Pau­scha­le Betreu­er­ver­gü­tung – und die Über­prü­fung des Tätig­keits­um­fangs

Im Ver­fah­ren über die Fest­set­zung der pau­scha­len Betreu­er­ver­gü­tung nach §§ 4, 5 VBVG ist nicht zu über­prü­fen, ob und in wel­chem Umfang der Betreu­er tätig gewor­den ist. Die Aus­übung einer kon­kre­ten Betreu­ungs­tä­tig­keit wird typi­sie­rend unter­stellt 1.

Pau­scha­le Betreu­er­ver­gü­tung – und die Über­prü­fung des Tätig­keits­um­fangs

Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat, steht dem Betreu­er gemäß §§ 1 Abs. 2, 4, 5 VBVG i.V.m. § 1908 i BGB ein Ver­gü­tungs­an­spruch in dem pau­schal fest­ge­leg­ten Umfang zu, ohne dass der Rechts­pfle­ger im Ver­fah­ren über die Fest­set­zung der Ver­gü­tung zu über­prü­fen hat, ob und in wel­chem Umfang der Betreu­er tätig gewor­den ist 2.

Durch die Ein­füh­rung der Pau­scha­lie­rung der Betreu­er­ver­gü­tung – deren Ziel es ist, Betreu­er und Rechts­pfle­ger von zeit­auf­wän­di­gen Abrech­nun­gen zu ent­las­ten – ist ein vom tat­säch­li­chen Auf­wand im kon­kre­ten Fall unab­hän­gi­ges Ver­gü­tungs­sys­tem geschaf­fen wor­den. Die in § 5 VBVG anhand einer Misch­kal­ku­la­ti­on zwi­schen auf­wän­di­gen und weni­ger auf­wän­di­gen Fäl­len fest­ge­leg­ten Stun­den­an­sät­ze ste­hen von Beginn des Betreu­ungs­ver­fah­rens an fest. Die Aus­übung einer kon­kre­ten Betreu­ungs­tä­tig­keit wird bei der pau­scha­len Ver­gü­tung typi­sie­rend unter­stellt; nicht erfor­der­lich ist, dass der Betreu­er in dem zu ver­gü­ten­den Zeit­raum auch tat­säch­lich für den Betreu­ten in dem vom Gesetz pau­scha­lie­rend unter­stell­ten Umfang tätig gewor­den ist 3. Auf den kon­kre­ten zeit­li­chen Auf­wand im Ein­zel­fall kommt es ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Rechts­be­schwer­de daher nicht an.

Die Betreu­te dringt auch nicht mit ihrem Ein­wand durch, die Betreu­ung habe frü­her auf­ge­ho­ben wer­den müs­sen, so dass die bean­trag­te Ver­gü­tung (jeden­falls teil­wei­se) nicht ange­fal­len wäre. Nach §§ 4, 5 VBVG ist der Zeit­raum zwi­schen der wirk­sa­men Betreu­er­be­stel­lung und der Auf­he­bung der Betreu­ung zu ver­gü­ten. Die Betreu­ung endet – außer im Fall des Todes des Betrof­fe­nen – erst mit einer gericht­li­chen Ent­schei­dung 4, hier der Auf­he­bung der Betreu­ung durch die Abhil­fe­ent­schei­dung des Amts­ge­richts. Im Ver­fah­ren über die Fest­set­zung der Ver­gü­tung ist nicht zu prü­fen, ob die Auf­he­bung frü­her hät­te erfol­gen müs­sen 5.

Viel­mehr ist hin­zu­neh­men, dass zwi­schen dem Ende der Not­wen­dig­keit der Betreu­ung und der Auf­he­bung der Betreu­ung eine gewis­se noch mit dem pau­scha­len Stun­den­satz nach § 5 VBVG zu ver­gü­ten­de Zeit­span­ne liegt, die auf gerichts- oder behör­den­in­ter­ne Abläu­fe und die Prü­fung, ob die Vor­aus­set­zun­gen für die Auf­he­bung der Betreu­ung tat­säch­lich vor­lie­gen, zurück­zu­füh­ren ist 6. Dass im vor­lie­gen­den Fall die Auf­he­bung der Betreu­ung im Rah­men des Beschwer­de­ver­fah­rens und – anders als in der BGH-Ent­schei­dung vom 07.08.2013 – nicht im Rah­men einer Über­prü­fung nach §§ 1908 d BGB, 294 FamFG erfolg­te, führt zu kei­ner ande­ren Bewer­tung. Denn im Beschwer­de­ver­fah­ren wird die Not­wen­dig­keit der Betreu­ung zum Zeit­punkt der Beschwer­de­ent­schei­dung (und nicht zum Zeit­punkt der ursprüng­li­chen Betreu­er­be­stel­lung) geprüft und eine even­tu­el­le Auf­he­bung der Betreu­ung eben­falls nicht rück­wir­kend vor­ge­nom­men.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. August 2014 – XII ZB 479/​12

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 07.08.2013 – XII ZB 233/​13 , Fam­RZ 2013, 1883[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 07.08.2013 – XII ZB 233/​13 , Fam­RZ 2013, 1883 Rn. 7; und vom 11.04.2012 – XII ZB 459/​10 , Fam­RZ 2012, 1051 Rn. 22[]
  3. BGH, Beschluss vom 07.08.2013 – XII ZB 233/​13 , Fam­RZ 2013, 1883 Rn. 8 mwN[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 07.08.2013 – XII ZB 233/​13 , Fam­RZ 2013, 1883 Rn. 9 zu § 1908 d BGB[]
  5. BGH, Beschluss vom 07.08.2013 – XII ZB 233/​13 , Fam­RZ 2013, 1883 Rn. 7 mwN[]
  6. BGH, Beschluss vom 07.08.2013 – XII ZB 233/​13 , Fam­RZ 2013, 1883 Rn. 9[]