Ver­wer­fung der Beru­fung und der Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag

Hat der Beru­fungs­füh­rer vor Ablauf der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist Pro­zess­kos­ten­hil­fe bean­tragt und beab­sich­tigt das Gericht, Pro­zess­kos­ten­hil­fe zu ver­sa­gen, so hat es vor Ver­wer­fung der Beru­fung als unzu­läs­sig über das Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ge­such zu ent­schei­den 1.

Ver­wer­fung der Beru­fung und der Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag

Das Beru­fungs­ge­richt darf also in einem sol­chen Fall die Beru­fung nicht mit der Begrün­dung als unzu­läs­sig ver­wer­fen, dass bis zum Ablauf der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist kei­ne den Anfor­de­run­gen des § 78 ZPO genü­gen­de Beru­fungs­be­grün­dung bei Gericht ein­ge­gan­gen sei.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist ein Rechts­mit­tel­füh­rer, der vor Ablauf der Rechts­mit­tel­frist die Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe bean­tragt hat, so lan­ge als ohne sein Ver­schul­den an der recht­zei­ti­gen Vor­nah­me einer Frist wah­ren­den Hand­lung – wie hier die Beru­fungs­be­grün­dung – ver­hin­dert anzu­se­hen, als er nach den gege­be­nen Umstän­den ver­nünf­ti­ger­wei­se nicht mit der Ableh­nung sei­nes Antrags rech­nen muss­te, weil er sich für bedürf­tig im Sin­ne der §§ 114 ff. ZPO hal­ten durf­te und aus sei­ner Sicht alles Erfor­der­li­che getan hat­te, damit auf­grund der von ihm ein­ge­reich­ten Unter­la­gen ohne Ver­zö­ge­rung über sein Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ge­such ent­schie­den wer­den konn­te. Des­halb kann eine unbe­mit­tel­te Par­tei, für die ein Anwalt zwar for­mu­lar­mä­ßig Beru­fung ein­ge­legt hat, ohne sie zu begrün­den, die aber kei­nen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten hat, der gewillt ist, für sie wei­ter tätig zu wer­den, selbst am letz­ten Tag der Rechts­mit­tel­be­grün­dungs­frist noch ein Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ge­such ein­rei­chen. Die Beru­fung darf dann nicht mit dem Argu­ment ver­wor­fen wer­den, dass inner­halb der Begrün­dungs­frist noch kei­ne Beru­fungs­be­grün­dung ein­ge­reicht wor­den sei 2.

Hat die Par­tei vor Ablauf der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist Pro­zess­kos­ten­hil­fe bean­tragt und beab­sich­tigt das Gericht, Pro­zess­kos­ten­hil­fe zu ver­sa­gen, so hat es zudem vor Ver­wer­fung der Beru­fung als unzu­läs­sig über das Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ge­such zu ent­schei­den. Durch die gleich­zei­ti­ge Ver­wer­fung der Beru­fung als unzu­läs­sig und die Ver­sa­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe für das Beru­fungs­ver­fah­ren wird die Durch­füh­rung des Beru­fungs­ver­fah­rens für die Par­tei in unzu­mut­ba­rer Wei­se erschwert und dadurch der Anspruch der Par­tei auf Gewäh­rung wir­kungs­vol­len Rechts­schut­zes ver­letzt. Denn die Par­tei muss im Fal­le der Ver­sa­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe die Gele­gen­heit haben, einen Antrag auf Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand zu stel­len, wenn sie beab­sich­tigt, das Beru­fungs­ver­fah­ren auf eige­ne Kos­ten durch Begrün­dung der Beru­fung fort­zu­füh­ren 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. März 2011 – XII ZB 51/​11

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 03.12.2003 – VIII ZB 80/​03, Fam­RZ 2004, 699[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 27.09.2004 – II ZB 17/​03Fam­RZ 2005, 105, mwN; und vom 03.12.2003 – VIII ZB 80/​03, Fam­RZ 2004, 699[]
  3. BGH Beschluss vom 3. Dezem­ber 2003 – VIII ZB 80/​03Fam­RZ 2004, 699[]