Steu­er­be­ra­tungs­kos­ten des Insol­venz­ver­wal­ters

Gemäß § 63 Abs. 1 Satz 1 InsO hat der Insol­venz­ver­wal­ter für sei­ne Geschäfts­füh­rung einen Anspruch auf Ver­gü­tung. Mit der Ver­gü­tung sind die dem Insol­venz­ver­wal­ter im Rah­men sei­ner Tätig­keit regel­mä­ßig ent­ste­hen­den Kos­ten abge­gol­ten. Nur beson­de­re Kos­ten kön­nen eine Aus­nah­me recht­fer­ti­gen sei es im Wege der Aus­la­gen­er­stat­tung (§ 4 Abs. 2, Abs. 3 Satz 2 InsVV), sei es direkt zu Las­ten der Mas­se (§ 4 Abs. 1 Satz 3 InsVV). Im Ver­hält­nis zur Grö­ße des Ver­fah­rens weni­ge, ein­fach zu erstel­len­de Steu­er­erklä­run­gen sind eben­falls mit der Regel­ver­gü­tung abge­gol­ten, sofern kei­ne Rechts­mit­tel ein­ge­legt wer­den müs­sen [1].

Steu­er­be­ra­tungs­kos­ten des Insol­venz­ver­wal­ters

Im vor­lie­gend vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall beauf­trag­te der Insol­venz­ver­wal­ter, ein Steu­er­be­ra­ter, im Lau­fe des Insol­venz­ver­fah­rens die Sozie­tät, der er selbst ange­hört, mit der Erstel­lung der Ein­kom­men­steu­er­erklä­run­gen des Schuld­ners für die Jah­re 2006 bis 2009, was Ein­kom­men­steu­er­erstat­tun­gen in Höhe von ins­ge­samt 1.000 € zur Fol­ge hat­te. Die Kos­ten für die Erstel­lung der Ein­kom­men­steu­er­erklä­run­gen von 800 € ent­nahm er der zum ganz über­wie­gen­den Teil aus den Ein­kom­men­steu­er­erstat­tun­gen bestehen­den Mas­se. Danach stan­den für die Gerichts­kos­ten und die Ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters noch 450 € zur Ver­fü­gung. In der Fol­ge­zeit hat das Insol­venz­ge­richt die Ver­gü­tung für die Tätig­keit des Insol­venz­ver­wal­ters antrags­ge­mäß fest­ge­setzt. Zugleich hat es ange­ord­net, dass auf die Ver­gü­tung die Kos­ten für die Erstel­lung der Ein­kom­men­steu­er­erklä­run­gen anzu­rech­nen sei­en [2]. Die gegen die Anrech­nung gerich­te­te sofor­ti­ge Beschwer­de hat das Land­ge­richt Kle­ve zurück­ge­wie­sen [3]. Die hier­ge­gen gerich­te­te Rechts­be­schwer­de hat der Bun­des­ge­richts­hof nun ver­wor­fen:

Die Befrie­di­gungs­rei­hen­fol­ge des § 209 Abs. 1 InsO gilt auch dann, wenn dem Schuld­ner die Ver­fah­rens­kos­ten gestun­det wur­den. Die Berich­ti­gung der Kos­ten des Insol­venz­ver­fah­rens und damit auch der Ver­gü­tung und der Aus­la­gen des Insol­venz­ver­wal­ters (§ 54 Nr. 2 InsO) hat auch im Fal­le der Stun­dung der Ver­fah­rens­kos­ten abso­lu­ten Vor­rang vor der Befrie­di­gung der Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten [4]. Dies gilt unab­hän­gig davon, ob der Ver­wal­ter die bestehen­de Mas­seun­zu­läng­lich­keit ange­zeigt hat [5].

Nach die­sen Grund­sät­zen war der Insol­venz­ver­wal­ter an die Befrie­di­gungs­rei­hen­fol­ge des § 209 Abs. 1 InsO gebun­den. Als Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten durf­te er die Steu­er­be­ra­tungs­kos­ten des­halb nicht berich­ti­gen.

Die Steu­er­be­ra­tungs­kos­ten waren auch nicht des­halb als Kos­ten des Insol­venz­ver­fah­rens im Sin­ne des § 209 Abs. 1 Nr. 1 InsO anzu­se­hen, weil sie zur Erzie­lung der Ein­kom­men­steu­er­erstat­tun­gen erfor­der­lich und des­halb unaus­weich­lich waren. Auf die Höhe des Ver­gü­tungs­an­spruchs des Insol­venz­ver­wal­ters kön­ne die Beglei­chung der Steu­er­be­ra­tungs­kos­ten dem­nach kei­nen Ein­fluss haben.

Im Schrift­tum wird teil­wei­se befür­wor­tet, unaus­weich­li­che Ver­wal­tungs­kos­ten den Ver­fah­rens­kos­ten in § 26 Abs. 1 Satz 1, § 207 Abs. 1 Satz 1 und § 209 Abs. 1 Nr. 1 InsO gleich­zu­stel­len [6]. Der Bun­des­ge­richts­hof hat unver­meid­ba­re Steu­er­be­ra­tungs­kos­ten unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen als Aus­la­gen behan­delt, die dem Insol­venz­ver­wal­ter bei Ver­fah­rens­kos­ten­stun­dung und Mas­seun­zu­läng­lich­keit nach § 63 Abs. 2 InsO aus der Staats­kas­se zu erstat­ten sind [7]. Im Übri­gen hat er die Ein­ord­nung der unaus­weich­li­chen Ver­wal­tungs­kos­ten bis­her offen gelas­sen [8].

