Kauf­kraft­un­ter­schie­de in der Unter­halts­be­rech­nung

Bei der Bemes­sung des Unter­halts kann der Tatrich­ter zur Ermitt­lung des Kauf­kraft­un­ter­schieds die vom Sta­tis­ti­schen Amt der Euro­päi­schen Uni­on (Euro­stat) ermit­tel­ten "ver­glei­chen­den Preis­ni­veaus des End­ver­brauchs der pri­va­ten Haus­hal­te ein­schließ­lich indi­rek­ter Steu­ern" her­an­zie­hen.

Kauf­kraft­un­ter­schie­de in der Unter­halts­be­rech­nung

Nach­dem das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt die Ver­öf­fent­li­chung der Ver­brau­cher­geld­pa­ri­tä­ten zum Ende des Berichts­jahrs 2009 ein­ge­stellt hat­te 1, deren Her­an­zie­hung zur Ermitt­lung der Kauf­kraft­un­ter­schie­de der Bun­des­ge­richts­hof sei­ner­zeit gebil­ligt hat­te 2, wer­den nun­mehr zum einen die Län­der­grup­pen­ein­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums sowie eine Kor­rek­tur mit­tels Teue­rungs­zif­fern und schließ­lich die Her­an­zie­hung der Sta­tis­ti­ken zu Kauf­preis­pa­ri­tä­ten von Euro­stat erwo­gen 3.

Dabei ist die Kauf­kraft­be­rei­ni­gung Sache der tatrich­ter­li­chen Beur­tei­lung. Das Rechts­be­schwer­de­ge­richt kann nur prü­fen, ob der Tatrich­ter inso­weit den Ver­fah­rens­stoff erschöp­fend gewür­digt und einen recht­lich beden­ken­frei­en Weg ein­ge­schla­gen hat 4.

Dass das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg 5, das die Vor- und Nach­tei­le der jewei­li­gen Metho­den nach­voll­zieh­bar begrün­det und abge­wo­gen hat, sei­ner Umrech­nung die von Euro­stat ermit­tel­ten "ver­glei­chen­den Preis­ni­veaus des End­ver­brauchs der pri­va­ten Haus­hal­te ein­schließ­lich indi­rek­ter Steu­ern" als im vor­lie­gen­den Fall geeig­ne­ten Anpas­sungs­maß­stab erach­tet und damit der wohl über­wie­gen­den Auf­fas­sung 6 gefolgt ist, ist von Rechts wegen nicht zu bean­stan­den und wird von der Rechts­be­schwer­de auch nicht ange­grif­fen.

Eben­so wenig ist etwas dage­gen zu erin­nern, dass das Ober­lan­des­ge­richt die sich im Rah­men der Kauf­kraft­be­rei­ni­gung erge­ben­de Anpas­sung schon beim unter­halts­recht­lich rele­van­ten Ein­kom­men des Antrags­geg­ners und nicht erst bei den in der Düs­sel­dor­fer Tabel­le ent­hal­te­nen Unter­halts­sät­zen der Antrag­stel­ler vor­ge­nom­men hat 7.

Das Maß des zu gewäh­ren­den Unter­halts bestimmt sich nach der Lebens­stel­lung des Bedürf­ti­gen, § 1610 Abs. 1 BGB. Auch wenn die­se sich bei min­der­jäh­ri­gen Kin­dern, die noch kei­ne eige­ne Lebens­stel­lung erlangt haben; vom Bar­un­ter­halts­pflich­ti­gen ablei­tet, ändert das nichts dar­an, dass die Bedarfs­sät­ze der Düs­sel­dor­fer Tabel­le an den deut­schen Ver­hält­nis­sen aus­ge­rich­tet sind. Sie spie­geln den Lebens­be­darf eines im Inland leben­den Kin­des wider. Des­halb ist es nicht zu bean­stan­den, wenn das Ober­lan­des­ge­richt das berei­nig­te Ein­kom­men des Antrags­geg­ners ent­spre­chend der Kauf­kraft umge­rech­net und sodann den Bedarf der – im Zeit­punkt der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Ober­lan­des­ge­richt noch min­der­jäh­ri­gen – Kin­der aus der sich so erge­ben­den Ein­kom­mens­grup­pe der Düs­sel­dor­fer Tabel­le ent­nom­men hat. Im Übri­gen hat auch die Rechts­be­schwer­de gegen die­se Ver­fah­rens­wei­se kei­ne Ein­wen­dun­gen erho­ben.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Juli 2014 – XII ZB 661/​12

  1. vgl. Wendl/​Dose Das Unter­halts­recht in der fami­li­en­rich­ter­li­chen Pra­xis 8. Aufl. § 9 Rn. 91[]
  2. BGH, Urteil vom 01.04.1987 IVb ZR 41/​86 Fam­RZ 1987, 682, 684; vgl. auch Unger FPR 2013, 19, 21[]
  3. vgl. die Über­sicht bei OLG Stutt­gart Fam­RZ 2014, 850, 851 f.; Unger FPR 2013, 19, 21 ff.[]
  4. BGH, Urteil vom 01.04.1987 IVb ZR 41/​86 Fam­RZ 1987, 682, 684[]
  5. OLG Olden­burg, Beschluss vom 19.10.2012 – 11 UF 55/​12, Fam­RZ 2013, 891[]
  6. Unger FPR 2013, 19, 22 f.; juris­PK-BGB/­Vief­hu­es [Stand 28.04.2014] § 1610 BGB Rn. 48.1; Deut­scher Fami­li­en­ge­richts­tag Emp­feh­lun­gen des Vor­stands Arbeits­kreis 5 zu A – I 1d Fam­RZ 2011, 1921[]
  7. so aber OLG Bran­den­burg Fam­RZ 2008, 1279[]