Der Streit um die varia­blen Bonus­zah­lun­gen – und die Pro­zess­zin­sen

Bei einem Rechts­streit um varia­ble Bonus­zah­lun­gen ste­hen dem kla­gen­den Arbeit­neh­mer ste­hen sowohl Pro­zess­zin­sen nach §§ 291, 288 Abs. 1 Satz 2 BGB als auch Ver­zugs­zin­sen nach § 286 Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 1, § 288 Abs. 1 BGB erst ab Rechts­kraft der Ent­schei­dung zu.

Der Streit um die varia­blen Bonus­zah­lun­gen – und die Pro­zess­zin­sen

Der Anspruch auf Pro­zess­zin­sen ent­steht frü­hes­tens ab der Fäl­lig­keit der For­de­rung (§ 291 Satz 1 Halbs. 2 BGB). Glei­ches gilt für Ver­zugs­zin­sen, weil Ver­zug erst ab Fäl­lig­keit ein­tre­ten kann. Erweist sich eine nach § 315 Abs. 1 BGB vor­zu­neh­men­de ein­sei­ti­ge Leis­tungs­fest­set­zung des Arbeit­ge­bers – wie im Streit­fall – als nicht bil­li­gem Ermes­sen ent­spre­chend und erfolgt die Bestim­mung der dem Arbeit­neh­mer zuste­hen­den Ver­gü­tung nach § 315 Abs. 3 Satz 2 BGB durch Gestal­tungs­ur­teil, wird die For­de­rung vor­be­halt­lich ande­rer Ver­ein­ba­run­gen erst mit Rechts­kraft die­ses Gestal­tungs­ur­teils fäl­lig1. Nach dem gesetz­li­chen Kon­zept ent­hält § 315 Abs. 3 BGB eine Zwei­tei­lung zwi­schen fest­stel­len­der Kas­sa­ti­on und rechts­ge­stal­ten­der Ersatz­leis­tungs­be­stim­mung2. Mit der rechts­kräf­ti­gen gericht­li­chen Leis­tungs­be­stim­mung wird der bis dahin "schwe­ben­de" Anspruch auf die unbe­stimm­te Leis­tung erst­mals – ex nunc – rechts­ge­stal­tend kon­kre­ti­siert. Dem­entspre­chend kann der Schuld­ner vor­her grund­sätz­lich nicht in Ver­zug gera­ten3.

An der Bestim­mung eines frü­he­ren Zins­be­ginns für den Fall der gericht­li­chen Erset­zung der Ermes­sens­ent­schei­dung fehlt es im Streit­fall. Weder aus dem Arbeits­ver­trag noch aus den ein­schlä­gi­gen Dienst­ver­ein­ba­run­gen erge­ben sich Anhalts­punk­te für eine der­ar­ti­ge Rege­lung. Soweit das Bun­des­ar­beits­ge­richt ange­deu­tet hat, Nr. 6.02.02. Abs. 2 DV AT-Ver­gü­tung 2010 kön­ne für eine Fäl­lig­keit Ende Juni des Fol­ge­jah­res spre­chen4, han­delt es sich bei den dort genann­ten Daten um Stich­ta­ge, bis zu denen das Arbeits­ver­hält­nis des Arbeit­neh­mers, der einen Anspruch auf varia­ble Ver­gü­tung gel­tend macht, min­des­tens bestan­den haben muss. Mit sol­chen Klau­seln ver­folgt der Arbeit­ge­ber in der Regel das Ziel, die Arbeit­neh­mer zur Betriebs­treue anzu­hal­ten5. Ein Anspruch des Arbeit­neh­mers auf Ver­zin­sung der vom Gericht nach § 315 Abs. 3 Satz 2 BGB fest­ge­setz­ten varia­blen Ver­gü­tung zu einem vor Ein­tritt der Rechts­kraft lie­gen­den Zeit­punkt ergibt sich dar­aus jeden­falls nicht.

Das Hin­aus­schie­ben der Fäl­lig­keit bis zur Rechts­kraft des Urteils führt nicht zu einer unbil­li­gen Benach­tei­li­gung des Gläu­bi­gers. Er kann mit dem Schuld­ner zum einen ver­trag­li­che Rege­lun­gen über eine frü­he­re (rück­wir­ken­de) Ver­zin­sung der strei­ti­gen For­de­rung tref­fen. Zum ande­ren kann er in den Fäl­len, in denen der Schuld­ner die ver­bind­li­che Fest­stel­lung der For­de­rung oder der für sie maß­geb­li­chen Tat­sa­chen pflicht­wid­rig ver­zö­gert, nach § 280 Abs. 1 BGB den Ersatz etwai­ger Zins­schä­den – ent­gan­ge­ne Anla­ge­zin­sen oder eige­ne Finan­zie­rungs­zin­sen – ver­lan­gen6.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 24. Okto­ber 2018 – 10 AZR 285/​16

  1. vgl. BAG 10.12 2013 – 3 AZR 595/​12, Rn. 11 []
  2. BAG 27.01.2016 – 4 AZR 468/​14, Rn.20, BAGE 154, 83 []
  3. vgl. BAG 27.01.2016 – 4 AZR 916/​13, Rn. 38 mwN; BGH 4.07.2013 – III ZR 52/​12, Rn. 32 ff. []
  4. BAG 19.03.2014 – 10 AZR 622/​13, Rn. 60, BAGE 147, 322 []
  5. zu der Wirk­sam­keit von Stich­tags­re­ge­lun­gen zB BAG 27.06.2018 – 10 AZR 290/​17, Rn.19 ff. []
  6. BGH 4.07.2013 – III ZR 52/​12, Rn. 37 []