Der nicht­öf­fent­lich ver­kün­de­te Schei­dungs­be­schluß

Die Wirk­sam­keit der Ver­kün­dung einer End­ent­schei­dung in Ehe- und Fami­li­en­streit­sa­chen wird nicht dadurch berührt, daß sich aus der dar­über gefer­tig­ten Sit­zungs­nie­der­schrift nicht die vor­he­ri­ge Her­stel­lung der gemäß § 173 Abs. 2 GVG not­wen­di­gen Öffent­lich­keit ergibt.

Der nicht­öf­fent­lich ver­kün­de­te Schei­dungs­be­schluß

Die Fra­ge der Wirk­sam­keit einer unter Ver­stoß gegen § 173 Abs. 1 GVG ver­kün­de­ten Ent­schei­dung ist teil­wei­se unter Annah­me eines Nicht- oder Schein­ur­teils ver­neint wor­den 1, und wird teil­wei­se unter Hin­weis auf das Feh­len der Mög­lich­keit eines Beru­hens der Ent­schei­dung auf der feh­ler­haf­ten Ver­laut­ba­rung sowie der Benach­tei­li­gung eines Rechts­mit­tel­füh­rer bejaht 2. Der Ober­lan­des­ge­richt Cel­le schließt sich der letzt­ge­nann­ten Auf­fas­sung an.

Zwar ist ohne ein Pro­to­koll der Nach­weis der Ver­kün­dung urteils­erset­zen­der End­ent­schei­dun­gen in Ehe- und Fami­li­en­streit­sa­chen und damit ihres Exis­tent-Wer­dens als sol­ches aus­ge­schlos­sen. Dies hat zur Fol­ge, daß – da mit Ablauf der Frist des § 63 Abs. 3 S. 2 FamFG von fünf Mona­ten seit dem frag­li­chen Ver­kün­dungs­zeit­punkt ein sol­cher ein­zig geeig­ne­ter Nach­weis auch nicht mehr her­stell­bar ist – die (dekla­ra­to­ri­sche) Auf­he­bung einer sol­chen Schein­ent­schei­dung ins­ge­samt und die Zurück­ver­wei­sung der Sache unver­meid­lich sind 3.

Dem­ge­gen­über berührt die feh­len­de (Fest­stell­bar­keit der) Öffent­lich­keit einer durch die ent­spre­chen­de Sit­zungs­nie­der­schrift der Sache nach fest­ste­hen­den Ver­kün­dung nicht das Exis­tent-Wer­den der Ent­schei­dung, son­dern wirft ledig­lich die Fra­ge nach den Fol­gen von Män­gel ihrer Ver­laut­ba­rung auf. Inso­fern besteht aber seit der Ent­schei­dung des Gro­ßen Senats für Zivil­sa­chen vom 14.06.1954 4 dahin Kon­sens, daß Ver­kün­dungs­män­gel dem wirk­sa­men Erlaß einer Ent­schei­dung nur dann ent­ge­gen­ste­hen, wenn gegen ele­men­ta­re Form­erfor­der­nis­se ver­sto­ßen wur­de. Mit zutref­fen­den Erwä­gun­gen, denen das Ober­lan­des­ge­richt bei­tritt, hat das OLG Hamm in der bereits ange­spro­che­nen Ent­schei­dung für eine Ver­kün­dung ohne Her­stel­lung der Öffent­lich­keit einen Ver­stoß gegen ele­men­ta­re Form­erfor­der­nis­se in die­sem Sin­ne ver­neint. Ent­schei­den­des Erfor­der­nis einer Ver­laut­ba­rung der Ent­schei­dung ist die Mög­lich­keit der Kennt­nis­er­lan­gung durch die Betei­lig­ten, die durch die Her­stel­lung der Öffent­lich­keit in kei­ner Wei­se berührt wird. Dies gilt jeden­falls dann, wenn – wie gera­de auch im Streit­fall – die Betei­lig­ten und ihre bestell­ten Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten im Ver­kün­dungs­ter­min anwe­send sind. Auch da die Ent­schei­dung auf einem der­ar­ti­gen for­ma­len Ver­laut­ba­rungs­man­gel nicht ein­mal beru­hen kann und sich für die Betei­lig­ten kei­ne ersicht­li­chen Benach­tei­li­gun­gen erge­ben, liegt jeden­falls unter den Umstän­den des Streit­fal­les eine wirk­sa­me Ver­kün­dung des Beschlus­ses vor.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 20. August 2014 – 10 UF 21/​14

  1. vgl. RGZ 148, 151 m.w.N.[]
  2. vgl. Zöl­ler30-Voll­kom­mer, ZPO § 310 Rz. 9; OLG Hamm – Beschluss vom 16.11.1993 – 7 UF 204/​92 , Fam­RZ 1995, 943 f. mit aus­führ­li­cher Wie­der­ga­be des Mei­nungs­stands[]
  3. vgl. OLG, Beschluß vom 18.12 2013 – 10 UF 254/​13 – Nds­RPfl 2014, 91 ff. = BeckRS 2014, 01785 = juris[]
  4. BGHZ 14, 39, 45[]
  5. Anschluss an BGH, Beschluss vom 11.03.2015 – XII ZB 571/​13, Rn. 14[]