Die Auf­nah­me in die Vor­auswahl­lis­te für Insol­venz­ver­wal­ter

Für das Vor­auswahl­ver­fah­ren steht die Aus­fül­lung des unbe­stimm­ten Rechts­be­griffs der per­sön­li­chen und fach­li­chen Eig­nung im Vor­der­grund. Für die­se gene­rel­le Eig­nung ist ein bestimm­tes Anfor­de­rungs­pro­fil zu erstel­len, nach dem sich die Qua­li­fi­ka­ti­on des jewei­li­gen Bewer­bers rich­tet.

Die Auf­nah­me in die Vor­auswahl­lis­te für Insol­venz­ver­wal­ter

Der Insol­venz­rich­ter hat die Aus­wahl­kri­te­ri­en trans­pa­rent zu machen, etwa durch Ver­öf­fent­li­chung im Inter­net oder durch Fra­ge­bö­gen. Dabei ist es ihm ver­wehrt, das Ver­fah­ren oder die Kri­te­ri­en der Ver­ga­be will­kür­lich zu bestim­men; dar­über hin­aus kann die tat­säch­li­che Ver­ga­be­pra­xis zu einer Selbst­bin­dung der Ver­wal­tung füh­ren (Art. 3 Abs. 1 GG).

Damit die Vor­auswahl­lis­te die ihr zukom­men­de Funk­ti­on erfül­len kann, darf sich das Vor­auswahl­ver­fah­ren nicht nur auf das Erstel­len einer Lis­te mit Namen und Anschrif­ten inter­es­sier­ter Bewer­ber beschrän­ken, viel­mehr müs­sen die Daten über die Bewer­ber erho­ben, veri­fi­ziert und struk­tu­riert wer­den, die der jewei­li­ge Insol­venz­rich­ter nach der eige­nen Ein­schät­zung für eine sach­ge­rech­te Ermes­sens­aus­übung bei der Aus­wahl­ent­schei­dung benö­tigt. Erfüllt ein Bewer­ber die per­sön­li­chen und fach­li­chen Anfor­de­run­gen für das Amt des Insol­venz­ver­wal­ters im All­ge­mei­nen, kann ihm die Auf­nah­me in die Lis­te nicht ver­sagt wer­den.

Ein Ermes­sen für den die Vor­auswahl­lis­te füh­ren­den Insol­venz­rich­ter besteht nicht. Ihm ist aller­dings ein Beur­tei­lungs­spiel­raum zuzu­bil­li­gen, wenn er den Bewer­ber an den all­ge­mei­nen Kri­te­ri­en für die fach­li­che und per­sön­li­che Eig­nung misst. Denn sei­ner Beur­tei­lung, ob der Bewer­ber dem Anfor­de­rungs­pro­fil genügt, ist ein pro­gnos­ti­sches Ele­ment imma­nent 1.

Der Antrag­stel­ler begehrt nicht die Auf­he­bung eines belas­ten­den Ver­wal­tungs­akts, son­dern die Ver­pflich­tung des Antrags­geg­ners nach § 28 Abs. 2 EGGVG, ihn in die von ihm geführ­ten Vor­auswahl­lis­ten auf­zu­neh­men 2. Für die Beur­tei­lung, ob ein Insol­venz­rich­ter ver­pflich­tet wer­den kann, einen Bewer­ber in die Vor­auswahl­lis­te auf­zu­neh­men, ist die Sach- und Rechts­la­ge zum Zeit­punkt der letz­ten Ent­schei­dung in der Tat­sa­chen­in­stanz maß­geb­lich 3.

Wenn der Bewer­ber die Anfor­de­run­gen zu einem bestimm­ten Zeit­punkt erfüllt, kann geschlos­sen wer­den, dass er die­se auch wei­ter­hin erfüllt. Wesent­li­che Ände­run­gen hat er dem Insol­venz­ge­richt von sich aus mit­zu­tei­len. Wei­ter kann er von der Lis­te wie­der gestri­chen wer­den, wenn die Anfor­de­run­gen – gleich zu wel­chem – Zeit­punkt wie­der ent­fal­len sind. Der Antrags­geg­ner selbst hat bis zur Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts kei­ne wei­te­ren, gegen die Auf­nah­me des Antrag­stel­lers auf die Vor­auswahl­lis­ten spre­chen­den Gesichts­punk­te vor­ge­tra­gen. Des­we­gen hat­te das Ober­lan­des­ge­richt kei­nen Anlass, hier­zu eige­ne Ermitt­lun­gen anzu­stel­len 4.

Das Ober­lan­des­ge­richt darf nach der sei­ner Ent­schei­dung zugrun­de lie­gen­den Sach­la­ge trotz Vor­lie­gens eines Beur­tei­lungs­spiel­raums des Insol­venz­rich­ters von der Spruch­rei­fe aus­ge­hen und die­sen anwei­sen, den Antrag­stel­ler auf sei­ne Vor­auswahl­lis­ten auf­zu­neh­men, soweit sich der Beur­tei­lungs­spiel­raum auf Null ver­engt hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Okto­ber 2016 – IX AR(VZ) 7/​15

  1. BGH, Beschluss vom 17.03.2016 – IX AR (VZ) 1/​15, NZI 2016, 508 Rn. 24 mwN[]
  2. vgl. die ent­spre­chen­de Rege­lung in der Ver­wal­tungs­ge­richts­ord­nung § 113 Abs. 5 VwGO[]
  3. Münch­Komm-ZPO/P­abst, 4. Aufl., § 28 EGGVG Rn. 13; Wieczorek/​Schütze/​Schreiber, ZPO, 3. Aufl., § 28 EGGVG Rn. 11; Kissel/​Mayer, GVG, 8. Aufl., § 28 EGGVG Rn. 7; vgl. BVerw­GE 29, 304, 305[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 17.03.2016 – IX AR (VZ) 5/​15, NZI 2016, 516 Rn. 26[]