Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der – und die Start­gut­schrif­ten für ren­ten­fer­ne Ver­si­cher­te

Die in § 79 Abs. 1 der Sat­zung der Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der (VBLS) getrof­fe­ne Rege­lung, nach der in jedem Jahr der Pflicht­ver­si­che­rung ledig­lich 2,25% der Voll­ren­te erwor­ben wer­den, führt auch unter Berück­sich­ti­gung der mit der 17. Sat­zungs­än­de­rung von Janu­ar 2012 ergänz­ten Bestim­mung des § 79 Abs. 1a VBLS und der dar­in vor­ge­se­he­nen Ver­gleichs­be­rech­nung wei­ter­hin zu einer sach­wid­ri­gen, gegen Art. 3 Abs. 1 GG ver­sto­ßen­den Ungleich­be­hand­lung inner­halb der Grup­pe der ren­ten­fer­nen Ver­si­cher­ten und damit zur Unwirk­sam­keit der sie betref­fen­den Über­gangs- bzw. Besitz­stands­re­ge­lung [1].

Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der – und die Start­gut­schrif­ten für ren­ten­fer­ne Ver­si­cher­te

Die Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der hat die Auf­ga­be, Ange­stell­ten und Arbei­tern der an ihr betei­lig­ten Arbeit­ge­ber des öffent­li­chen Diens­tes auf der Grund­la­ge ent­spre­chen­der Ver­sor­gungs­ta­rif­ver­trä­ge im Wege pri­vat­recht­li­cher Ver­si­che­rung eine zusätz­li­che Alters, Erwerbs­min­de­rungs- und Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zu gewäh­ren. Mit Neu­fas­sung ihrer Sat­zung (im Wei­te­ren: VBLS) vom 22.11.2002 stell­te die VBL ihr Zusatz­ver­sor­gungs­sys­tem rück­wir­kend zum 31.12 2001 (Umstel­lungs­stich­tag) von einem an der Beam­ten­ver­sor­gung ori­en­tier­ten Gesamt­ver­sor­gungs­sys­tem auf ein auf dem Punk­te­mo­dell beru­hen­des, bei­trags­ori­en­tier­tes Betriebs­ren­ten­sys­tem um.

Die neu­ge­fass­te Sat­zung ent­hält Über­gangs­re­ge­lun­gen zum Erhalt von bis zur Sys­tem­um­stel­lung erwor­be­nen Ren­ten­an­wart­schaf­ten. Die­se wer­den ihrem Wert nach fest­ge­stellt, in Ver­sor­gungs­punk­te umge­rech­net und als Start­gut­schrif­ten den Ver­sor­gungs­kon­ten der Ver­si­cher­ten gut­ge­schrie­ben. Dabei wer­den Ver­si­cher­te, deren Ver­sor­gungs­fall noch nicht ein­ge­tre­ten war, in ren­ten­na­he und ren­ten­fer­ne Ver­si­cher­te unter­schie­den. Ren­ten­nah ist nur, wer am 1.01.2002 das 55. Lebens­jahr voll­endet hat­te und im Tarif­ge­biet West beschäf­tigt war bezie­hungs­wei­se dem Umla­ge­satz des Abrech­nungs­ver­ban­des West unter­fiel oder Pflicht­ver­si­che­rungs­zei­ten in der Zusatz­ver­sor­gung vor dem 1.01.1997 vor­wei­sen kann. Die Anwart­schaf­ten der etwa 200.000 ren­ten­na­hen Ver­si­cher­ten wer­den gemäß § 79 Abs. 2 VBLS vor­wie­gend nach dem alten, auf dem Gesamt­ver­sor­gungs­sys­tem beru­hen­den Sat­zungs­recht der VBL ermit­telt. Die Anwart­schaf­ten der übri­gen, etwa 1, 7 Mio. ren­ten­fer­nen Ver­si­cher­ten berech­ne­ten sich dem­ge­gen­über nach den §§ 78 Abs. 1 und 2, 79 Abs. 1 Satz 1 VBLS in Ver­bin­dung mit § 18 Abs. 2 BetrAVG.

Mit Urteil vom 14.11.2007 [2] erklär­te der Bun­des­ge­richts­hof die Start­gut­schrifter­mitt­lung für ren­ten­fer­ne Ver­si­cher­te wegen Ver­sto­ßes der zugrun­de lie­gen­den Über­gangs­re­ge­lung gegen Art. 3 Abs. 1 GG für unver­bind­lich. Dar­auf­hin einig­ten sich die Tarif­ver­trags­par­tei­en mit Ände­rungs­ta­rif­ver­trag Nr. 5 vom 30.05.2011 zum Tarif­ver­trag Alters­ver­sor­gung (im Wei­te­ren ATVÄndV5), die bis­he­ri­ge Ermitt­lung der Start­gut­schrif­ten bei­zu­be­hal­ten, aber vgl. § 1 Nr. 5 Buchst. a ATVÄndV5, § 33 Abs. 1a ATV – durch ein auf § 2 Abs. 1 Satz 1 BetrAVG zurück­grei­fen­des Ver­gleichs­mo­dell zu ergän­zen. Mit der 17. Sat­zungs­än­de­rung vom Janu­ar 2012 über­nahm die VBL die tarif­ver­trag­li­chen Vor­ga­ben in § 79 Abs. 1a ihrer Sat­zung.

