Das vor­zei­tig ein­ge­stell­te Insol­venz­ver­fah­ren – und die Ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters

Wird das Insol­venz­ver­fah­ren durch Ein­stel­lung vor­zei­tig been­det, ist in die Berech­nungs­grund­la­ge für die Ver­gü­tung des Ver­wal­ters auch ein Anfech­tungs­an­spruch ein­zu­be­zie­hen, soweit des­sen Ein­zie­hung zur Befrie­di­gung der Insol­ven­zund Mas­segläu­bi­ger erfor­der­lich ist.

Das vor­zei­tig ein­ge­stell­te Insol­venz­ver­fah­ren – und die Ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters

Maß­geb­lich für die Bemes­sung der Ver­gü­tung sind die Rege­lun­gen der Insol­venz­recht­li­chen Ver­gü­tungs­ver­ord­nung in der ab 1.07.2014 gel­ten­den Fas­sung, weil das Insol­venz­ver­fah­ren nach dem 30.06.2014 bean­tragt wor­den ist (§ 19 Abs. 4 Ins­VV).

Soll das Insol­venz­ver­fah­ren nach § 212 oder § 213 InsO ein­ge­stellt wer­den, hat der Insol­venz­ver­wal­ter zuvor die unstrei­ti­gen Mas­se­an­sprü­che zu berich­ti­gen (§ 214 Abs. 3 InsO). Vor der Ein­stel­lung des Ver­fah­rens muss des­halb die Ver­gü­tung des Ver­wal­ters fest­ge­setzt wer­den. Sie ist gemäß § 1 Abs. 1 Satz 2 Ins­VV nach dem Schätz­wert der Mas­se zur Zeit der Been­di­gung des Ver­fah­rens zu berech­nen. Ein­zu­be­zie­hen sind auch Ver­mö­gens­wer­te, die noch nicht ver­wer­tet wor­den sind; sie sind mit dem bei einer Ver­wer­tung zu erwar­ten­den Erlös anzu­set­zen1.

Daher sind auch For­de­run­gen zu berück­sich­ti­gen, die zur Insol­venz­mas­se gehö­ren2. Dies gilt aller­dings nur in dem Umfang, in dem die Ein­zie­hung der For­de­rung zur Befrie­di­gung aller Gläu­bi­ger der Insol­ven­zwie auch der Mas­segläu­bi­ger erfor­der­lich gewe­sen wäre.

Wären Mas­se­ge­gen­stän­de nicht ver­wer­tet wor­den, weil eine voll­stän­di­ge Befrie­di­gung der Gläu­bi­ger ohne­dies zu errei­chen gewe­sen wäre, ist der Wert jener Gegen­stän­de ver­gü­tungs­recht­lich nicht zu berück­sich­ti­gen3.

Tat­säch­li­che Mas­se­zu­flüs­se erhö­hen die Berech­nungs­grund­la­ge dage­gen auch inso­weit, als sie zur Befrie­di­gung sämt­li­cher Gläu­bi­ger nicht benö­tigt wer­den4.

Für die Berech­nungs­grund­la­ge der Ver­wal­ter­ver­gü­tung sind der Anfech­tungs­an­spruch mit dem Betrag anzu­set­zen, mit dem er zum Aus­gleich der Mas­seund Insol­venz­for­de­run­gen benö­tigt wur­de.

Die zwi­schen­zeit­lich begli­che­nen Insol­venz­for­de­run­gen sind nicht abzu­zie­hen. Infol­ge der Befrie­di­gung die­ser For­de­rung kann der Anfech­tungs­an­spruch zwar nur in ent­spre­chend gerin­ge­rer Höhe durch­ge­setzt wer­den. Zu einer Absen­kung der Berech­nungs­grund­la­ge führt dies aber nicht. Andern­falls könn­te mit der­ar­ti­gen Zah­lun­gen die Berech­nungs­grund­la­ge bis auf die Ver­wal­ter­ver­gü­tung und damit auf die Min­dest­ver­gü­tung gedrückt wer­den. Das wür­de der Sys­te­ma­tik der gesetz­li­chen Ver­wal­ter­ver­gü­tung nicht gerecht5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Febru­ar 2019 – IX ZB 25/​17

  1. BGH, Beschluss vom 29.03.2007 – IX ZB 153/​06, ZIn­sO 2007, 539 Rn.20 []
  2. BGH, Beschluss vom 17.03.2011 – IX ZB 145/​10, ZIn­sO 2011, 839 Rn. 12; vom 09.02.2012 – IX ZB 230/​10, ZIn­sO 2012, 603 Rn. 8; vom 09.02.2012 – IX ZB 150/​11, ZIn­sO 2013, 309 Rn. 9 []
  3. BGH, Beschluss vom 29.03.2007, aaO; vom 09.02.2012 – IX ZB 230/​10, aaO Rn. 11; vom 09.02.2012 – IX ZB 150/​11, aaO Rn. 12 []
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 10.01.2019 – IX ZB 48/​18, Rn. 8 f, zVb []
  5. BGH, Beschluss vom 09.02.2012 – IX ZB 150/​11, ZIn­sO 2013, 309 Rn. 24 []