Der Scha­dens­er­satz­an­spruch des Arbeit­neh­mers, die arbeits­ver­trag­li­che Ver­fall­klau­sel – und der Mindestlohn

Eine arbeits­ver­trag­li­che Ver­fall­klau­sel, in der der Anspruch des Arbeit­neh­mers auf den gesetz­li­chen Min­dest­lohn nicht aus­ge­nom­men wur­de, ist unwirk­sam. In einem sol­chen Fall kann auch ein Scha­den­er­satz­an­spruch des Arbeit­neh­mers nicht auf­grund die­ser arbeits­ver­trag­li­chen Klau­sel verfallen.

Der Scha­dens­er­satz­an­spruch des Arbeit­neh­mers, die arbeits­ver­trag­li­che Ver­fall­klau­sel – und der Mindestlohn

In dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall ent­hielt der Arbeits­ver­trag die fol­gen­de Verfallklausel:

§ 17 Ausschlussfristen

Alle wech­sel­sei­ti­gen Ansprü­che aus dem Arbeits­ver­hält­nis und sol­che, die mit die­sem in Ver­bin­dung ste­hen, sind inner­halb einer Frist von drei Mona­ten nach Fäl­lig­keit schrift­lich gegen­über der ande­ren Ver­trags­par­tei gel­tend zu machen. Ansprü­che, die nicht inner­halb die­ser Frist gel­tend gemacht wer­den, sind verfallen.

Lehnt die ande­re Ver­trags­par­tei den Anspruch ab oder erklärt sie sich nicht inner­halb eines Monats nach der Gel­tend­ma­chung des Anspruchs, so ver­fällt der Anspruch, wenn er nicht inner­halb von drei Mona­ten nach der Ableh­nung oder dem Frist­ab­lauf gericht­lich gel­tend gemacht wird. Dies gilt auch für Zah­lungs­an­sprü­che, die wäh­rend eines Kün­di­gungs­schutz­pro­zes­ses fäl­lig wer­den oder von des­sen Aus­gang abhängen.

Der Aus­schluss nach den vor­ste­hen­den Zif­fern gilt nicht, soweit ein Anspruch aus der Haf­tung wegen Vor­satz beruht.

Die­se im Arbeits­ver­trag ver­ein­bar­te Klau­sel erfasst ent­ge­gen § 3 Satz 1 MiLoG auch den Anspruch auf den gesetz­li­chen Min­dest­lohn (§ 1 Abs. 1 und Abs. 2 MiLoG), der nach dem am 16.08.2014 in Kraft getre­te­nen MiLoG ab dem 1.01.2015 zu zah­len ist1.

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Dabei konn­te es das Bun­des­ar­beits­ge­richt vor­lie­gend dahin­ste­hen las­sen, ob in dem Ver­stoß gegen § 3 Satz 1 MiLoG zugleich eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung iSv. § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB liegt und die Klau­sel des­halb unwirk­sam ist2, oder ob die Klau­sel – wie der Neun­te Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts in sei­nem Urteil vom 18.09.20183 ange­nom­men hat – wegen Intrans­pa­renz nach § 307 Abs. 1 Satz 2 iVm. Satz 1 BGB unwirk­sam ist. In jedem Fall führt die Unwirk­sam­keit der Klau­sel nach § 306 Abs. 1 BGB zu deren ersatz­lo­sen Weg­fall unter Auf­recht­erhal­tung des Ver­trags im Übri­gen4.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 17. Dezem­ber 2020 – 8 AZR 149/​20

  1. vgl. etwa BAG 18.09.2018 – 9 AZR 162/​18, Rn. 27 ff. mwN, BAGE 163, 282[]
  2. vgl. BGH 27.01.2015 – XI ZR 174/​13, Rn. 17; 9.04.2014 – VIII ZR 404/​12, Rn.20, BGHZ 200, 362; 17.12.2013 – XI ZR 66/​13, Rn. 10, BGHZ 199, 281[]
  3. BAG 18.09.2018 – 9 AZR 162/​18 – aaO[]
  4. vgl. BAG 18.09.2018 – 9 AZR 162/​18, Rn. 62 ff. mwN, aaO[]