Die Start­gut­schrift ren­ten­fer­ner Ver­si­cher­ter nach § 79 Abs. 1 VBLS wird auch nach der Neu­fas­sung wei­ter­hin ermit­telt, wie im BGH-Urteil vom 14.11.2007 [3] dar­ge­stellt. Zusätz­lich ist nach dem neu ein­ge­füg­ten § 79 Abs. 1a VBLS eine Ver­gleichs­be­rech­nung vor­zu­neh­men, die dem Fak­tor von 2, 25 Pro­zent­punk­ten je Pflicht­ver­si­che­rungs­jahr (§ 18 Abs. 2 Nr. 1 Satz 1 BetrAVG) einen an § 2 Abs. 1 Satz 1 BetrAVG ange­lehn­ten Unver­fall­bar­keits­fak­tor gegen­über­stellt. Die­ser wird aus dem Ver­hält­nis der vom Beginn der Pflicht­ver­si­che­rung bis zur Sys­tem­um­stel­lung am 31.12 2001 erreich­ten Pflicht­ver­si­che­rungs­zeit zu der vom Beginn der Pflicht­ver­si­che­rung bis zur Voll­endung des 65. Lebens­jah­res erreich­ba­ren Pflicht­ver­si­che­rungs­zeit errech­net und um 7,5 Pro­zent­punk­te ver­min­dert. Ist der so ermit­tel­te Pro­zent­satz höher als der nach § 18 Abs. 2 Nr. 1 Satz 1 BetrAVG ermit­tel­te, so wird die Voll-Leis­tung nach § 18 Abs. 2 BetrAVG mit­tels eines indi­vi­du­el­len Brut­to- und Net­to­ver­sor­gungs­sat­zes nach § 41 Abs. 2 und 2b der bis 2001 gel­ten­den Sat­zung der VBL errech­net, wobei jedem Ver­si­cher­ten pau­schal alle außer­halb der Pflicht­ver­si­che­rung ver­brach­ten Kalen­der­mo­na­te ab Voll­endung des 17. Lebens­jah­res zur Hälf­te ange­rech­net wer­den. Dar­aus wird anhand des gemin­der­ten Unver­fall­bar­keits­fak­tors nach § 2 Abs. 1 BetrAVG die Anwart­schaft nach dem Ver­gleichs­mo­dell ermit­telt. Ist die­se höher als die nach § 79 Abs. 1 VBLS (in Anwen­dung von § 18 Abs. 2 Nr. 1 Satz 1 BetrAVG) errech­ne­te Start­gut­schrift, so wird die­ser die Dif­fe­renz hin­zu­ge­rech­net.

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall trat der am 4.07.1960 gebo­re­ne Arbeit­neh­mer am 1.09.1991 in den öffent­li­chen Dienst ein. Die VBL erteil­te ihm eine Start­gut­schrift nach § 79 Abs. 1 VBLS. Ein Zuschlag nach § 79 Abs. 1a VBLS ergab sich nicht. Der Arbeit­neh­mer meint, dass die geän­der­te Ermitt­lung der Start­gut­schrif­ten wei­ter­hin gegen Art. 3 Abs. 1 GG ver­sto­ße. Er begehrt die Fest­stel­lung der Unver­bind­lich­keit der anhand der neu­ge­fass­ten Sat­zung der VBL ermit­tel­ten Start­gut­schrift.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Karls­ru­he hat sei­ne Kla­ge abge­wie­sen [4]. Auf die Beru­fung des Arbeit­neh­mers hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he die begehr­te Fest­stel­lung aus­ge­spro­chen [5]. Hier­ge­gen wen­det sich die Revi­si­on der VBL, mit der sie die Wie­der­her­stel­lung des land­ge­richt­li­chen Urteils erstrebt, und die der Bun­des­ge­richts­hof nun zurück­ge­wie­sen hat:

Das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he hat zu Recht fest­ge­stellt, dass die von der VBL ermit­tel­te Start­gut­schrift den Wert der vom Arbeit­neh­mer erlang­ten Anwart­schaft nicht ver­bind­lich fest­legt. Die ihrer Ermitt­lung zugrun­de lie­gen­de Über­gangs­re­ge­lung in § 79 Abs. 1 und 1a VBLS ist wei­ter­hin mit dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz aus Art. 3 Abs. 1 GG unver­ein­bar.

Zutref­fend hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he die Wirk­sam­keit der Sat­zungs­be­stim­mun­gen der VBL unmit­tel­bar an Art. 3 Abs. 1 GG gemes­sen [6].

Aus dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz folgt auch für die Tarif­ver­trags­par­tei­en [7] das Gebot, wesent­lich Glei­ches gleich und wesent­lich Unglei­ches ungleich zu behan­deln. Das Grund­recht ist ver­letzt, wenn sich ein ver­nünf­ti­ger, aus der Natur der Sache fol­gen­der oder sonst sach­lich ein­leuch­ten­der Grund für die jewei­li­ge Dif­fe­ren­zie­rung oder Gleich­be­hand­lung nicht fin­den lässt [8]. Der die Ungleich­be­hand­lung tra­gen­de sach­li­che Grund muss dem Ziel und dem Aus­maß der Ungleich­be­hand­lung ange­mes­sen sein. Dabei gilt nach neue­rer ver­fas­sungs­ge­richt­li­cher Recht­spre­chung ein stu­fen­lo­ser, am Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ori­en­tier­ter ver­fas­sungs­recht­li­cher Prü­fungs­maß­stab, des­sen Inhalt und Gren­zen sich nicht abs­trakt, son­dern nur nach den jeweils betrof­fe­nen unter­schied­li­chen Sach- und Rege­lungs­be­rei­chen bestim­men las­sen. Hin­sicht­lich der ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen erge­ben sich aus dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz je nach Rege­lungs­ge­gen­stand und Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­ma­len unter­schied­li­che Gren­zen für den Gesetz­ge­ber, die von gelo­cker­ten auf das Will­kür­ver­bot beschränk­ten Bin­dun­gen bis hin zu stren­gen Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­er­for­der­nis­sen rei­chen kön­nen [9].

