Fris­ten­kon­trol­le durch den Rechts­an­walt – und die Vor­frist

Es ist grund­sätz­lich zuläs­sig, wenn ein Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter die Füh­rung des Fris­ten­ka­len­ders auf sein zuver­läs­si­ges Per­so­nal über­trägt. Aller­dings obliegt die Fris­ten­prü­fung dem Rechts­an­walt selbst, wenn ihm die Akten zur Bear­bei­tung im Zusam­men­hang mit der frist­ge­bun­de­nen Pro­zess­hand­lung vor­ge­legt wer­den.

Fris­ten­kon­trol­le durch den Rechts­an­walt – und die Vor­frist

Eine Anwei­sung an das Büro­per­so­nal betref­fend die Frist­wah­rung kann ihn von die­ser Ver­pflich­tung nicht befrei­en.

Dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten obliegt es fer­ner, in sei­nem Büro eine Aus­gangs­kon­trol­le zu schaf­fen, die gewähr­leis­tet, dass die Fris­ten im Fris­ten­ka­len­der erst dann gestri­chen wer­den, wenn der Schrift­satz gefer­tigt, abge­sandt und nöti­gen­falls vor­ab per Tele­fax über­mit­telt wor­den ist. Bei der hier erfolg­ten Über­mitt­lung per Tele­fax ist Bestand­teil der Aus­gangs­kon­trol­le, dass der Rechts­an­walt sei­nem Per­so­nal die Wei­sung erteilt, sich einen Sen­de­be­richt aus­dru­cken zu las­sen, auf die­ser Grund­la­ge die Voll­stän­dig­keit der Über­mitt­lung zu prü­fen und die Frist erst nach Kon­trol­le des Sen­de­be­richts zu löschen. Damit sol­len Feh­ler bei der Über­mitt­lung aus­ge­schlos­sen und sicher­ge­stellt wer­den, dass der Schrift­satz über­haupt über­mit­telt wor­den ist 1.

Rechts­mit­tel­be­grün­dungs­fris­ten müs­sen geson­dert und unver­wech­sel­bar im Fris­ten­ka­len­der ein­ge­tra­gen wer­den 2 und zusätz­lich ist die Ein­tra­gung einer Vor­frist zu ver­an­las­sen (4 Tage sind aus­rei­chend) 3.

Fer­ner sind die Sorg­falts­an­for­de­run­gen an eine wirk­sa­me Aus­gangs­kon­trol­le frist­wah­ren­der Schrift­sät­ze nicht gewahrt, wenn im Fris­ten­ka­len­der die ein­ge­tra­ge­ne Frist gestri­chen wur­de, obwohl ver­säumt wor­den war, das Tele­fax frist­ge­mäß zu ver­sen­den. Hät­te der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te der Beklag­ten sei­ne Mit­ar­bei­te­rin – wie gebo­ten – ange­wie­sen, die Löschung der Frist nur anhand des aus­ge­druck­ten Sen­de­be­richts zu prü­fen und vor­zu­neh­men, wäre die Frist im Kalen­der nicht gestri­chen wor­den. Die feh­len­de Tele­fa­x­über­sen­dung hät­te dann noch recht­zei­tig bemerkt wer­den kön­nen.

Schles­wig ‑Hol­stei­ni­sches Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 22. Febru­ar 2017 – 7 U 127/​16

  1. vgl. Zöl­ler-Gre­ger, ZPO, 31. Aufl., § 233 Rn. 23 ff. m. w. N.
  2. Zöl­ler a. a. O. „Fris­ten­be­hand­lung”
  3. vgl. Zöl­ler a. a. O. m. H. auf BGH NJW 2000, 365, 366