Zwangs­voll­stre­ckung und Klau­seler­tei­lung nach Kre­dit­ver­kauf

Die Zwangs­voll­stre­ckung aus einer nota­ri­el­len Unter­wer­fungs­er­klä­rung ist für den Zes­sio­nar einer Siche­rungs­grund­schuld jeden­falls dann zuläs­sig, wenn er in den Siche­rungs­ver­trag ein­tritt. Mit die­sem Urteil ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richt­hof über die Wirk­sam­keit einer for­mu­lar­mä­ßi­gen Unter­wer­fung unter die sofor­ti­ge Zwangs­voll­stre­ckung in einer nota­ri­el­len Grund­schuld­be­stel­lungs­ur­kun­de.

Zwangs­voll­stre­ckung und Klau­seler­tei­lung nach Kre­dit­ver­kauf

In dem der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs zugrun­de lie­gen­den Fall wen­det sich die Klä­ge­rin gegen die Zwangs­voll­stre­ckung der Beklag­ten aus einer nota­ri­el­len Urkun­de über die Bestel­lung einer inzwi­schen mehr­fach abge­tre­te­nen Grund­schuld, die sie ihrer Haus­bank im Jahr 1989 anläss­lich einer Dar­le­hens­ge­wäh­rung zur Absi­che­rung aller Ansprü­che aus der bank­mä­ßi­gen Geschäfts­be­zie­hung gewährt hat­te. In der nota­ri­el­len Urkun­de hat­te sich die Klä­ge­rin wegen aller Ansprü­che aus der Grund­schuld der sofor­ti­gen Zwangs­voll­stre­ckung in das belas­te­te Grund­stück unter­wor­fen.

Nach­dem die Klä­ge­rin nicht in der Lage war, eine im Jahr 2000 geschlos­se­ne ver­gleichs­wei­se Eini­gung zur Rück­füh­rung ihrer Dar­le­hens­ver-bind­lich­kei­ten zu erfül­len, kün­dig­te ihre Haus­bank im Jahr 2002 die Geschäfts­ver­bin­dung und for­der­te sie zur Rück­zah­lung der Rest­for­de­rung in Höhe von ca. 580.000 € auf. Am 7. Dezem­ber 2004 ver­kauf­te die Bank sämt­li­che For­de­run­gen gegen die Klä­ge­rin und trat der Käu­fe­rin auch die Grund­schuld ab. Nach einer wei­te­ren Abtre­tung der Ansprü­che und der Grund­schuld im Jahr 2005 wur­de im Jahr 2007 die Beklag­te als Inha­be­rin der Grund­schuld im Grund­buch ein­ge­tra­gen und auf dem Grund­schuld­brief ver­merkt. Nach Umschrei­bung der Voll­stre­ckungs­klau­sel lei­te­te die Beklag­te gegen die Klä­ge­rin im Mai 2008 die Zwangs­voll­stre­ckung ein.

Die Klä­ge­rin hält die Zwangs­voll­stre­ckung aus der nota­ri­el­len Unter­wer­fungs­er­klä­rung unter ande­rem des­halb für unzu­läs­sig, weil die­se vor­for­mu­lier­te Klau­sel in Kom­bi­na­ti­on mit der frei­en Abtret­bar­keit des Dar­le­hens­rück­zah­lungs­an­spruchs und der Grund­schuld sie unan­ge­mes­sen benach­tei­li­ge und daher gemäß § 9 AGBG (jetzt: § 307 BGB) unwirk­sam sei.

