Ver­dacht auf ein vor­ge­täusch­tes oder mani­pu­lier­tes Unfall­ge­sche­hen

Der Grund­satz der frei­en Beweis­wür­di­gung (§ 286 ZPO) berech­tigt das Gericht, die im Pro­zess gewon­ne­nen Erkennt­nis­se grund­sätz­lich nach sei­ner indi­vi­du­el­len Ein­schät­zung zu bewer­ten, wobei der Rich­ter ledig­lich an die Denk- und Natur­ge­set­ze sowie sons­ti­gen Erfah­rungs­sät­ze gebun­den ist.

Ver­dacht auf ein vor­ge­täusch­tes oder mani­pu­lier­tes Unfall­ge­sche­hen

Die unge­wöhn­li­che Häu­fung von Beweis­an­zei­chen kann die Fest­stel­lung recht­fer­ti­gen, dass sich ein Unfall ent­we­der über­haupt nicht ereig­net oder aber es sich um ein mani­pu­lier­tes Unfall­ge­sche­hen han­delt. Beweis­an­zei­chen kön­nen sich zum Bei­spiel erge­ben aus dem Unfall­her­gang, der Art der Schä­den, der Art der betei­lig­ten Fahr­zeu­ge, Anlass der Fahrt, feh­len­de Kom­pa­ti­bi­li­tät, per­sön­li­che Bezie­hun­gen oder wirt­schaft­li­che Ver­hält­nis­se 1.

Grund­sätz­lich obliegt es dem Geschä­dig­ten eines Ver­kehrs­un­falls, die Ver­ur­sa­chung des gel­tend gemach­ten Scha­dens durch das geg­ne­ri­sche Fahr­zeug dar­zu­tun und zu bewei­sen. Die Haf­tung des Schä­di­gers ent­fällt dann, wenn in aus­rei­chen­dem Maße Umstän­de vor­lie­gen, die die Fest­stel­lung gestat­ten, dass es sich bei dem Scha­dens­er­eig­nis ent­we­der über­haupt nicht um einen Unfall oder aber um ein mani­pu­lier­tes Unfall­ge­sche­hen han­delt. Im letz­te­ren Fall schei­tert ein Ersatz­an­spruch an der Ein­wil­li­gung des Geschä­dig­ten.

Den Nach­weis, dass ein vor­ge­täusch­ter Unfall vor­liegt, hat grund­sätz­lich der Schä­di­ger bzw. des­sen Haft­pflicht­ver­si­che­rung zu füh­ren. Doch genügt für den Nach­weis die "erheb­li­che Wahr­schein­lich­keit" für unred­li­ches Ver­hal­ten. Eine unge­wöhn­li­che Häu­fung von Beweis­an­zei­chen, die für eine Mani­pu­la­ti­on spricht, gestat­tet eine ent­spre­chen­de Fest­stel­lung gemäß § 286 ZPO 2.

Schles­wig ‑Hol­stei­ni­sches Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 23. Sep­tem­ber 2016 – 7 U 58/​16

  1. vgl. OLG Cel­le, Urteil vom 08.10.2015, NZV 2016, 275-276[]
  2. vgl. BGH NJW 1978, 2154; KG Ber­lin, Urteil vom 29.04.2002, VersR 2003, 610-613[]