Über­lan­ge Post­lauf­zei­ten – und der erfor­der­li­che Vor­trag für die Wie­der­ein­set­zung

Eine Dar­stel­lung im Wie­der­ein­set­zungs­ge­such, die sich hin­sicht­lich des tat­säch­li­chen Gesche­hens auf den Satz beschränkt, dass die Beru­fungs­be­grün­dung vom Unter­zeich­ner vor Frist­ab­lauf per­sön­lich über den Post­weg durch einen Ein­wurf in den gegen­über der Kanz­lei gele­ge­nen Brief­kas­ten an das Kam­mer­ge­richt ver­schickt wor­den sei, ist nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs unzu­rei­chend.

Über­lan­ge Post­lauf­zei­ten – und der erfor­der­li­che Vor­trag für die Wie­der­ein­set­zung

Der mit­ge­teil­te Sach­ver­halt ent­behrt hier nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs einer aus­rei­chen­den Indi­vi­dua­li­sie­rung sowie prak­tisch aller not­wen­di­gen Anga­ben, wie etwa zur ord­nungs­ge­mä­ßen Fer­tig­stel­lung der Beru­fungs­be­grün­dung, zur Adres­sie­rung und Fran­kie­rung sowie zum Zeit­punkt und kon­kre­ten Ort der Ver­sen­dung.

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs muss eine Par­tei im Rah­men ihres Antrags auf Wie­der­ein­set­zung in die ver­säum­te Frist gemäß § 236 Abs. 2 ZPO die die Wie­der­ein­set­zung begrün­den­den Tat­sa­chen durch eine geschlos­se­ne und aus sich her­aus ver­ständ­li­che Schil­de­rung der tat­säch­li­chen Abläu­fe dar­le­gen und glaub­haft machen 1. Jedoch darf die Par­tei erkenn­bar unkla­re oder ergän­zungs­be­dürf­ti­ge Anga­ben, deren Auf­klä­rung nach § 139 ZPO gebo­ten gewe­sen wäre, noch nach Frist­ab­lauf erläu­tern und ver­voll­stän­di­gen 2. Hin­ge­gen ist das Gericht nicht ver­pflich­tet, eine Par­tei nach § 139 ZPO dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Umstän­de, die zur Frist­ver­säu­mung geführt haben, voll­stän­dig vor­ge­tra­gen wer­den müs­sen 3.

In die­sem Sin­ne beur­teil­te der Bun­des­ge­richts­hof den vor­lie­gen­den Vor­trag nicht etwa als unvoll­stän­dig oder unklar, viel­mehr feh­le es an einer aus sich her­aus ver­ständ­li­chen und nach­voll­zieh­ba­ren Dar­stel­lung. Eine Nach­ho­lung des vom Gericht ver­miss­ten war daher nicht mehr mög­lich.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Sep­tem­ber 2015 – IV ZB 14/​15

  1. vgl. etwa BGH, Beschluss vom 03.07.2008 – IX ZB 169/​07, NJW 2008, 3501 Rn. 15 m.w.N.[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 25.09.2013 – XII ZB 200/​13, NJW 2014, 77 Rn. 9; vom 09.02.2010 – XI ZB 34/​09, Fam­RZ 2010, 636 Rn. 9; vom 03.04.2008 – I ZB 73/​07, WRP 2008, 1112 Rn. 12; vom 13.06.2007 – XII ZB 232/​06, Fam­RZ 2007, 1458 Rn. 8[]
  3. BGH, Beschluss vom 10.01.2013 – I ZB 76/​11, AnwBl.2013, 233 Rn. 8[]