Einer Über­prü­fung anhand die­ser Vor­ga­ben hält die neu gefass­te Über­gangs­re­ge­lung nicht stand.

Das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he sieht zwar rich­tig, dass die in § 79 Abs. 1a VBLS vor­ge­se­he­ne Ver­gleichs­be­rech­nung als sol­che die vom Bun­des­ge­richts­hof [10] bean­stan­de­ten Sys­tem­brü­che und Unge­reimt­hei­ten ver­mei­det, weil der Unver­fall­bar­keits­fak­tor nun­mehr aus kom­pa­ti­blen Wer­ten errech­net wird.

Eben­falls zu Recht erkennt es aber eine neu geschaf­fe­ne Ungleich­be­hand­lung dar­in, dass die Aus­ge­stal­tung der Über­gangs­re­ge­lung bestimm­te Ver­si­cher­te von vor­ne­her­ein von einem Zuschlag aus­schließt, so dass die­se wei­ter­hin auf ihre gemäß § 79 Abs. 1 VBLS errech­ne­te, mit der Neu­fas­sung der Über­gangs­re­ge­lung wie­der für ver­bind­lich erklär­te Anwart­schaft ver­wie­sen blei­ben. Nach § 79 Abs. 1a Satz 1 Nr. 2 Satz 1 VBLS wird die, einen mög­li­chen Zuschlag begrün­den­de, Ver­gleichs­an­wart­schaft nur ermit­telt, wenn der nach § 79 Abs. 1a Satz 1 Nr. 1 VBLS errech­ne­te, um 7,5 Pro­zent­punk­te gemin­der­te Unver­fall­bar­keits­fak­tor den nach § 18 Abs. 2 Nr. 1 BetrAVG errech­ne­ten Wert über­steigt. Dies schließt, wie das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he zutref­fend fest­stellt, alle Ver­si­cher­ten aus, die bei Ein­tritt in den öffent­li­chen Dienst – jeweils ver­ein­fa­chend auf gan­ze Jah­re gerech­net – nicht älter als 25 Jah­re oder zum Umstel­lungs­stich­tag 41 Jah­re und jün­ger gewe­sen sind, weil der für sie ermit­tel­te Unver­fall­bar­keits­fak­tor rech­ne­risch beleg­bar das 2, 25fache der Zahl ihrer Pflicht­ver­si­che­rungs­jah­re nicht über­stei­gen kann. Eben­falls rech­ne­risch beleg­bar blei­ben über die vom Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he genann­ten Grup­pen hin­aus Ver­si­cher­te der zum Umstel­lungs­stich­tag zwi­schen 42 und 49 Jah­re alten Jahr­gän­ge – in Abhän­gig­keit von ihrem Alter beim Ein­tritt in den öffent­li­chen Dienst – von einem Zuschlag aus­ge­schlos­sen: Je jün­ger der Ver­si­cher­te zum Umstel­lungs­stich­tag ist, des­to höher muss sein Dienstein­tritts­al­ter lie­gen, damit der gemin­der­te Unver­fall­bar­keits­fak­tor den nach § 18 Abs. 2 Nr. 1 BetrAVG errech­ne­ten Wert über­schrei­tet. Bei einem Ver­si­cher­ten, der zum Umstel­lungs­stich­tag 49 Jah­re alt gewe­sen ist, ist dies bei­spiels­wei­se erst ab einem Dienstein­tritts­al­ter von 27 Jah­ren der Fall. Bei einem zum Umstel­lungs­stich­tag 45 Jah­re alten Ver­si­cher­ten gilt dies erst ab einem Dienstein­tritts­al­ter von 28 Jah­ren, bei einem zum Umstel­lungs­stich­tag 42 Jah­re alten Ver­si­cher­ten erst ab 31 Jah­ren.

Für die wei­ter­hin auf eine nach § 79 Abs. 1 VBLS ermit­tel­te Start­gut­schrift ver­wie­se­nen Ver­si­cher­ten bleibt es bei der vom Bun­des­ge­richts­hof [10] bean­stan­de­ten Ungleich­be­hand­lung. Haben sie ihre Tätig­keit im öffent­li­chen Dienst mit 20 Jah­ren und sie­ben Mona­ten (genau 65 – 44,44 = 20,56 Jah­ren) oder älter begon­nen, sind sie wei­ter­hin von der höchst­mög­li­chen Ver­sor­gung aus­ge­schlos­sen. Dies benach­tei­ligt Ver­si­cher­te mit län­ge­ren Aus­bil­dungs­zei­ten, wie etwa Aka­de­mi­ker oder sol­che mit abge­schlos­se­ner Berufs­aus­bil­dung oder einem Meis­ter­brief in einem hand­werk­li­chen Beruf, unan­ge­mes­sen [11], weil eine Aus­bil­dung oder ein Stu­di­um einen frü­he­ren Ein­tritt in den öffent­li­chen Dienst ver­hin­dern und zugleich eine außer­dienst­li­che Aus­bil­dung, ein Meis­ter­brief oder ein Stu­di­um für bestimm­te Tätig­kei­ten im öffent­li­chen Dienst erwünscht ist oder sogar zwin­gend not­wen­dig sein kann.

Die­se sich aus der neu gefass­ten Über­gangs­re­ge­lung erge­ben­de Ungleich­be­hand­lung begeg­net mit Blick auf den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken.

