Gene­ti­sche Abstam­mungs­un­ter­su­chung – und der Anspruch auf Ein­wil­li­gung

Der Anspruch auf Ein­wil­li­gung in eine gene­ti­sche Abstam­mungs­un­ter­su­chung steht neben der Mut­ter und dem Kind allein dem recht­li­chen Vater zu. Eine Fäl­schung des Per­so­nen­stands­re­gis­ters oder der Geburts­ur­kun­de des Kin­des begrün­det kei­ne recht­li­che Vater­schaft.

Gene­ti­sche Abstam­mungs­un­ter­su­chung – und der Anspruch auf Ein­wil­li­gung

Nach § 1598 a Abs. 1 Satz 1 BGB kön­nen Vater, Mut­ter und Kind zur Klä­rung der leib­li­chen Abstam­mung des Kin­des von­ein­an­der ver­lan­gen, in eine gene­ti­sche Abstam­mungs­un­ter­su­chung ein­zu­wil­li­gen und die Ent­nah­me einer für die Unter­su­chung geeig­ne­ten gene­ti­schen Pro­be zu dul­den. Gemäß § 1598 a Abs. 2 BGB hat das Fami­li­en­ge­richt auf Antrag eines Klä­rungs­be­rech­tig­ten eine nicht erteil­te Ein­wil­li­gung zu erset­zen und die Dul­dung einer Pro­be­ent­nah­me anzu­ord­nen. Anspruchs­be­rech­tigt nach § 1598 a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BGB ist dabei allein der recht­li­che Vater1.

§ 1598 a BGB wur­de durch das Gesetz zur Klä­rung der Vater­schaft unab­hän­gig vom Anfech­tungs­ver­fah­ren vom 26.03.20082 mit Wir­kung zum 1.04.2008 in das Bür­ger­li­che Gesetz­buch ein­ge­fügt.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te zuvor ent­schie­den3, dass der für eine Vater­schafts­an­fech­tungs­kla­ge erfor­der­li­che Anfangs­ver­dacht nicht durch ein heim­lich ein­ge­hol­tes DNA-Gut­ach­ten dar­ge­legt wer­den kann. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat­te dies mit Urteil vom 13.02.20074 bestä­tigt, zugleich aber dem Gesetz­ge­ber auf­ge­ge­ben, bis zum 31.03.2008 eine Rege­lung zu einem rechts­för­mi­gen Ver­fah­ren zu tref­fen, mit dem die leib­li­che Abstam­mung eines Kin­des von sei­nem recht­li­chen Vater geklärt und nur ihr Bestehen oder Nicht­be­stehen fest­ge­stellt wer­den kann. Dem lag die Erwä­gung zugrun­de, dass Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG als Aus­for­mung des all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts nicht nur das Recht eines Man­nes auf Kennt­nis der Abstam­mung des ihm recht­lich zuge­ord­ne­ten Kin­des gewähr­leis­tet, son­dern auch auf Ver­wirk­li­chung die­ses Rechts. Die Rechts­ord­nung muss daher ein Ver­fah­ren bereit­stel­len, um dem recht­li­chen Vater eine Klä­rung der leib­li­chen Abstam­mung zu ermög­li­chen5.

Der Gesetz­ge­ber woll­te den Anspruch in Anleh­nung an die Vor­ga­ben des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts bewusst nie­der­schwel­lig aus­ge­stal­ten. Der Anspruch soll unbe­fris­tet gel­ten und an kei­ne beson­de­ren Vor­aus­set­zun­gen gebun­den sein. Auf ihn soll mate­ri­ell­recht­lich ledig­lich die all­ge­mei­ne Schran­ke miss­bräuch­li­cher Rechts­aus­übung Anwen­dung fin­den. Nach der Geset­zes­be­grün­dung steht der Anspruch dem recht­li­chen Vater, der Mut­ter und dem Kind gegen­über den ande­ren bei­den Fami­li­en­mit­glie­dern zu. Die Anspruchs­be­rech­ti­gung beruht auf dem beson­de­ren Inter­es­se an der Klä­rung der Abstam­mung und ist auf den Kreis der Anfech­tungs­be­rech­tig­ten beschränkt6.

