Unter­las­sungs­kla­gen – und ihr Streit­wert

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs rich­tet sich der Streit­wert in Ver­fah­ren nach dem UKlaG in aller Regel allein nach dem Inter­es­se der All­ge­mein­heit an der Besei­ti­gung der gesetz­wid­ri­gen AGB-Bestim­mung, nicht hin­ge­gen nach der wirt­schaft­li­chen Bedeu­tung eines Klau­sel­ver­bots.

Unter­las­sungs­kla­gen – und ihr Streit­wert

Der Wert einer ange­grif­fe­nen Klau­sel wird dabei regel­mä­ßig in einer Grö­ßen­ord­nung bemes­sen, von der auch die Vor­in­stan­zen, jeden­falls wenn sie sich – wie im Streit­fall – mit den von ihnen fest­ge­setz­ten 2.500 € je ange­grif­fe­ner Teil­klau­sel an den sonst übli­chen Beträ­gen ori­en­tiert haben 1, bei ihrer Wert­be­mes­sung aus­ge­gan­gen sind.

Auf die­se Wei­se sol­len Ver­brau­cher­schutz­ver­bän­de vor Kos­ten­ri­si­ken bei der Wahr­neh­mung der ihnen im All­ge­mein­in­ter­es­se ein­ge­räum­ten Befug­nis­se zur Berei­ni­gung des Rechts­ver­kehrs von unwirk­sa­men AGB mög­lichst geschützt wer­den.

Das gilt in glei­cher Wei­se für die nach § 3 ZPO zu schät­zen­de Beschwer der in der Vor­in­stanz unter­le­ge­nen Par­tei, und zwar nicht nur für die Beschwer eines Ver­brau­cher­schutz­ver­ban­des, son­dern auch für die Bemes­sung der Beschwer des im Unter­las­sungs­pro­zess unter­le­ge­nen Ver­wen­ders 2.

Die­se Grund­sät­ze schlie­ßen es aller­dings nicht von vorn­her­ein aus, der her­aus­ra­gen­den wirt­schaft­li­chen Bedeu­tung einer Klau­sel für die betrof­fe­nen Ver­kehrs­krei­se im Ein­zel­fall aus­nahms­wei­se Rech­nung zu tra­gen, wenn die Ent­schei­dung über die Wirk­sam­keit einer bestimm­ten Klau­sel nicht nur für deren Ver­wen­der und die Ver­trags­part­ner, son­dern für die gesam­te Bran­che von wesent­li­cher Bedeu­tung ist, etwa weil es dabei um äußerst umstrit­te­ne ver­all­ge­mei­ne­rungs­fä­hi­ge Rechts­fra­gen von gro­ßer wirt­schaft­li­cher Trag­wei­te geht, über deren Beant­wor­tung bereits viel­fäl­tig und mit kon­tro­ver­sen Ergeb­nis­sen gestrit­ten wird 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Sep­tem­ber 2016 – VIII ZR 239/​15

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 28.10.2015 – III ZR 36/​15 5 mwN[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 09.12 2014 – VIII ZR 160/​14, ZNER 2015, 441 Rn. 5; vom 07.05.2015 – I ZR 108/​14 6; vom 28.10.2015 – III ZR 36/​15, aaO Rn. 4; jeweils mwN[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 28.10.2015 – III ZR 36/​15, aaO Rn. 5; vom 07.05.2015 – I ZR 108/​14, aaO Rn. 7; vom 09.12 2014 – VIII ZR 160/​14, aaO Rn. 6; vom 10.12 2013 – XI ZR 405/​12, ZIP 2014, 96 Rn. 6 f.[]