Dass § 79 Abs. 1a VBLS nicht zur Vor­aus­set­zung für einen Zuschlag zur Start­gut­schrift macht, dass der Ver­si­cher­te tat­säch­lich vor sei­nem Ein­tritt in den öffent­li­chen Dienst ein Stu­di­um oder eine Aus­bil­dung absol­viert hat, erscheint für sich genom­men mit Blick auf Art. 3 Abs. 1 GG aller­dings unbe­denk­lich. Zwar zielt die neu gefass­te Über­gangs­re­ge­lung auf eine Nach­bes­se­rung der Start­gut­schrift bis­lang benach­tei­lig­ter Ver­si­cher­ter mit vor­dienst­li­chen Stu­di­en- oder Aus­bil­dungs­zei­ten ab. Der VBL ist es aber nicht von vor­ne­her­ein ver­wehrt, statt­des­sen auf einen Ver­gleich des nach § 18 Abs. 2 Nr. 1 Satz 1 BetrAVG errech­ne­ten Pro­zent­sat­zes (Zahl der Pflicht­ver­si­che­rungs­jah­re x 2,25%) mit einem nach der Berech­nungs­wei­se des § 2 Abs. 1 Satz 1 BetrAVG ermit­tel­ten Unver­fall­bar­keits­fak­tor zurück­zu­grei­fen, selbst wenn danach nicht alle Ver­si­cher­ten mit vor­dienst­li­chen Stu­di­en- oder Aus­bil­dungs­zei­ten einen Zuschlag erhal­ten und zugleich nicht aus­ge­schlos­sen ist, dass ein Zuschlag auch Ver­si­cher­ten ohne sol­che Zei­ten zugu­te­kommt. Die Ord­nung von Mas­sen­er­schei­nun­gen wie der Zusatz­ver­sor­gung des öffent­li­chen Diens­tes berech­tigt die VBL dazu, gene­ra­li­sie­ren­de, typi­sie­ren­de und pau­scha­lie­ren­de Rege­lun­gen zu ver­wen­den, ohne allein wegen der damit ver­bun­de­nen Här­ten und Unge­rech­tig­kei­ten gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz zu ver­sto­ßen [12]

Ermit­telt die VBL die­je­ni­gen Ver­si­cher­ten, die einer Nach­bes­se­rung der Start­gut­schrift bedür­fen, aber nicht anhand vor­dienst­li­cher Stu­di­en- oder Aus­bil­dungs­zei­ten, son­dern greift statt­des­sen auf ande­re, typi­sie­ren­de Kri­te­ri­en zurück, müs­sen die­se am vor­ge­ge­be­nen Sach­ver­halt ori­en­tiert und sach­lich ver­tret­bar sein [13].

Dem ent­spricht der von der VBL gewähl­te Unver­fall­bar­keits­fak­tor bereits auf­grund des Abzugs von 7,5 Pro­zent­punk­ten nicht. Dass die Tarif­ver­trags­par­tei­en und ihnen fol­gend die VBL bei der Bestim­mung der Abzugs­hö­he die tat­säch­li­chen Umstän­de der bei der VBL Ver­si­cher­ten in den Blick genom­men haben, hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he nicht fest­ge­stellt. Das macht auch die VBL nicht gel­tend. Sie beruft sich statt­des­sen dar­auf, die Tarif­ver­trags­par­tei­en hät­ten – aus­ge­hend von der Dif­fe­renz von 11, 77 Pro­zent­punk­ten zwi­schen dem nach § 18 Abs. 2 Nr. 1 Satz 1 BetrAVG errech­ne­ten Pro­zent­satz (Zahl der Pflicht­ver­si­che­rungs­jah­re x 2,25%) und dem Unver­fall­bar­keits­fak­tor aus dem im BGH,-Urteil vom 14.11.2007 [11] ent­wi­ckel­ten Bei­spiel – einen vom Ver­si­cher­ten auf den erreich­ba­ren Höchst­ver­sor­gungs­satz hin­zu­neh­men­den Abschlag von 7,5 Pro­zent­punk­ten "noch als ange­mes­sen" ange­se­hen [14].

Dies recht­fer­tigt aber den Abzug auch unter dem Gesichts­punkt eines den Tarif­ver­trags­par­tei­en zuste­hen­den, wei­ten Gestal­tungs­spiel­raums [15] nicht. Der erfor­der­li­che Sach­ver­halts­be­zug ist nicht belegt. Es ist nicht ersicht­lich und wird von der VBL auch nicht vor­ge­tra­gen, dass der Beur­tei­lung der Ange­mes­sen­heit Erkennt­nis­se zur tat­säch­li­chen Ver­tei­lung der Ver­si­cher­ten mit vor­dienst­li­chen Stu­di­en- oder Aus­bil­dungs­zei­ten zugrun­de gele­gen haben und sich die pau­scha­le Kür­zung des Unver­fall­bar­keits­fak­tors um 7,5 Pro­zent­punk­te dar­an ori­en­tiert hat. Dar­über hin­aus lässt die von der VBL ange­führ­te Begrün­dung nicht erken­nen, dass die Tarif­ver­trags­par­tei­en die Ange­mes­sen­heit des Abzugs sach­ge­recht beur­teilt haben. Ihre Beur­tei­lung durf­te sich nicht auf einen Ver­gleich des Unver­fall­bar­keits­fak­tors mit dem nach § 18 Abs. 2 Nr. 1 Satz 1 BetrAVG errech­ne­ten Pro­zent­satz [16] beschrän­ken, da die­se bei­den Fak­to­ren für sich genom­men kei­ne Rück­schlüs­se auf die dem Ver­si­cher­ten letzt­lich gut­zu­schrei­ben­de Anwart­schaft zulas­sen. Deren Höhe ergibt sich erst im Zusam­men­wir­ken der Fak­to­ren mit den mit ihnen jeweils zu mul­ti­pli­zie­ren­den Ver­sor­gungs­sät­zen [17]. Zwi­schen der Berech­nung des Fak­tors und des Ver­sor­gungs­sat­zes besteht ein inne­rer Zusam­men­hang [18].

