Objek­ti­ver Betreu­ungs­be­darf – und die gegen­wär­ti­ge Lebenssituation

Ob und für wel­che Auf­ga­ben­be­rei­che ein objek­ti­ver Betreu­ungs­be­darf besteht, bedarf der kon­kre­ten tatrich­ter­li­chen Fest­stel­lung und ist auf­grund der kon­kre­ten, gegen­wär­ti­gen Lebens­si­tua­ti­on des Betrof­fe­nen zu beur­tei­len1.

Objek­ti­ver Betreu­ungs­be­darf – und die gegen­wär­ti­ge Lebenssituation

Nach § 1896 Abs. 2 Satz 1 BGB darf ein Betreu­er nur bestellt wer­den, soweit die Betreu­ung erfor­der­lich ist. Die­ser Grund­satz ver­langt für die Bestel­lung eines Betreu­ers die kon­kre­te tatrich­ter­li­che Fest­stel­lung, dass sie auch unter Beach­tung der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit not­wen­dig ist, weil der Betrof­fe­ne auf ent­spre­chen­de Hil­fen ange­wie­sen ist und weni­ger ein­schnei­den­de Maß­nah­men nicht in Betracht kommen.

Die Erfor­der­lich­keit einer Betreu­ung darf sich dabei nicht allein aus der sub­jek­ti­ven Unfä­hig­keit des Betrof­fe­nen erge­ben, sei­ne Ange­le­gen­hei­ten selbst regeln zu kön­nen (Betreu­ungs­be­dürf­tig­keit). Hin­zu­tre­ten muss ein kon­kre­ter Bedarf für die Bestel­lung eines Betreu­ers. Ob und für wel­che Auf­ga­ben­be­rei­che ein objek­ti­ver Betreu­ungs­be­darf besteht, ist auf­grund der kon­kre­ten, gegen­wär­ti­gen Lebens­si­tua­ti­on des Betrof­fe­nen zu beurteilen.

Dabei genügt es, wenn ein Hand­lungs­be­darf in dem betref­fen­den Auf­ga­ben­kreis jeder­zeit auf­tre­ten kann2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. Juni 2021 – XII ZB 73/​21

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 21.10.2020 – XII ZB 153/​20 FamRZ 2021, 385[]
  2. st. Rspr., vgl. etwa BGH, Beschluss vom 21.10.2020 – XII ZB 153/​20 FamRZ 2021, 385 Rn. 22[]