Das erst­in­stanz­lich mit die­ser Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge befass­te Land­ge­richt Hil­des­heim hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben, die Klä­ge­rin auf die Hilfs­wi­der­kla­ge der Beklag­ten jedoch ver­ur­teilt, die Zwangs­voll­stre­ckung in das Grund­stück in Höhe der noch offe­nen Ver­bind­lich­kei­ten zu dul­den 1. Auf die Beru­fung des neu­en Gläu­bi­gers hat das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le das land­ge­richt­li­che Urteil auf­ge­ho­ben und die Kla­ge abge­wie­sen 2.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat jetzt der Revi­si­on der Klä­ge­rin gegen die­ses Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le nur zum Teil statt­ge­ge­ben und die Zwangs­voll­stre­ckung nur hin­sicht­lich der bis zum Jahr 2004 ange­fal­le­nen Grund­schuld­zin­sen für unzu­läs­sig erach­tet, weil die­se ver­jährt sind. Die Zwangs­voll­stre­ckung als sol­che auf­grund der for­mu­lar­mä­ßi­gen Unter­wer­fungs-erklä­rung hat der Bun­des­ge­richts­hof dage­gen als zuläs­sig ange­se­hen. Ins­be­son­de­re hat der Bun­des­ge­richts­hof auch auf­grund der in den letz­ten Jah­ren ver­mehrt auf­ge­tre­te­nen Kre­dit­ver­käu­fe kei­nen Anlass gese­hen, die stän­di­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zu ändern und die bank­üb­li­che Unter­wer­fungs­klau­sel zu bean­stan­den, nach­dem auch der Gesetz­ge­ber im Rah­men des Risi­ko­be­gren­zungs­ge­set­zes 3 kei­ne gesetz­li­chen Maß­nah­men ergrif­fen hat.

Aller­dings hat der Bun­des­ge­richts­hof für die Umschrei­bung des Voll­stre­ckungs­ti­tels auf den neu­en Grund­schuld­gläu­bi­ger ent­schie­den, dass die­se im Fal­le einer – in der Pra­xis übli­chen – Siche­rungs­grund­schuld des­sen Ein­tritt in den Siche­rungs­ver­trag erfor­dert. Dies ergibt sich aus einer an den Inter­es­sen der Par­tei­en ori­en­tier­ten Aus­le­gung der Unter­wer­fungs­er­klä­rung. Damit wird einer andern­falls mög­li­chen Ver­schlech­te­rung der Rechts­po­si­ti­on des Kre­dit­neh­mers und Grund­schuld­be­stel­lers ent­ge­gen­ge­wirkt. Ob die Beklag­te unter die­sem Gesichts­punkt zu Recht aus der Unter­wer­fungs­er­klä­rung gegen die Klä­ge­rin vor­ge­hen durf­te, konn­te der Bun­des­ge­richts­hof jedoch nicht ent­schei­den, weil die Prü­fung die­ser Fra­ge dem Klau­seler­tei­lungs­ver­fah­ren vor­be­hal­ten ist und die Klä­ge­rin die­sen Weg nicht beschrit­ten hat. Im Rah­men der von ihr erho­be­nen Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge kann die­se Fra­ge dage­gen nicht geprüft wer­den.

Nach die­ser Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs hat künf­tig bereits im Klau­seler­tei­lungs­ver­fah­ren die für die Titel­um­schrei­bung zustän­di­ge Stel­le, also der Notar oder bei einem gericht­li­chen Titel der Rechts­pfle­ger, von Amts wegen zu prü­fen, ob der neue Grund­schuld­in­ha­ber den Ein­tritt in den Siche­rungs­ver­trag nach den Maß­ga­ben des § 727 Abs. 1 ZPO nach­ge­wie­sen hat. Die­se Lösung hat aus der Sicht des Bun­des­ge­richts­hofs den Vor­teil, dass der Schuld­ner nicht aus der Rol­le des Ver­tei­di­gers in die­je­ni­ge des Angrei­fers, näm­lich des Klä­gers in einem Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge­ver­fah­ren, gezwun­gen wird. Erst im Fal­le der Klau­seler­tei­lung muss er – möch­te er sich dage­gen weh­ren – von den in die­sem Ver­fah­ren vor­ge­se­he­nen Rechts­be­hel­fen Gebrauch machen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 30. März 2010 – XI ZR 200/​09

  1. LG Hil­des­heim, Urteil vom 28.10.2008 – 10 O 95/​08[]
  2. OLG Cel­le, Urteil vom 27.05.2009 – 3 U 292/​08[]
  3. BGBl. 2008 I S. 1666[]