Die sich aus dem Abzug von 7,5 Pro­zent­punk­ten mit­tel­bar erge­ben­de Beschrän­kung des Zuschlags anhand des Dienstein­tritts­al­ters der Ver­si­cher­ten ist in der von den Tarif­ver­trags­par­tei­en gewähl­ten Umset­zung eben­falls nicht sach­ge­recht, weil sie einen wesent­li­chen Teil der zu berück­sich­ti­gen­den Ver­si­cher­ten nicht erfasst.

Die pau­scha­lie­ren­de Ver­ein­fa­chung erlaubt es, bestimm­te in wesent­li­chen Ele­men­ten gleich gear­te­te Lebens­sach­ver­hal­te nor­ma­tiv zusam­men­zu­fas­sen. Dazu muss sie indes von einer mög­lichst brei­ten, alle betrof­fe­nen Grup­pen und Rege­lungs­ge­gen­stän­de ein­schlie­ßen­den Beob­ach­tung aus­ge­hen [19]. Ins­be­son­de­re darf ein Norm­ge­ber für eine Typi­sie­rung kei­nen aty­pi­schen Fall zum Leit­bild wäh­len, son­dern muss rea­li­täts­ge­recht den typi­schen Fall als Maß­stab zugrun­de legen [20]. Dem genügt die Neu­re­ge­lung nicht.

Die sich aus dem Abzug von 7,5 Pro­zent­punk­ten erge­ben­de Alters­gren­ze führt dazu, dass Arbeit­neh­mer, die nach ihrem Schul­ab­schluss zügig die für den Ein­tritt in den öffent­li­chen Dienst erfor­der­li­che Aus­bil­dung oder ein dafür erfor­der­li­ches Stu­di­um absol­vie­ren und nach einer durch­schnitt­li­chen Aus­bil­dungs­dau­er in den öffent­li­chen Dienst ein­tre­ten, von einem Zuschlag zur Start­gut­schrift von vor­ne­her­ein aus­ge­schlos­sen blei­ben. Das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he geht auf­grund der von ihm zugrun­de geleg­ten Erfah­rungs­wer­te, die die VBL nicht infra­ge stellt, nach­voll­zieh­bar davon aus, dass Ver­si­cher­te trotz einer Aus­bil­dung oder eines Stu­di­ums außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes übli­cher­wei­se im Alter von 25 Jah­ren oder jün­ger in den öffent­li­chen Dienst ein­tre­ten kön­nen [21]. Ein Hoch­schul­stu­di­um von bis zu sie­ben Jah­ren schließt bei ent­spre­chend frü­hem Beginn einen Ein­tritt in den öffent­li­chen Dienst mit spä­tes­tens 25 Jah­ren eben­so wenig aus wie eine durch­schnitt­lich drei Jah­re dau­ern­de Aus­bil­dung. Tre­ten die­se Ver­si­cher­ten auf­grund ihrer Aus­bil­dung oder des Stu­di­ums im Alter von mehr als 20 Jah­ren und sie­ben Mona­ten in den öffent­li­chen Dienst ein, kön­nen sie wegen des Abzugs von 7,5 Pro­zent­punk­ten auf den Unver­fall­bar­keits­fak­tor und der sich dar­aus erge­ben­den Alters­gren­ze von 25 Jah­ren kei­nen Zuschlag zu ihrer Start­gut­schrift erhal­ten, zugleich aber wegen der weni­ger als 44, 44 Jah­re erreich­ba­rer Pflicht­ver­si­che­rungs­zei­ten kei­ne 100% der Voll-Leis­tung errei­chen­de Anwart­schaft erwer­ben. Ent­spre­chen­des gilt für zum Umstel­lungs­stich­tag zwi­schen 42 und 49 Jah­re alte Ver­si­cher­te, denen, abhän­gig von ihrem Alter, ein Zuschlag zur Start­gut­schrift sogar bei einem Ein­tritt in den öffent­li­chen Dienst mit bis zu 30 Jah­ren von vor­ne­her­ein ver­schlos­sen bleibt.

Mit der neu­ge­fass­ten Über­gangs­re­ge­lung über­schrei­tet die VBL zudem die Gren­zen zuläs­si­ger Typi­sie­rung.

Ob die mit der Typi­sie­rung ver­bun­de­nen Här­ten und Unge­rech­tig­kei­ten hin­ge­nom­men wer­den müs­sen, hängt zum einen von der Inten­si­tät der Benach­tei­li­gun­gen und der Zahl der betrof­fe­nen Per­so­nen ab. Es darf ledig­lich eine ver­hält­nis­mä­ßig klei­ne Zahl von Per­so­nen betrof­fen und die Ungleich­be­hand­lung nicht sehr inten­siv sein. Zum ande­ren kommt es auf die Dring­lich­keit der Typi­sie­rung und die mit ihr ver­bun­de­nen Vor­tei­le an. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, wie kom­pli­ziert die gere­gel­te Mate­rie ist, wel­che prak­ti­schen Erfor­der­nis­se für sie spre­chen und wie groß die Schwie­rig­kei­ten bei der Ver­mei­dung der Ungleich­be­hand­lung sind [22]. Die­se Gren­zen sind hier über­schrit­ten.

