Voll­stre­ckung bei der Ver­ur­tei­lung zur Leis­tung von Akti­en

Bei der Ver­ur­tei­lung zur Leis­tung einer bestimm­ten Men­ge von Wert­pa­pie­ren – so wie Akti­en – erfolgt die Zwangs­voll­stre­ckung allein nach § 884 ZPO. Besitzt der Schuld­ner die­se Wert­pa­pie­re nicht, kann sich der Gläu­bi­ger wegen § 887 Abs. 3 ZPO nicht zur Anschaf­fung auf Kos­ten des Schuld­ners ermäch­ti­gen las­sen. Der Gläu­bi­ger ist in einem sol­chen Fall auf die Ersatz­kla­ge gemäß § 893 ZPO zu ver­wei­sen.

Voll­stre­ckung bei der Ver­ur­tei­lung zur Leis­tung von Akti­en

Die Zwangs­voll­stre­ckung bei der Ver­ur­tei­lung zur Leis­tung einer bestimm­ten Men­ge von Wert­pa­pie­ren – so wie Akti­en – erfolgt allein nach § 884 ZPO 1. Leis­tung bedeu­tet Her­aus­ga­be zum Zwe­cke der Besitz- oder Eigen­tums­über­tra­gung 2. Auch mit der Ver­ur­tei­lung zur Über­tra­gung von Akti­en – wie vor­lie­gend – ist die Ver­pflich­tung der Schuld­ne­rin zur Eigen­tums­ver­schaf­fung ten­oriert 3.

§ 884 ZPO setzt aller­dings vor­aus, dass der Schuld­ner sol­che Wert­pa­pie­re besitzt (oder jeden­falls ein Fall sam­mel­ver­wahr­ter Wert­pa­pie­re vor­liegt, vgl. BGH aaO.). Dies ist unstrei­tig nicht der Fall.

In einem sol­chen Fall kann sich der Gläu­bi­ger wegen § 887 Abs. 3 ZPO nicht zur Anschaf­fung auf Kos­ten des Schuld­ners – wie vor­lie­gend bean­tragt – ermäch­ti­gen las­sen 4.

Die­se nahe­zu ein­hel­li­ge Auf­fas­sung berück­sich­tigt, dass die Bestim­mun­gen über die Hand­lungs­voll­stre­ckung bei Ansprü­chen auf Leis­tung einer Sache oder Wert­pa­pie­ren auch dann nicht anwend­bar sind, wenn die Sach­voll­stre­ckung nicht zur Befrie­di­gung des Gläu­bi­gers führt, weil der Schuld­ner die zu leis­ten­de Sache noch nicht oder nicht mehr besitzt. Der Weg der Ersatz­vor­nah­me nach § 887 ZPO bleibt ver­schlos­sen 5.

Vor­lie­gen­der Titel ent­hält im Übri­gen kei­ne Ver­pflich­tung der Schuld­ne­rin, sich die Akti­en zu beschaf­fen, wor­auf die bean­trag­te Ersatz­vor­nah­me zielt. Bei der Annah­me, der aus­zu­le­gen­de Titel ent­hal­te die selb­stän­di­ge Ver­ur­tei­lung zu Hand­lun­gen, wel­che Vor­aus­set­zung der Weg­nah­me sind, ist gro­ße Zurück­hal­tung gebo­ten; das gilt ins­be­son­de­re für Beschaf­fungs­pflich­ten, die ja in der Regel nicht klag­bar sind 6. Es lässt sich also nicht in vor­lie­gen­den Titel eine Ver­pflich­tung der Schuld­ne­rin zur Beschaf­fung die­ser Akti­en durch Ankauf hin­ein­le­sen. Eine sol­che Ver­pflich­tung dürf­te selbst nach mate­ri­el­lem Recht eher frag­lich sein. Ob dies nicht dar­über hin­aus wenigs­tens die Rechts­kraft des Titels vor­aus­setz­te, §§ 894, 897 ZPO, muss an die­ser Stel­le nicht ent­schie­den wer­den.

Selbst bei Annah­me eines Misch­fal­les aus Hand­lungs- und Sach­voll­stre­ckung blie­be die Ersatz­vor­nah­me vor­lie­gend unzu­läs­sig, denn nach der Ent­ste­hungs­ge­schich­te soll­te § 887 Abs. 3 ZPO gera­de die Fäl­le des § 884 ZPO gegen­über § 887 ZPO abgren­zen 7. Bei einem Beschaf­fungs­ti­tel kommt eine Ersatz­vor­nah­me über­haupt nicht in Fra­ge 8.

Der Gläu­bi­ger ist in einem sol­chen Fall auf die Ersatz­kla­ge gemäß § 893 ZPO zu ver­wei­sen 9.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 11. März 2014 – 5 Ta 5/​14

  1. Schusch­ke-Wal­ker, Voll­stre­ckung und vor­läu­fi­ger Rechts­schutz, 4. Aufl.2008 Nr. 2 zu § 884[]
  2. Stein/​Jonas ZPO 22. Aufl.2004 Nr. 2 zu § 884[]
  3. BGH – IX a ZB 24/​04BGHZ 160, 121[]
  4. Schusch­ke aaO; Stein/​Jonas aaO.; Musielak ZPO 10.Aufl.2013, Nr. 13 zu § 884; Prütting/​Gehrlein ZPO 4. Aufl.2012, Nr. 3 zu § 884[]
  5. OLG Köln 11.04.58 – 9 W 67/​57 – JZ 59, 63 unter Hin­weis auf RGZ 58, 160; Zöl­ler ZPO 30. Aufl.2014 Nr. 2 zu § 884[]
  6. Stein/​Jonas aaO. Nr. 4 zu § 883[]
  7. Münch­Komm-ZPO/­Schil­ken, 1992, Nr. 10 zu § 883 mwN.[]
  8. Münch­Komm-ZPO/­Schil­ken, aaO.[]
  9. OLG Köln aaO.; Stein/​Jonas Nr. 3 zu § 884; Schusch­ke Nr. 2 zu § 884; Prütting/​Gehrlein Nr. 3 zu § 884; Musielak Nr. 3 zu § 883[]