Mut­ter eines Kin­des ist gemäß § 1591 BGB die Frau, die es gebo­ren hat. Vater eines Kin­des ist nach § 1592 BGB der Mann, der zum Zeit­punkt der Geburt mit der Mut­ter des Kin­des ver­hei­ra­tet ist (Nr. 1), der die Vater­schaft aner­kannt hat (Nr. 2) oder des­sen Vater­schaft gericht­lich fest­ge­stellt ist (Nr. 3). Eine Aner­ken­nung der Vater­schaft ist nach § 1594 Abs. 2 BGB nicht wirk­sam, solan­ge die Vater­schaft eines ande­ren Man­nes besteht.

Danach war in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall Herr H. G. , und nicht der Antrag­stel­ler, der recht­li­che Vater des Antrags­geg­ners. Selbst wenn man in der Fäl­schung des Gebur­ten­re­gis­ters oder der Geburts­ur­kun­de des Antrags­geg­ners zugleich eine Aner­ken­nung der Vater­schaft durch den Antrag­stel­ler sehen woll­te, wäre die­se nach § 1594 Abs. 2 BGB unwirk­sam.

Soweit der Antrag­stel­ler nach sei­nen eige­nen Anga­ben das tür­ki­sche Per­so­nen­stands­re­gis­ter und die Geburts­ur­kun­de des Kin­des gefälscht haben will, macht ihn dies nach deut­schem Per­so­nen­stands­recht nicht zum recht­li­chen Vater des Antrags­geg­ners.

Ein­tra­gun­gen in Per­so­nen­stands­re­gis­ter oder Geburts­ur­kun­den wir­ken nicht kon­sti­tu­tiv, son­dern ledig­lich dekla­ra­to­risch, weil nach § 54 Abs. 3 Satz 1 PStG der Nach­weis der Unrich­tig­keit der beur­kun­de­ten Tat­sa­che zuläs­sig ist. Eine Berich­ti­gung unrich­ti­ger Ein­tra­gun­gen kann nach §§ 48 ff. PStG im gericht­li­chen Ver­fah­ren erwirkt wer­den.

Eine nach § 169 StGB straf­ba­re Fäl­schung des Per­so­nen­stands­re­gis­ters oder der Geburts­ur­kun­de macht den fälsch­lich als Vater Benann­ten nicht zum recht­li­chen Vater, son­dern begrün­det nach § 54 Abs. 1 Satz 1 PStG allen­falls eine wider­leg­ba­re Ver­mu­tung für die recht­li­che Vater­schaft. Eines gene­ti­schen Abstam­mungs­gut­ach­tens bedarf es zur Berich­ti­gung im Fal­le der recht­li­chen Vater­schaft nach § 1592 Nr. 1 BGB nicht. Ob die Fäl­schung des tür­ki­schen Per­so­nen­stands­re­gis­ters oder der tür­ki­schen Geburts­ur­kun­de des Antrags­geg­ners durch den Antrag­stel­ler über­haupt als Per­so­nen­stands­ein­tra­gun­gen nach deut­schem Recht zu beur­tei­len wären, bedarf danach kei­ner abschlie­ßen­den Ent­schei­dung.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Juli 2017 – XII ZB 125/​17

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 30.11.2016 – XII ZB 173/​16 Fam­RZ 2017, 219 Rn.20 ff.
  2. BGBl. I S. 441
  3. BGH, Urtei­le vom 12.01.2005, BGHZ 162, 1 = Fam­RZ 2005, 340; und XII ZR 60/​03, Fam­RZ 2005, 342
  4. BVerfG, Fam­RZ 2007, 441
  5. vgl. BVerfG Fam­RZ 2007, 441, 442; BGH, Beschluss vom 30.11.2016 – XII ZB 173/​16 Fam­RZ 2017, 219 Rn.19 ff.
  6. BT-Drs. 16/​6561 S. 12; vgl. auch BGH, Beschluss vom 30.11.2016 – XII ZB 173/​16 Fam­RZ 2017, 219 Rn. 22