Unter dem Begriff der unaus­weich­li­chen Ver­wal­tungs­kos­ten wer­den Auf­wen­dun­gen erör­tert, die der Insol­venz­ver­wal­ter in Erfül­lung sei­ner Pflich­ten nicht ver­mei­den kann, weil sie aus tat­säch­li­chen oder recht­li­chen Grün­den zwin­gend auf­ge­bracht wer­den müs­sen [9]. Unaus­weich­lich in die­sem Sin­ne kön­nen Steu­er­be­ra­tungs­kos­ten nicht sein, wenn der Steu­er­be­ra­ter zu Las­ten der Mas­se mit Auf­ga­ben betraut wird, deren Erfül­lung dem Insol­venz­ver­wal­ter selbst obliegt.

Gemäß § 63 Abs. 1 Satz 1 InsO hat der Insol­venz­ver­wal­ter für sei­ne Geschäfts­füh­rung einen Anspruch auf Ver­gü­tung. Das Rege­lungs­mo­dell des § 4 InsVV zeigt, dass mit der Ver­gü­tung die Kos­ten abge­gol­ten sind, die dem Insol­venz­ver­wal­ter im Rah­men sei­ner Tätig­keit regel­mä­ßig ent­ste­hen. Nur beson­de­re Kos­ten kön­nen eine Aus­nah­me recht­fer­ti­gen sei es im Wege der Aus­la­gen­er­stat­tung (§ 4 Abs. 2, Abs. 3 Satz 2 InsVV), sei es direkt zu Las­ten der Mas­se (§ 4 Abs. 1 Satz 3 InsVV). Beson­de­re Kos­ten in die­sem Sin­ne ent­ste­hen durch die Beauf­tra­gung eines Steu­er­be­ra­ters dann, wenn die­ser in einer Ange­le­gen­heit tätig wird, die ent­we­der beson­de­re Kennt­nis­se erfor­dert oder über den all­ge­mei­nen, mit jeder Steu­er­erklä­rung ver­bun­de­nen Arbeits­auf­wand hin­aus­geht [10]. Im Ver­hält­nis zur Grö­ße des Ver­fah­rens weni­ge, ein­fach zu erstel­len­de Steu­er­erklä­run­gen sind hin­ge­gen mit der Regel­ver­gü­tung abge­gol­ten, sofern kei­ne Rechts­mit­tel ein­ge­legt wer­den müs­sen [1].

Fest­stel­lun­gen, wel­che die Kos­ten für die Erstel­lung der Ein­kom­men­steu­er­erklä­run­gen im Streit­fall als beson­de­re im vor­ste­hen­den Sin­ne erschei­nen las­sen könn­ten, wur­den im vor­lie­gen­den Fall nicht getrof­fen. Der Hin­weis, abzugs­fä­hi­ge Wer­bungs­kos­ten hät­ten arbeits­auf­wen­dig ermit­telt wer­den müs­sen, ist ohne Sub­stanz. Weder kann dar­an der betrie­be­ne Auf­wand an sich nach­voll­zo­gen wer­den noch wird ersicht­lich, war­um die Wer­bungs­kos­ten von einem Steu­er­be­ra­ter ein­fa­cher zu ermit­teln gewe­sen sein soll­ten. Der Insol­venz­ver­wal­ter hat­te ohne­hin Kon­takt zum Schuld­ner. Es gehör­te zu sei­nen Auf­ga­ben, die für die Durch­set­zung von Ansprü­chen erfor­der­li­chen Ermitt­lun­gen durch­zu­füh­ren [11].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. März 2014 – IX ZB 204/​11

  1. BGH, Beschluss vom 14.11.2013, aaO Rn. 8[][]
  2. AG Kle­ve, Beschluss vom 25.01.2011 – 33 IN 74/​06[]
  3. LG Kle­ve, Beschluss vom 15.06.2011 – 4 T 45/​11[]
  4. BGH, Beschluss vom 19.11.2009 – IX ZB 261/​08, WM 2010, 130 Rn.19 ff; vom 14.10.2010 – IX ZB 224/​08, WM 2010, 2233 Rn. 7[]
  5. BGH, Beschluss vom 19.11.2009, aaO Rn. 11 ff[]
  6. HK-InsO/­Land­fer­mann, 6. Aufl., § 207 Rn. 5 ff; FK-InsO/­Kieß­ner, 7. Aufl., § 207 Rn. 7 ff; Hmb­Komm-InsO/­Weit­zmann, 4. Aufl., § 207 Rn. 5 und § 209 Rn. 3; Graf-Schli­cker/­Rie­del, InsO, 3. Aufl., § 207 Rn. 13[]
  7. BGH, Beschluss vom 22.07.2004 – IX ZB 161/​03, BGHZ 160, 176, 183[]
  8. BGH, Beschluss vom 19.11.2009, aaO Rn. 27; vom 14.10.2010, aaO Rn. 10[]
  9. BGH, Beschluss vom 14.10.2010, aaO[]
  10. BGH, Beschluss vom 22.07.2004, aaO S. 183 f.; vom 14.11.2013 – IX ZB 161/​11, WM 2013, 2373 Rn. 7[]
  11. vgl. BGH, Beschluss vom 14.11.2013, aaO[]