Tran­skrip­ti­on fremd­spra­chi­ger Tele­fon­ge­sprä­che – Dol­met­scher- oder Über­set­zer­tä­tig­keit?

Bei der Über­tra­gung von auf Ton­trä­gern gespei­cher­ten Gesprä­chen in die geschrie­be­ne deut­sche Spra­che han­delt es sich um eine Über­set­zer­leis­tung, die gemäß § 11 Abs. 1 JVEG zu ver­gü­ten ist.

Tran­skrip­ti­on fremd­spra­chi­ger Tele­fon­ge­sprä­che – Dol­met­scher- oder Über­set­zer­tä­tig­keit?

Das JVEG unter­schei­det hin­sicht­lich der Ver­gü­tung einer Sprach­mitt­ler­tä­tig­keit zwi­schen Tätig­kei­ten als Dol­met­scher (§ 9 Abs. 3 JVEG), als Über­set­zer (§ 11 JVEG) und als Sprach­sach­ver­stän­di­ger (§ 9 Abs. 1 JVEG).

Dol­met­scher im Sin­ne des Pro­zess­rechts (§ 185 GVG) ist ein Sprach­kun­di­ger, der zur münd­li­chen Ver­hand­lung unter Betei­li­gung von Per­so­nen, die der deut­schen Spra­che nicht mäch­tig sind, zuge­zo­gen wird. Sei­ne Auf­ga­be besteht dar­in, den Pro­zess­ver­kehr des Gerichts mit den der Gerichts­spra­che unkun­di­gen ande­ren Pro­zess­be­tei­lig­ten durch Über­tra­gung der schrift­li­chen oder münd­lich zum Pro­zess abge­ge­be­nen Erklä­run­gen zu ermög­li­chen 1. Auch die münd­li­che Über­tra­gung von Ton­band­mit­schnit­ten, die in einer Haupt­ver­hand­lung vor­ge­spielt wer­den, ist eine Dol­met­scher­leis­tung 2.

Ein Über­set­zer ist ein Sprach­mitt­ler, der fixier­ten Text von einer Aus­gangs­spra­che in eine Ziel­spra­che über­setzt.

Dabei ist die Aus­gangs­form (gespro­che­nes Wort, Ton­trä­ger- oder Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­auf­zeich­nung oder Text­form) uner­heb­lich 3. Über­set­zer i. S. v. § 11 JVEG ist, wer schrift­lich von einer in eine ande­re Spra­che über­trägt 4.

Der maß­geb­li­che Unter­schied zwi­schen Über­set­zen und Dol­met­schen liegt in der wie­der­hol­ten Kor­ri­gier­bar­keit des Trans­lats. Wie­der­hol­te Kor­ri­gier­bar­keit erfor­dert in aller Regel einen Ziel­text, der in Schrift­form oder auf einem Klang­trä­ger fixiert ist und somit wie­der­holt kor­ri­giert wer­den kann, sowie einen in ähn­li­cher Wei­se fixier­ten Aus­gangs­text, den man wie­der­holt kon­sul­tie­ren kann. Liegt die­se wie­der­hol­te Kor­ri­gier­bar­keit vor, spricht man von einer Über­set­zung. Sind jedoch der Aus­gangs­text und/​oder der Ziel­text nicht fixiert, weil er z.B. nur ein­ma­lig münd­lich dar­ge­bo­ten wird, spricht man von einer Dol­met­schung.

Anders als Dol­met­scher und Über­set­zer hat der Sprach­sach­ver­stän­di­ge die Auf­ga­be, einen zu dol­met­schen­den oder zu über­set­zen­den Text zu inter­pre­tie­ren 5, ins­be­son­de­re bei Erläu­te­rung von im Aus­gangs­text vor­kom­men­den Abkür­zun­gen, bei unkla­ren Begrif­fen, bei unvoll­stän­di­gem oder unkla­rem Aus­gangs­text, bei erfor­der­li­chen rechts­ver­glei­chen­den Über­le­gun­gen, aber auch bei Aus­le­gung anders­spra­chi­ger Sprach­bil­der und Rede­wen­dun­gen 6.