Die Ungleich­be­hand­lung betrifft nicht nur eine ver­hält­nis­mä­ßig klei­ne Zahl von Per­so­nen und geht über eine nicht sehr inten­si­ve Benach­tei­li­gung hin­aus. Anders als die VBL meint, rei­chen die vom Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen aus, um die­se Wer­tung zu tref­fen.

Danach umfasst allein die Grup­pe der ab dem voll­ende­ten 23. Lebens­jahr in den öffent­li­chen Dienst ein­ge­tre­te­nen Ver­si­cher­ten der Jahr­gän­ge 1961 bis 1978, die auf­grund ihres Alters von vor­ne­her­ein kei­nen Zuschlag erhal­ten kön­nen, mehr als 450.000 Per­so­nen. Dem­ge­gen­über erhal­ten nach dem Vor­brin­gen der VBL ledig­lich "über 14%" der ins­ge­samt 1, 7 Mio. ren­ten­fer­nen Ver­si­cher­ten, also etwa 250.000 Ver­si­cher­te, einen Zuschlag zur Start­gut­schrift. Ange­sichts die­ser Grö­ßen­ord­nun­gen hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he auch ohne wei­ter­ge­hen­de Fest­stel­lun­gen dazu, wie vie­le der betrof­fe­nen Ver­si­cher­ten nach einer vor­an­ge­gan­ge­nen Aus­bil­dung oder einem Stu­di­um in den öffent­li­chen Dienst ein­ge­tre­ten sind, rechts­feh­ler­frei davon aus­ge­hen dür­fen, dass eine Viel­zahl der ren­ten­fer­nen Ver­si­cher­ten, die auf­grund ihrer ver­gleichs­wei­se län­ge­ren Aus­bil­dung erst zu einem spä­te­ren Zeit­punkt zusatz­ver­si­che­rungs­pflich­tig wer­den, auf die bis­he­ri­ge Start­gut­schrift ver­wie­sen blei­ben, sich die Grup­pe der gleich­heits­wid­rig benach­tei­lig­ten Ver­si­cher­ten mit ande­ren Wor­ten nicht ledig­lich auf eine ver­hält­nis­mä­ßig klei­ne Zahl beschränkt. Anders als im vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall der Ver­si­cher­ten mit berufs­stän­di­scher Grund­ver­sor­gung [23]beru­hen die Aus­füh­run­gen des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he danach nicht auf blo­ßen Ver­mu­tun­gen.

Auch der Umfang der mit der Neu­re­ge­lung ver­bun­de­nen Här­ten und Unge­rech­tig­kei­ten über­schrei­tet das zuläs­si­ge Maß. Inner­halb der vom Zuschlag aus­ge­schlos­se­nen Ver­si­cher­ten wiegt die mit der bis­he­ri­gen Ermitt­lung der Start­gut­schrif­ten nach § 79 Abs. 1 VBLS ver­bun­de­ne Benach­tei­li­gung für am Umstel­lungs­stich­tag älte­re Ver­si­cher­te und sol­che Ver­si­cher­te beson­ders schwer, die erst rela­tiv spät in den öffent­li­chen Dienst ein­ge­tre­ten sind. Bei älte­ren Ver­si­cher­ten kommt der unter Ver­stoß gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz ermit­tel­ten Start­gut­schrift im Ver­hält­nis zur gesam­ten Ren­ten­an­wart­schaft antei­lig ein grö­ße­res Gewicht zu und Spä­tein­stei­ger ver­feh­len die zum Errei­chen des höchst­mög­li­chen Ver­sor­gungs­sat­zes erfor­der­li­chen 44, 44 Pflicht­ver­si­che­rungs­jah­re in beson­de­rem Maß. § 79 Abs. 1a VBLS gewährt indes, wenn über­haupt, nur sol­chen Ver­si­cher­ten einen Zuschlag, die den Jahr­gän­gen 1960 und älter ange­hö­ren und zugleich rela­tiv spät in den öffent­li­chen Dienst ein­ge­tre­ten sind. Für Spä­tein­stei­ger der Jahr­gän­ge 1961 und jün­ger oder Ver­si­cher­te der Jahr­gän­ge 1960 und älter, die zwi­schen 20 Jah­ren und sie­ben Mona­ten sowie 25 Jah­ren in den öffent­li­chen Dienst ein­ge­tre­ten sind, ver­rin­gert sich dage­gen von vor­ne­her­ein der Umfang der sich aus der bis­he­ri­gen Start­gut­schrif­ten­er­mitt­lung erge­ben­den Benach­tei­li­gun­gen nicht.

Bei die­sen Här­ten und Unge­rech­tig­kei­ten ver­bleibt es für Spä­tein­stei­ger der Jahr­gän­ge 1960 und älter, ohne dass wei­ter­ge­hen­de Fest­stel­lun­gen zu den am Ende nach dem neu­en Punk­te­sys­tem vor­aus­sicht­lich zu leis­ten­den Zusatz­ren­ten zu tref­fen sind. Die­se sind bei Beur­tei­lung der Inten­si­tät der Ungleich­be­hand­lun­gen dann in den Blick zu neh­men, wenn bei der gebo­te­nen gene­ra­li­sie­ren­den Betrach­tung die von den Ver­si­cher­ten nach der Sys­tem­um­stel­lung zu erwer­ben­den Ver­sor­gungs­punk­te die sich aus der Ermitt­lung der Start­gut­schrif­ten erge­ben­den Här­ten oder Unge­rech­tig­kei­ten abmil­dern oder auf­he­ben kön­nen [24]. Das betrifft aber nur Ver­si­cher­te unter­schied­li­cher Jahr­gän­ge, die auf­grund der ihnen nach der Sys­tem­um­stel­lung ver­blei­ben­den Zeit in unter­schied­li­chem Umfang Ver­sor­gungs­punk­te erwer­ben kön­nen. Dem­ge­gen­über kann dies eine auf dem Ein­stiegs­al­ter beru­hen­de Ungleich­be­hand­lung Ver­si­cher­ter glei­cher Jahr­gän­ge, die nach der Sys­tem­um­stel­lung in glei­chem Umfang Ver­sor­gungs­punk­te erwer­ben kön­nen, weder behe­ben noch mil­dern. Bei die­sen Ver­si­cher­ten schla­gen sich viel­mehr die bei Ermitt­lung der Start­gut­schrift erlit­te­nen Nach­tei­le in einer ent­spre­chen­den Dif­fe­renz bei der spä­te­ren Ren­ten­leis­tung nie­der.

