Wider­spre­chen­de Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten

Auch bei wider­spre­chen­den Gut­ach­ten muss zunächst durch Anhö­rung des Sach­ver­stän­di­gen nach § 411 Abs. 3 ZPO ver­sucht wer­den, die Ursa­che der Mei­nungs­un­ter­schie­de zu erfor­schen.

Wider­spre­chen­de Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten

Ins­be­son­de­re ist zu erfor­schen ob

  • die Gut­ach­ter von einer unter­schied­li­chen Tat­sa­chen­grund­la­ge aus­ge­gan­gen sind oder
  • Anknüp­fungs­tat­sa­chen ver­schie­den ermit­telt haben

und sich des­halb Wider­sprü­che behe­ben las­sen.

Selbst wenn dies nicht mög­lich ist, muss des­halb nicht zwin­gend ein wei­te­res Gut­ach­ten ein­ge­holt wer­den, viel­mehr kann das Gericht sich nach dem Grund­satz der frei­en Beweis­wür­di­gung unter kri­ti­scher Wür­di­gung bei­der Gut­ach­ten einem Sach­ver­stän­di­gen anschlie­ßen, wenn es aus­rei­chend dar­legt, war­um dem ande­ren nicht zu fol­gen ist 1.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. Juni 2016 – II ZR 290/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 23.09.1986 – VI ZR 261/​85, NJW 1987, 442; Beschluss vom 19.01.2012 – V ZR 141/​11, WuM 2012, 164 Rn. 14[]