Wet­ter­be­ding­ter Flug­aus­fall

Wird ein Flug wegen schlech­ten Wet­ters, etwa wegen Nebels, annul­liert, steht dem Flug­gast zwar kei­ne Aus­gleich­zah­lung nach der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung 1 zu, wohl aber hat er auch bei einer sol­chen wet­ter­be­ding­ter Flug­an­nul­lie­rung einen Anspruch gegen die Flug­ge­sell­schaft auf eine ander­wei­ti­ge Beför­de­rung zum End­ziel unter ver­gleich­ba­ren Rei­se­be­din­gun­gen zum frü­hest­mög­li­chen Zeit­punkt.

Wet­ter­be­ding­ter Flug­aus­fall

In einem ges­tern vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Rechts­streit buch­te der Klä­ger bei der beklag­ten Ryan­air Ltd. für sich und sei­ne Ehe­frau einen Flug für den 25. Okto­ber 2007 von Jerez de la Fron­te­ra in Spa­ni­en nach Hahn. Der Abflug war für 10.00 Uhr vor­ge­se­hen. Die­ser Flug wur­de wegen Nebels annul­liert. Das für den Flug vor­ge­se­he­ne Flug­zeug lan­de­te statt in Jerez in Sevil­la und flog von dort direkt nach Hahn zurück. Dem Klä­ger und sei­ner Ehe­frau wur­de ein Ersatz­flug für den 27. Okto­ber 2007 – zwei Tage spä­ter – ange­bo­ten. Die­sen Ersatz­flug zwei Tage spä­ter lehn­te der Klä­ger ab und buch­te statt­des­sen schließ­lich für sich und sei­ne Ehe­frau bei einem ande­ren Luft­fahrt­un­ter­neh­men einen Flug für den 25. Okto­ber 2007 – also noch für den glei­chen Tag – über Madrid nach Frank­furt am Main.

Mit sei­ner Kla­ge ver­langt der Klä­ger aus eige­nem und von sei­ner Ehe­frau abge­tre­te­nem Recht Aus­gleichs­zah­lun­gen gemäß Art. 7 Abs. 1 Satz 1 Buchst. b der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung in Höhe von jeweils 400 € sowie Ersatz der ent­stan­de­nen Mehr­kos­ten, ins­be­son­de­re der Kos­ten für den ander­wei­tig gebuch­ten Flug. Der Klä­ger ist der Ansicht, es sei der beklag­ten Flug­ge­sell­schaft mög­lich und zumut­bar gewe­sen, die betrof­fe­nen Flug­gäs­te von Jerez nach Sevil­la zu fah­ren und von dort aus nach Hahn zu beför­dern.

Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Amts­ge­richt Sim­mern hat die Kla­ge im Wesent­li­chen abge­wie­sen 2. Auf die Beru­fung des Klä­gers hat das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz dage­gen der Kla­ge über­wie­gend statt­ge­ge­ben 3. Das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz war der Ansicht, Ryan­air habe nicht aus­rei­chend dar­ge­legt, dass sie im Sin­ne von Art. 5 Abs. 3 der Ver­ord­nung alle zumut­ba­ren Maß­nah­men ergrif­fen habe, um die Annul­lie­rung des Flugs zu ver­hin­dern. Ins­be­son­de­re sei nicht kon­kret dar­ge­legt, war­um das in Sevil­la gelan­de­te Flug­zeug auf dem Rück­weg kei­ne Zwi­schen­lan­dung in Jerez habe machen und die war­ten­den Flug­gäs­te auf­neh­men kön­nen, nach­dem die Wet­ter­be­din­gun­gen dies zuge­las­sen hät­ten.

Auf die Revi­si­on des beklag­ten Luft­fahrt­un­ter­neh­mens und die Anschluss­re­vi­si­on des Klä­gers hat der Bun­des­ge­richts­hof das Urteil des Beru­fungs­ge­richts auf­ge­ho­ben und die Beru­fung des Klä­gers gegen das Urteil des Amts­ge­richts zurück­ge­wie­sen, soweit der Klä­ger Aus­gleichs­zah­lun­gen in Höhe von 800 € begehrt hat. Im Übri­gen hat der Bun­des­ge­richts­hof die Sache zu neu­er Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz zurück­ver­wie­sen.

Der Klä­ger hat, so der BGH zur Begrün­dung sei­nes Urteils, gemäß Art. 5 Abs. 3 der Ver­ord­nung kei­nen Anspruch auf Aus­gleichs­zah­lun­gen nach Art. 7 Abs. 1 der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung. Die Fra­ge, ob und wann sich eine Annul­lie­rung durch zumut­ba­re Maß­nah­men hät­te ver­mei­den las­sen, kann nicht all­ge­mein­gül­tig, son­dern nur für den Ein­zel­fall beant­wor­tet wer­den. Im vor­lie­gen­den Fall herrsch­te zum Zeit­punkt der Annul­lie­rungs­ent­schei­dung Nebel, wes­halb das für den Flug vor­ge­se­he­ne Flug­zeug in Jerez nicht lan­den konn­te. Wie lan­ge der Nebel, der tat­säch­lich bis 11.30 Uhr anhielt, andau­ern wür­de und ob und wann es dann mög­lich sein wür­de, das Flug­zeug von Sevil­la nach Jerez zu holen, war nicht zuver­läs­sig abzu­se­hen. Unter die­sen Umstän­den wäre es unter Berück­sich­ti­gung der Aus­wir­kun­gen auf den wei­te­ren Flug­plan nicht ver­nünf­tig gewe­sen, die Annul­lie­rungs­ent­schei­dung auf­zu­schie­ben, ent­schie­den die Karls­ru­her Bun­des­rich­ter.

Über den vom Klä­ger begehr­ten Ersatz der durch die Annul­lie­rung ent­stan­de­nen Mehr­kos­ten konn­te der Bun­des­ge­richts­hof dage­gen nicht abschlie­ßend ent­schei­den. Im Fall der Annul­lie­rung eines Flugs haben Flug­gäs­te nach Art. 8 Abs. 1 Buchst. b der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung unter ande­rem Anspruch auf eine ander­wei­ti­ge Beför­de­rung zum End­ziel unter ver­gleich­ba­ren Rei­se­be­din­gun­gen zum frü­hest­mög­li­chen Zeit­punkt. Ryan­air könn­te die Ver­pflich­tung, eine ent­spre­chen­de ander­wei­ti­ge Beför­de­rung anzu­bie­ten, ver­letzt haben, indem es dem Klä­ger und sei­ner Ehe­frau erst für den 27. Okto­ber 2007 einen Ersatz­flug anbot. Das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz muss daher in einer neu­en Ver­hand­lung klä­ren, ob es Ryan­air mög­lich war, den Klä­ger und sei­ne Ehe­frau zu einem frü­he­ren Zeit­punkt nach Hahn zu beför­dern, etwa durch einen Bus­trans­port nach Sevil­la und anschlie­ßen­den Flug von Sevil­la nach Hahn oder durch Beför­de­rung mit einem ande­ren Luft­fahrt­un­ter­neh­men.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 25. März 2010 – Xa ZR 96/​09

  1. Ver­ord­nung (EG) Nr. 261/​2004[]
  2. AG Sim­mern, Urteil vom 25.09.2008 – 3 C 83/​08[]
  3. OLG Koblenz, Urteil vom 16.07.2009 – 2 U 1312/​08[]