Ver­wir­kung eines Unter­las­sungs­an­spruchs in der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft

Die Ver­wir­kung eines Unter­las­sungs­an­spruchs wegen der zweck­wid­ri­gen Nut­zung einer Teil­ei­gen­tums­ein­heit schützt deren Eigen­tü­mer davor, dass er das bis­lang gedul­de­te Ver­hal­ten ändern oder auf­ge­ben muss, ver­mit­telt ihm jedoch nicht all­ge­mein die Rechts­po­si­ti­on, die er inne­hät­te, wenn die Nut­zung von der Tei­lungs­er­klä­rung gedeckt wäre.

Ver­wir­kung eines Unter­las­sungs­an­spruchs in der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft

Ein Recht ist ver­wirkt, wenn sich der Schuld­ner wegen der Untä­tig­keit sei­nes Gläu­bi­gers über einen gewis­sen Zeit­raum hin bei objek­ti­ver Beur­tei­lung dar­auf ein­rich­ten darf und ein­ge­rich­tet hat, die­ser wer­de sein Recht nicht mehr gel­tend machen, und des­we­gen die ver­spä­te­te Gel­tend­ma­chung gegen Treu und Glau­ben ver­stößt. An dem soge­nann­ten Zeit­mo­ment fehlt es in der Regel, wenn eine wie­der­hol­te Stö­rung einen neu­en Anspruch aus­löst 1.

Die Ver­wir­kung eines Unter­las­sungs­an­spruchs wegen der zweck­wid­ri­gen Nut­zung einer Teil­ei­gen­tums­ein­heit schützt deren Eigen­tü­mer davor, dass er das bis­lang gedul­de­te Ver­hal­ten ändern oder auf­ge­ben muss, ver­mit­telt ihm jedoch nicht all­ge­mein die Rechts­po­si­ti­on, die er inne­hät­te, wenn die Nut­zung von der Tei­lungs­er­klä­rung gedeckt wäre 2. Ins­be­son­de­re begrün­det sie nicht das Recht, neue nach­tei­li­ge Ver­än­de­run­gen vor­zu­neh­men, die qua­li­ta­tiv eigen­stän­di­ge Stö­run­gen dar­stel­len 3.

Um sol­che neu­en, eigen­stän­di­gen Stö­run­gen geht es in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall. Nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts ist die Gast­stät­te vor dem Jahr 2007 nicht in den Nacht­stun­den betrie­ben wor­den. Die Aus­wei­tung der Öff­nungs­zei­ten über ein Uhr nachts hin­aus begrün­det Unter­las­sungs­an­sprü­che der übri­gen Woh­nungs­ei­gen­tü­mer, die frü­hes­tens im Jahr 2007 ent­stan­den sind. Die­se sind allei­ni­ger Gegen­stand der Kla­ge, da der Betrieb der Gast­stät­te ansons­ten hin­ge­nom­men wird. Die Ver­wir­kung ist schon des­halb nicht ein­ge­tre­ten, weil es an dem Zeit­mo­ment in Gestalt einer vor­an­ge­hen­den lang­jäh­ri­gen Dul­dung fehlt. Ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die ein­ge­tre­te­ne Ver­wir­kung auch etwai­ge Son­der­rechts­nach­fol­ger bin­det 4, kann daher eben­so dahin­ste­hen wie die Fra­ge, ob bzw. unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer trotz ein­ge­tre­te­ner Ver­jäh­rung oder Ver­wir­kung ihrer Unter­las­sungs­an­sprü­che den rechts­wid­ri­gen Gebrauch durch einen Mehr­heits­be­schluss für die Zukunft unter­sa­gen kön­nen 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Juli 2015 – V ZR 169/​14

  1. st. Rspr., vgl. BGH, Urteil vom 21.10.2005 – V ZR 169/​04, NZM 2006, 192 Rn. 10 f.; Urteil vom 08.05.2015 – V ZR 178/​14, ZWE 2015, 262 Rn. 12[]
  2. vgl. auch BGH, Urteil vom 08.05.2015 – V ZR 178/​14, ZWE 2015, 262 Rn. 13 a.E.[]
  3. so für bau­li­che Ver­än­de­run­gen: OLG Düs­sel­dorf, NZM 2009, 442; LG Lüne­burg, ZMR 2008, 486, 487 f.; Klein in Bär­mann, WEG, 12. Aufl., § 13 Rn. 106, 158[]
  4. vgl. auch BGH, Urteil vom 08.05.2015 – V ZR 178/​14, ZWE 2015, 262 Rn. 14[]
  5. vgl. hier­zu OLG Hamm, NZM 2009, 624, 625; Klein in Bär­mann, WEG, 12. Aufl., § 13 Rn. 158[]