Wenn es dem Woh­nungs­käu­fer stinkt…

Zwar stel­len eine Viel­zahl von Hun­de­hau­fen einen Sach­man­gel dar, aber ein Scha­dens­er­satz kann erst dann ver­langt wer­den, wenn zum Ent­fer­nen der Hau­fen auf­ge­for­dert wor­den ist und eine ent­spre­chen­de Nach­frist gesetzt wur­de.

Wenn es dem Woh­nungs­käu­fer stinkt…

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge eines Käu­fers einer Eigen­tums­woh­nung gegen den Ver­käu­fer auf Ent­schä­di­gung wegen Hun­de­kots abge­wie­sen. Mit nota­ri­el­lem Ver­trag vom 12.11. 2014 kauf­te der Klä­ger aus Mün­chen eine Eigen­tums­woh­nung mit Gar­ten­an­teil zur Son­der­nut­zung in der Groß­fried­richs­bur­ger Stra­ße in Mün­chen. Gemäß Zif­fer 5.2 des Ver­trags wur­de das Objekt "wie genau besich­tigt" ver­kauft. Der beklag­te Ver­käu­fer war Hal­ter eines Hun­des und gestat­te­te die­sem Hund zumin­dest gele­gent­lich auch die Ver­rich­tung des gro­ßen Geschäfts im zur Woh­nung gehö­ren­den Gar­ten. Die Woh­nung wur­de am 29.12.2014 über­ge­ben. Der Klä­ger behaup­tet, der Gar­ten sei bei der Über­ga­be mit meh­re­ren Hun­de­hau­fen ver­un­rei­nigt gewe­sen. Der Beklag­te habe die Hau­fen sei­nes Hunds in dem Wis­sen sei­nes bal­di­gen Aus­zugs schlicht nicht mehr ent­fernt. Die Exis­tenz die­ser Hau­fen habe der Klä­ger zunächst nicht bemerkt und nicht bemer­ken kön­nen, da der Gar­ten schnee­be­deckt gewe­sen sei. Erst Mit­te Janu­ar und nach Ein­set­zen des Tau­wet­ters sei­en ihm und sei­ner Lebens­ge­fähr­tin die Hau­fen auf­ge­fal­len. Der Klä­ger hol­te dann bis 10.03.2015 ein Ange­bot von Gar­ten­bau­fir­ma ein zur Besei­ti­gung der Hau­fen.

Der Beklag­te behaup­tet, die vor­ge­fun­de­nen Hun­de­hau­fen wür­den nicht von sei­nem Hund stam­men. Er habe zwar den Hund gele­gent­lich sein gro­ßes Geschäft im Gar­ten ver­rich­ten las­sen; die ent­stan­de­nen Hau­fen habe er aber regel­mä­ßig ent­fernt. Der Käu­fer ver­lang­te von dem Beklag­ten Zah­lung von 3500 Euro für die Rei­ni­gung des Gar­tens. Wegen der 19 Hun­de­hau­fen sei durch das Ein­si­ckern des Kots in das Erd­reich eine Kon­ta­mi­nie­rung des Ober­bo­dens ein­ge­tre­ten. Der Kot von "fleisch­las­ti­gen Fres­sern" wie Hun­den sei beson­ders gefähr­lich wegen der Exis­tenz von äußerst wider­stands­fä­hi­gen Krank­heits­er­re­gern und Para­si­ten. Der Ober­bo­den müs­se abge­tra­gen und alles neu bepflanzt wer­den. An den Stel­len, an denen sich der Kot befun­den habe, wach­se auch kein Gras mehr, son­dern nur noch das bezüg­lich der Humus­qua­li­tät völ­lig anspruchs­lo­ses Moos. Der Beklag­te wei­ger­te sich zu zah­len. Der Kot stam­me nicht von sei­nem Hund und die Erneue­rung des Bodens sei nicht erfor­der­lich. Dar­auf­hin hat der Klä­ger vor dem Amts­ge­richt Mün­chen geklagt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen aus­ge­führt, dass die Exis­tenz einer Viel­zahl von Hun­de­hau­fen einen Sach­man­gel begrün­det. Aller­dings hät­te der Klä­ger den Beklag­ten zum Ent­fer­nen der Hau­fen auf­for­dern und eine ent­spre­chen­de Nach­frist set­zen müs­sen. Der Klä­ger kön­ne kei­nen Scha­dens­er­satz ver­lan­gen, da der den Beklag­ten nicht zur Nach­er­fül­lung und zur Besei­ti­gung auf­ge­for­dert hat.

Dar­über hin­aus ist das Amts­ge­richt Mün­chen der Auf­fas­sung, dass der Klä­ger die Kon­ta­mi­na­ti­on des Bodens maß­geb­lich selbst ver­ur­sacht hat. Denn der Klä­ger hat zu spät den Kot besei­tigt. So hat der Klä­ger qua­si zuge­se­hen, wie der Kot nach und nach in das Erd­reich ein­ge­si­ckert ist, und damit auch der Ent­ste­hung des Fol­ge­scha­dens, der auf dem ursprüng­li­chen Sach­man­gel beruht. Daher muss der Klä­ger selbst für die­se Ent­wick­lung ein­ste­hen.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 13. April 2016 – 171 C 15877/​15