Bin­dung an Par­tei­an­trä­ge – und die unselb­stän­di­gen Rech­nungs­pos­ten

Nach § 308 Abs. 1 ZPO ist das Gericht nicht befugt, einer Par­tei etwas zuzu­spre­chen, was nicht bean­tragt ist. Aller­dings darf das Gericht bei ein­heit­li­chem Streit­ge­gen­stand grund­sätz­lich die ein­zel­nen, unselb­stän­di­gen Rech­nungs­pos­ten eines ein­heit­li­chen Anspruchs der Höhe nach ver­schie­ben.

Bin­dung an Par­tei­an­trä­ge – und die unselb­stän­di­gen Rech­nungs­pos­ten

Es darf dabei hin­sicht­lich ein­zel­ner Rech­nungs­pos­ten über das Gefor­der­te hin­aus­ge­hen, solan­ge die End­sum­me nicht über­schrit­ten wird 1.

Ein sol­cher Fall, der ins­be­son­de­re bei Ein­zel­ele­men­ten von Repa­ra­tur­kos­ten in Betracht kommt 2, liegt jedoch nicht vor, wenn der Klä­ger bean­tragt, ihm für bestimm­te Mona­te bestimm­te monat­li­che Dif­fe­renz­be­trä­ge zuzu­spre­chen, die er für den gesam­ten streit­be­fan­ge­nen Zeit­raum auf­sum­miert und in zwei Teil­be­trä­gen ein­ge­klagt hat. An die vom Klä­ger vor­ge­nom­me­ne Zuord­nung bestimm­ter Dif­fe­renz­be­trä­ge zu bestimm­ten Mona­ten – die, wie aus­ge­führt, die Kla­ge über­haupt erst hin­rei­chend bestimmt macht – ist das Gericht gebun­den. Dar­um darf eine Sal­die­rung der Mona­te, für die ein zu gerin­ger Betrag gefor­dert ist, mit den Mona­ten, für die zu viel ein­ge­klagt ist, die nur durch die Höhe der Gesamt­for­de­rung begrenzt wäre, nicht erfol­gen. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt wür­de dann dem Klä­ger für ein­zel­ne Zeit­ab­schnit­te, für die er eine zu gerin­ge Dif­fe­renz ver­langt, mehr zuspre­chen als von ihm gefor­dert 3.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 18. Febru­ar 2016 – 6 AZR 629/​14

  1. vgl. BGH 10.07.2012 – VI ZR 341/​10, Rn. 36, BGHZ 194, 26; 16.11.1989 – I ZR 15/​88, zu II 3 der Grün­de[]
  2. vgl. BGH 7.06.2011 – VI ZR 260/​10, Rn. 7[]
  3. vgl. für Scha­dens­ren­ten­an­sprü­che BGH 7.11.1989 – VI ZR 278/​88, zu II 1 der Grün­de; aA wohl für auf ein Kalen­der­jahr bezo­ge­ne Urlaubs­ab­gel­tungs­an­sprü­che BAG 22.10.2009 – 8 AZR 865/​08, Rn. 30[]