Die der VBL aus der Typi­sie­rung erwach­sen­den Vor­tei­le glei­chen die mit ihr ver­bun­de­nen Här­ten und Unge­rech­tig­kei­ten nicht aus. Ein Bedürf­nis nach einer hand­hab­ba­ren Ermitt­lung der Start­gut­schrif­ten recht­fer­tigt die neu­ge­fass­te Über­gangs­re­ge­lung nicht.

Die Neu­re­ge­lung beruht ersicht­lich nicht auf Zweck­mä­ßig­keits- oder Ver­ein­fa­chungs­ge­sichts­punk­ten. Sie ver­pflich­tet die VBL neben der Ermitt­lung der bis­he­ri­gen Start­gut­schrift zu wei­te­ren Rechen­schrit­ten und Ver­gleichs­be­trach­tun­gen, die bis zu einer zwei­ten Ermitt­lung der Ver­sor­gungs­an­wart­schaft anhand des indi­vi­du­ell zu berech­nen­den Ver­sor­gungs­sat­zes füh­ren kön­nen. Die den Tarif­ver­trags­par­tei­en wei­ter­hin offen­ste­hen­den ande­ren Wege der Start­gut­schrifter­mitt­lung [25] sind dem­ge­gen­über mit kei­nem höhe­ren Ver­wal­tungs­auf­wand ver­bun­den und ver­rin­gern zugleich die mit der bestehen­den Rege­lung ver­bun­de­nen Här­ten und Ungleich­hei­ten für die Ver­si­cher­ten.

Ent­ge­gen der Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he spre­chen die im BGH, Urteil vom 14.11.2007 [26] auf­ge­führ­ten Beden­ken [27] nicht gene­rell gegen einen Rück­griff auf den unge­min­der­ten Unver­fall­bar­keits­fak­tor des § 2 Abs. 1 Satz 1 BetrAVG. Dem inne­ren Zusam­men­hang zwi­schen dem Unver­fall­bar­keits­fak­tor und der Ver­sor­gungs­leis­tung genügt es, wenn zugleich der zugrun­de zu legen­de Ver­sor­gungs­satz, wie in § 79 Abs. 1a Satz 1 Nr. 2 VBLS gesche­hen, abwei­chend von § 18 Abs. 2 Nr. 1 Satz 1 BetrAVG indi­vi­du­ell ermit­telt wird [28].

Auch der Ver­än­de­rung des Pro­zent­punk­te­sat­zes von 2, 25 (§ 79 Abs. 1 VBLS i.V.m. § 18 Abs. 2 Nr. 1 Satz 1 BetrAVG) oder der pau­scha­len Berück­sich­ti­gung von Aus­bil­dungs­zei­ten steht, anders als die VBL meint, nicht ent­ge­gen, dass die­se allen Ver­si­cher­ten unab­hän­gig von einer etwai­gen Aus­bil­dung oder einem Stu­di­um vor Ein­tritt in den öffent­li­chen Dienst zugu­te­kommt. Die mit die­sen Ansät­zen jeweils ver­bun­de­ne Pau­scha­lie­rung ver­bie­tet eine iso­lier­te Betrach­tung der Aus­wir­kun­gen auf ein­zel­ne Ver­si­cher­te. Statt­des­sen muss eine Gesamt­be­trach­tung zei­gen, ob die­se Model­le die mit der ursprüng­li­chen Ermitt­lung der Start­gut­schrift anhand des § 18 Abs. 2 Nr. 1 Satz 1 BetrAVG ver­bun­de­ne Ungleich­be­hand­lung in einem grö­ße­ren Umfang besei­ti­gen, als dies nach der der­zei­ti­gen Rege­lung gelingt.

