Bestel­lung eines Son­der­insol­venz­ver­wal­ters – und das Beschwer­de­recht eines Gläu­bi­gers

Der ein­zel­ne Gläu­bi­ger hat kein Beschwer­de­recht gegen die Ent­schei­dung des Insol­venz­ge­richts, auf Antrag oder Anre­gung der Gläu­bi­ger­ver­samm­lung einen Son­der­insol­venz­ver­wal­ter zu bestel­len, um Gesamt­scha­dens­er­satz­an­sprü­che gegen den Insol­venz­ver­wal­ter zu prü­fen und gege­be­nen­falls durch­zu­set­zen.

Bestel­lung eines Son­der­insol­venz­ver­wal­ters – und das Beschwer­de­recht eines Gläu­bi­gers

In der Gläu­bi­ger­ver­samm­lung kann die Fra­ge, ob eine Son­der­insol­venz­ver­wal­tung ein­ge­setzt wer­den soll, zu einem zuläs­si­gen Bera­tungs­ge­gen­stand gemacht wer­den. Die Gläu­bi­ger­ver­samm­lung kann beschlie­ßen, dass ein Scha­dens­er­satz­an­spruch der Mas­se gegen den Ver­wal­ter gel­tend gemacht wer­den soll; sie kann zu der Fra­ge Stel­lung neh­men, ob ein vom Son­der­insol­venz­ver­wal­ter ermit­tel­ter Scha­dens­er­satz­an­spruch gegen den Ver­wal­ter durch­ge­setzt wer­den und ob die Ent­las­sung des Ver­wal­ters oder des Son­der­ver­wal­ters oder – etwa aus Kos­ten­grün­den – die Auf­he­bung der Son­der­insol­venz­ver­wal­tung bean­tragt oder jeden­falls ange­regt wer­den soll. Wenn das Insol­venz­ge­richt den Antrag auf Anord­nung der Son­der­insol­venz­ver­wal­tung oder auf ihre Auf­he­bung ablehnt, kommt für jeden ein­zel­nen Gläu­bi­ger zur Durch­set­zung des Beschlus­ses der Gläu­bi­ger­ver­samm­lung ent­spre­chend § 57 Satz 4, § 59 Abs. 2 Satz 2 InsO ein (abge­lei­te­tes) Beschwer­de­recht in Betracht 1.

Ent­schie­den hat der Bun­des­ge­richts­hof, dass der Insol­venz­ver­wal­ter weder die Ent­schei­dung des Insol­venz­ge­richts anfech­ten kann, durch die ein Son­der­insol­venz­ver­wal­ter bestellt wird, noch über ein Antrags­recht nach § 78 Abs. 1 InsO ver­fügt, wenn der Beschluss der Gläu­bi­ger­ver­samm­lung dar­auf gerich­tet ist, einen Son­der­insol­venz­ver­wal­ter ein­zu­set­zen mit der Auf­ga­be, einen Anspruch der Gläu­bi­ger gegen den Insol­venz­ver­wal­ter auf Ersatz eines Gesamt­scha­dens zu prü­fen und gege­be­nen­falls durch­zu­set­zen 2. Umge­kehrt steht dem Schuld­ner kein Beschwer­de­recht zu, wenn das Insol­venz­ge­richt es ablehnt, einen Son­der­insol­venz­ver­wal­ter zur Prü­fung und Durch­set­zung von Gesamt­scha­dens­an­sprü­che gegen den Insol­venz­ver­wal­ter zu bestel­len 3.

Eben­so wenig hat der ein­zel­ne Gläu­bi­ger ein Antrags­recht auf Bestel­lung eines Son­der­insol­venz­ver­wal­ters und ein Beschwer­de­recht gegen die ableh­nen­de Ent­schei­dung 4. Es kommt ledig­lich ein von einer Ent­schei­dung der Gläu­bi­ger­ver­samm­lung abge­lei­te­tes Beschwer­de­recht des ein­zel­nen Gläu­bi­gers ent­spre­chend § 57 Satz 4, § 59 Abs. 2 Satz 2 InsO in Betracht, das der Durch­set­zung der Ent­schei­dung der Gläu­bi­ger­ge­samt­heit dient, nicht der Ver­wirk­li­chung eines Rechts des ein­zel­nen Gläu­bi­gers 5. Dar­aus folgt, dass der ein­zel­ne Gläu­bi­ger auch kein Beschwer­de­recht hat, wenn das Insol­venz­ge­richt dem Antrag der Gläu­bi­ger­ver­samm­lung auf Bestel­lung eines Son­der­insol­venz­ver­wal­ters statt­gibt 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Juli 2016 – IX ZB 58/​15

  1. BGH, Urteil vom 16.07.2015, aaO; vgl. BGH, Beschluss vom 23.04.2015, aaO[]
  2. BGH, Beschluss vom 20.02.2014 – IX ZB 16/​13, NZI 2014, 307 Rn. 6, 9 f; vgl. auch BGH, Beschluss vom 01.02.2007 – IX ZB 45/​05, NZI 2007, 237 Rn. 6 ff[]
  3. BGH, Beschluss vom 02.03.2006 – IX ZB 225/​04, NZI 2006, 474 Rn. 10, 12[]
  4. BGH, Beschluss vom 05.02.2009 – IX ZB 187/​08, NZI 2009, 238 Rn. 2 ff; vom 30.09.2010 – IX ZB 280/​09, NZI 2010, 940 Rn. 5; vom 16.12 2010 – IX ZB 238/​09, ZIn­sO 2011, 131 Rn. 7; vom 09.06.2016 – IX ZB 21/​15, ZIn­sO 2016, 1430 Rn. 10[]
  5. BGH, Beschluss vom 30.09.2010, aaO; vgl. BGH, Beschluss vom 09.06.2016, aaO[]
  6. vgl. Graeber/​Pape, ZIP 2007, 991, 998[]