­ent­halt auf meh­re­re Mona­te ange­legt ist. Dies stellt der Bun­des­ge­richts­hof jetzt aus­drück­lich für den Fall zwei­er ange­hen­den Ärz­tin­nen fest, die ein gemein­sa­mes drei­mo­na­ti­ges Prak­ti­kum in Süd­afri­ka ableis­te­ten.

Scha­dens­er­satz­an­sprü­che aus gemein­sa­men Aus­lands­auf­ent­halt

Hin­sicht­lich der delik­ti­schen Ansprü­che ergibt sich dies aus Art. 40 Abs. 2 Satz 1 EGBGB. Die Par­tei­en hat­ten, wie in die­ser Norm vor­aus­ge­setzt, ihren gewöhn­li­chen Auf­ent­halt zum Unfall­zeit­punkt in Deutsch­land. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass sich die Par­tei­en zu die­sem Zeit­punkt in Süd­afri­ka auf­hiel­ten und erst nach Ablauf von drei Mona­ten nach Deutsch­land zurück­keh­ren woll­ten. Denn der gewöhn­li­che Auf­ent­halt wird durch eine zeit­wei­li­ge Abwe­sen­heit auch von län­ge­rer Dau­er nicht auf­ge­ho­ben, sofern – wie im Streit­fall – die Absicht besteht, an den frü­he­ren Auf­ent­halts­ort zurück­zu­keh­ren 1. Dem Delikts­sta­tut unter­lie­gen auch Ansprü­che aus Gefähr­dungs­haf­tung 2.

Hin­sicht­lich der Ansprü­che wegen schuld­haf­ter Ver­let­zung von sich aus einem Ver­trag über eine Innen­ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts erge­ben­den Sorg­falts­pflich­ten folgt die Anwend­bar­keit deut­schen Rechts aus Art. 27 Abs. 1 Satz 1 EGBGB. Eine ent­spre­chen­de kon­klu­den­te Rechts­wahl im Sin­ne des Art. 27 Abs. 1 Satz 2 EGBGB ergibt sich dar­aus, dass die in Deutsch­land ansäs­si­gen Par­tei­en ihre Rechts­be­zie­hun­gen zuein­an­der gewis­ser­ma­ßen nach Süd­afri­ka mit­ge­nom­men haben (vgl. BGH, Urteil vom 23. Janu­ar 1996 – VI ZR 291/​94VersR 1996, 515, 517) und sich ihre in deut­scher Spra­che getrof­fe­ne Abre­de über die gemein­sa­me Nut­zung des Miet­wa­gens als Fort­set­zung der in Deutsch­land begon­ne­nen Pla­nung und Orga­ni­sa­ti­on ihres gemein­sa­men Auf­ent­halts in Süd­afri­ka dar­stellt. Die Bereichs­aus­nah­me für gesell­schafts­recht­li­che Fra­gen gemäß Art. 37 Abs. 1 Nr. 2 EGBGB gilt für Innen­ge­sell­schaf­ten, in denen die jewei­li­gen Ver­trags­par­tei­en wie im Streit­fall nach außen allein, im Innen­ver­hält­nis aber für die gemein­sa­me Rech­nung der Par­tei­en han­deln 3 nicht 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Febru­ar 2009 – VI ZR 28/​08

  1. vgl. BGH, Urteil vom 3. Febru­ar 1993 – XII ZB 93/​90NJW 1993, 2047, 2048; BayO­bLG, NJW 1993, 670; Spick­hoff in Bamberger/​Roth, BGB, Stand 1. Janu­ar 2008, Art. 40 EGBGB Rn. 32[]
  2. vgl. Spick­hoff in Bamberger/​Roth, aaO, Rn. 8; BT-Drucks. 14/​343 S. 11[]
  3. vgl. zur Innen­ge­sell­schaft BGH, Urteil vom 26. Juni 1989 – II ZR 128/​88NJW 1990, 573, 574[]
  4. vgl. Spick­hoff in Bamberger/​Roth, aaO, Art. 37 EGBGB Rn. 4; OLG Frank­furt, VersR 1999, 1428, 1430[]