Dass die Neu­re­ge­lung dar­auf abzielt, mit einer Nach­bes­se­rung der Start­gut­schrif­ten­er­mitt­lung ver­bun­de­ne Mehr­aus­ga­ben auf ein als ange­mes­sen emp­fun­de­nes Maß zu beschrän­ken [29], kann bei der Recht­fer­ti­gung einer Ungleich­be­hand­lung Berück­sich­ti­gung fin­den, reicht aber für sich genom­men regel­mä­ßig nicht aus, um eine dif­fe­ren­zie­ren­de Behand­lung ver­schie­de­ner Per­so­nen­grup­pen zu recht­fer­ti­gen [30]. Es kann ein legi­ti­mes Ziel einer Ungleich­be­hand­lung sein, die die Zusatz­ver­sor­gung des öffent­li­chen Diens­tes tra­gen­den öffent­li­chen Haus­hal­te finan­zi­ell zu ent­las­ten und dadurch die Funk­ti­ons- und Leis­tungs­fä­hig­keit des Sys­tems der Zusatz­ver­sor­gung im Inter­es­se aller zu erhal­ten [31]. In wel­chem Umfang damit ver­bun­de­ne Belas­tun­gen von Arbeit­ge­bern oder Ver­si­cher­ten zu tra­gen sind, ist aber unter dem Gesichts­punkt der Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit zu regeln [32]). Dem ent­spricht die ein­sei­ti­ge Belas­tung jün­ge­rer Ver­si­cher­ter oder Ver­si­cher­ter mit einem Ein­tritts­al­ter bis zu 25 Jah­ren durch die neu gefass­te Start­gut­schrif­ten­er­mitt­lung nicht. Ent­spre­chend schei­den die den Tarif­ver­trags­par­tei­en offen­ste­hen­den alter­na­ti­ven Mög­lich­kei­ten einer sach­ge­rech­ten Bestim­mung der Start­gut­schrif­ten nicht bereits des­we­gen von vor­ne­her­ein aus, weil sie mög­li­cher­wei­se mit Mehr­kos­ten ver­bun­den sind.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. März 2016 – IV ZR 9/​15

  1. Fort­füh­rung von BGH, Urteil vom 14.11.2007 – IV ZR 74/​06, BGHZ 174, 127[]
  2. BGH, Urteil vom 14.11.2007 – IV ZR 74/​06, BGHZ 174, 127 Rn. 122 ff.[]
  3. BGH, Urteil vom 14.11.2007 – IV ZR 74/​06, aaO Rn. 69 f.[]
  4. LG Karls­ru­he, Urteil vom 21.03.2014 – 6 O 229/​13[]
  5. OLG Karls­ru­he, Urteil vom 18.12.2014 – 12 U 124/​14[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 24.09.2008 – IV ZR 134/​07, BGHZ 178, 101 Rn. 25; st. Rspr.[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 14.11.2007 – IV ZR 74/​06, BGHZ 174, 127 Rn. 60 m.w.N.[]
  8. BVerfGE 3, 58, 135; st. Rspr.[]
  9. BVerfG WM 2015, 1535 unter B – III 1 b aa (1); WM 2015, 1032; jeweils m.w.N.[]
  10. BGH, Urteil vom 14.11.2007 – IV ZR 74/​06, aaO Rn. 128 ff.[][]
  11. BGH, Urteil vom 14.11.2007 – IV ZR 74/​06, aaO Rn. 136[][]
  12. BGH, Urtei­le vom 25.09.2013 – IV ZR 207/​11, VersR 2014, 89 Rn. 29; vom 14.11.2007 – IV ZR 74/​06, aaO Rn. 105; vgl. auch BVerfG ZTR 2008, 374 unter – II 2 b bb (1); BVerfGE 111, 115[]
  13. BVerfGE 111, 115 unter C – I 1 a; 100, 59 unter C – I 1 c cc (4) []
  14. vgl. Gilbert/​Hesse, Die Ver­sor­gung der Beschäf­tig­ten des öffent­li­chen Diens­tes, Stand: 52. Erg. Lie­fe­rung 1.04.2014 § 79 VBLS Rn. 39d; Heb­ler, ZTR 2011, 534, 536[]
  15. vgl. BGH, Urteil vom 14.11.2007 – IV ZR 74/​06, aaO Rn. 139[]
  16. Zahl der Pflicht­ver­si­che­rungs­jah­re x 2, 25%[]
  17. vgl. Wagner/​Fischer, NZS 2015, 641, 647[]
  18. vgl. BGH, Urteil vom 14.11.2007 – IV ZR 74/​06, aaO Rn. 129[]
  19. BVerfGE 133, 377 Rn. 103 m.w.N.[]
  20. vgl. BVerfGE 132, 39 ; 117, 1; 112, 268[]
  21. eben­so OLG Mün­chen, Urteil vom 22.05.2015 – 25 U 3827/​14; vgl. Wagner/​Fischer, NZS 2015, 641, 649[]
  22. BGH, Urtei­le vom 25.09.2013 – IV ZR 207/​11, aaO Rn. 29; vom 24.09.2008 – IV ZR 134/​07, aaO Rn. 61; BVerfG ZTR 2008, 374 unter – II 2 b bb (1); VersR 2000, 835 unter – II 2 c aa; BVerfGE 87, 234 unter C I[]
  23. BGH, Urteil vom 25.09.2013 – IV ZR 207/​11, aaO Rn. 33[]
  24. vgl. BGH, Urteil vom 25.09.2013 – IV ZR 207/​11, aaO Rn. 33; BAG NZA 2014, 36 Rn. 34[]
  25. vgl. BGH, Urteil vom 14.11.2007 – IV ZR 74/​06, aaO Rn. 149[]
  26. BGH, Urteil vom 14.11.2007 – IV ZR 74/​06, aaO Rn. 126[]
  27. vgl. auch Kon­rad, ZTR 2008, 296, 303; Wagner/​Fischer, NZS 2015, 641, 647; Wein, BetrAV 2008, 451, 455[]
  28. vgl. Heb­ler, ZTR 2011, 534, 537[]
  29. vgl. Heb­ler, ZTR 2011, 534, 535; Kru­sche, BetrAV 2012, 41, 43[]
  30. BVerfGE 75, 40 unter C – IV 2 b; 19, 76 unter B – II 1 a aa; jeweils m.w.N.[]
  31. BVerfGE 98, 365 unter C – II 3 g[]
  32. BGH, Urteil vom 24.09.2008 – IV ZR 134/​07, aaO Rn. 30; BAG DB 2007, 2850, 2852 = BAGE 124, 1 unter B – IV 2 b bb (4[]