Die Auf­ga­be des Antrag­stel­lers bestand dar­in, den auf einem Ton­trä­ger fixier­ten Aus­gangs­text außer­halb der münd­li­chen Ver­hand­lung vom Tür­ki­schen bzw. Kur­di­schen in die deut­sche Spra­che zu über­set­zen und die Über­set­zung schrift­lich nie­der­zu­le­gen, so dass die deut­sche Über­set­zung außer­halb und inner­halb der Haupt­ver­hand­lung zu Beweis­zwe­cken ver­wen­det wer­den konn­te. Sei­ne Auf­ga­be bestand nicht dar­in, in der münd­li­chen Ver­hand­lung den Pro­zess­ver­kehr des Gerichts mit den der Gerichts­spra­che unkun­di­gen ande­ren Pro­zess­be­tei­lig­ten zu ermög­li­chen. Der Antrag­stel­ler konn­te sich den Aus­gangs­text wie­der­holt anhö­ren und in Zwei­fels­fra­gen, ggf. unter Zuhil­fe­nah­me von Hilfs­mit­teln wie Wör­ter­bü­chern, einen wie­der­holt kor­ri­gier­ba­ren Ziel­text erstel­len. Damit hat er eine Über­set­zungs­leis­tung erbracht 7.

Die Ver­gü­tung des Über­set­zers rich­tet sich nach § 11 Abs. 1 JVEG. Das Hono­rar beträgt im Regel­fall 1, 55 € für jeweils ange­fan­ge­ne 55 Anschlä­ge des schrift­li­chen (Ziel-) Tex­tes (§ 11 Abs. 1 S. 1, 4 JVEG) bzw. dann, wenn – wie hier – der Aus­gangs­text nicht elek­tro­nisch zur Ver­fü­gung gestellt und edi­tier­bar ist, 1, 75 € (§ 11 Abs. 1 S. 2 JVEG).

Dar­über hin­aus hat der Über­set­zer in dem hier ent­schie­de­nen Fall in eini­gen Pro­to­kol­len Anmer­kun­gen zum Ver­ständ­nis des Tex­tes gemacht und ist inso­weit als Sprach­sach­ver­stän­di­ger tätig gewor­den. Der Auf­wand für not­wen­di­ge Anmer­kun­gen und Erläu­te­run­gen zur Inter­pre­ta­ti­on des Aus­gangs­texts im Ziel­text durch den Über­set­zer als Sprach­sach­ver­stän­di­gem ist mit der Über­set­zer­ver­gü­tung nicht mit abge­gol­ten und daher geson­dert zu ver­gü­ten. Das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­lan­des­ge­richt sieht als die prak­ti­ka­bels­te Hono­rie­rung die­ser zusätz­li­chen Leis­tung die Mit­zäh­lung der ent­spre­chen­den Anschlä­ge bei der Ermitt­lung des Über­set­zer­ho­no­rars 8.

Eine geson­der­te Ver­gü­tung der Schreibleis­tun­gen gem. § 12 Abs. 1 Nr. 3 JVEG kommt nicht in Betracht, weil sich die­se Vor­schrift nur auf Gut­ach­ten und nicht auf Über­set­zun­gen bezieht 9.

Schles­wig ‑Hol­stei­ni­sches Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 23. März 2015 – 1 Ws 79/​15

  1. BGHSt 1, 4; Löwe-Rosen­berg-Wickern, StPO, 26. Aufl. § 185 GVG Rn. 1[]
  2. KG, Beschluss vom 15.02.2011 -1 Ws 2/​11- juris; Binz in Binz/​Dörndorfer/​Petzold/​Zimmermann, GKG, FamG­KG, JVEG 3. Aufl. § 9 JVEG Rn. 23[]
  3. Binz a. a. O. § 11 JVEG Rn. 2[]
  4. OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 08.08.2011 – I-2 W 27/​11, BeckRS 2012, 05112; Binz a. a. O. § 9 JVEG Rn. 23[]
  5. OLG Düs­sel­dorf NStZ-RR 2000, 96[]
  6. Binz a. a. O. § 9 JVEG Rn. 28[]
  7. so auch BGH NStZ 1985, 466[]
  8. vgl. Binz a. a. O. § 11 JVEG Rn. 7[]
  9. BT-Drs. 15/​1971, 184; OLG Stutt­gart Jus­tiz 2005, 251; Binz a. a. O. § 11 JVEG Rn. 3[]