Tei­lungs­kos­ten für die inter­ne Tei­lung einer betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung

Tei­lungs­kos­ten in Höhe von 765,08 EUR für die inter­ne Tei­lung einer betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung bei dem Süd­west­rund­funk sind ange­mes­sen im Sin­ne des § 13 VersAus­glG. Dies gilt auch dann, wenn die Aus­gleichs­be­rech­tig­te dort eben­falls über eine betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung ver­fügt.

Tei­lungs­kos­ten für die inter­ne Tei­lung einer betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung

Nach § 13 VersAus­glG kann der Ver­sor­gungs­trä­ger die bei der inter­nen Tei­lung ent­ste­hen­den Kos­ten jeweils hälf­tig mit den Anrech­ten bei­der Ehe­gat­ten ver­rech­nen, soweit sie ange­mes­sen sind.

Nach der wohl herr­schen­den Auf­fas­sung in der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung und in der Lite­ra­tur, der sich das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he und nun­mehr auch der BGH ange­schlos­sen haben1, umfas­sen die Tei­lungs­kos­ten nicht nur die Kos­ten, die mit der Ein­rich­tung des Kon­tos für den Aus­gleichs­be­rech­tig­ten ent­ste­hen, son­dern auch die sog. Tei­lungs­fol­ge­kos­ten, ins­be­son­de­re auch die im Rah­men der Kon­ten­ver­wal­tung für den Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten erwach­sen­den Mehr­kos­ten2.

Der Geset­zes­be­grün­dung lässt sich inso­weit ent­neh­men, dass der bei den Ver­sor­gungs­trä­gern ent­ste­hen­de orga­ni­sa­to­ri­sche Mehr­auf­wand ver­gü­tet wer­den soll­te, der durch die Tei­lung ent­steht3. Das Ziel des § 13 VersAus­glG war, dass den Ver­sor­gungs­trä­gern durch die Auf­bür­dung der inter­nen Tei­lung kei­ne zusätz­li­chen Kos­ten ent­ste­hen soll­ten, um die Akzep­tanz die­ses erwünsch­ten Durch­füh­rungs­we­ges zu erhö­hen. Der orga­ni­sa­to­ri­sche Mehr­auf­wand umfasst jedoch neben der ein­ma­li­gen – rela­tiv güns­ti­gen – Ein­rich­tung eines Ver­sor­gungs­kon­tos des­sen Pfle­ge in der Anwart­schafts­pha­se sowie die Abwick­lung im Leis­tungs­fall, die sich bei einer Ren­te eben­falls auf einen län­ge­ren Zeit­raum erstre­cken kann. Alle dafür not­wen­di­gen Per­so­nal- und Sach­kos­ten sind antei­lig – soweit sie plau­si­bel kon­kre­ti­siert wer­den kön­nen – zu berück­sich­ti­gen.

Wie die Ange­mes­sen­heit von Tei­lungs­kos­ten zu beur­tei­len ist, ist in Recht­spre­chung und Schrift­tum umstrit­ten. Über­wie­gend wird ein pro­zen­tua­ler Kos­ten­an­satz mit 2 % bis 3 % des Kapi­tal­werts ent­spre­chend der bis­lang bei der Real­tei­lung erfolg­ten und gebil­lig­ten Pra­xis für zuläs­sig erach­tet4. Pro­ble­ma­tisch ist jedoch, ob und wie bei beson­ders wert­hal­ti­gen Ver­sor­gun­gen die Tei­lungs­kos­ten der Höhe nach begrenzt wer­den kön­nen. Aller­dings soll nach den Vor­stel­lun­gen des Gesetz­ge­bers die Bestim­mung von Wert­gren­zen zunächst den Ver­sor­gungs­trä­gern über­las­sen blei­ben, die ledig­lich einer Kon­trol­le durch das Fami­li­en­ge­richt unter­liegt, ins­be­son­de­re weil die Ver­sor­gungs­trä­ger gera­de im Bereich der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung höchst unter­schied­lich struk­tu­riert sind. Dabei hat der Gesetz­ge­ber berück­sich­tigt, dass der Umfang der Kos­ten im kon­kre­ten Ein­zel­fall ent­schei­dend von der Struk­tur der Ver­sor­gungs­zu­sa­ge und von der Anzahl der Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten abhängt. Ver­all­ge­mei­ne­rungs­fä­hi­ge Aus­sa­gen zur Höhe z.B. der bei betrieb­li­chen Direkt­zu­sa­gen ent­ste­hen­den Kos­ten sind nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs nicht mög­lich5. Ein Höchst­be­trag von 500 EUR für jedes eigen­stän­di­ge Anrecht kön­ne zwar die vom Gesetz­ge­ber ver­lang­te Begren­zung auf ange­mes­se­ne Kos­ten sicher­stel­len und ermög­li­che in Kom­bi­na­ti­on mit einer pro­zen­tua­len Berech­nung der Tei­lungs­kos­ten eine ver­wal­tungs­ef­fi­zi­en­te Berech­nung. Im Rah­men einer Misch­kal­ku­la­ti­on wer­de ein sol­cher Höchst­be­trag in vie­len Fäl­len auch ange­mes­sen sein.Ein Höchst­be­trag der Tei­lungs­kos­ten kön­ne aller­dings in Fäl­len, in denen der Ver­sor­gungs­trä­ger kon­kret höhe­re Tei­lungs­kos­ten dar­le­ge, die Ange­mes­sen­heits­prü­fung durch das Gericht nicht erset­zen. Denn das Gericht habe inso­weit auch die Beson­der­hei­ten des Ein­zel­fal­les und das gesam­te Vor­brin­gen des Ver­sor­gungs­trä­gers zu berück­sich­ti­gen6.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he sind Aus­gangs­punkt für die Ange­mes­sen­heits­kon­trol­le im Rah­men von § 13 VersAus­glG die beim jewei­li­gen Ver­sor­gungs­trä­ger tat­säch­lich anfal­len­den Tei­lungs­kos­ten. Die­se Kos­ten müs­sen aller­dings nicht für den jewei­li­gen Ein­zel­fall bezif­fert dar­ge­stellt wer­den, sie kön­nen sich am Durch­schnitt der ins­ge­samt bei der inter­nen Tei­lung von Ver­sor­gungs­gut­ha­ben beim Ver­sor­gungs­trä­ger anfal­len­den Kos­ten ori­en­tie­ren7. Ent­spre­chend der Beschluss­emp­feh­lung des Rechts­aus­schus­ses8 und der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs9 soll bei hohen Anrech­ten kein Abzug von Tei­lungs­kos­ten zuge­las­sen wer­den, der das Anrecht emp­find­lich schmä­lert und die gel­tend gemach­ten Kos­ten dür­fen nicht außer Ver­hält­nis zum Auf­wand des Ver­sor­gungs­trä­gers ste­hen.

Die Ange­mes­sen­heit der Tei­lungs­kos­ten bezo­gen auf die Höhe des Anrechts wird durch den pro­zen­tua­len Kos­ten­an­teil gewähr­leis­tet. Mit dem vor­ge­se­he­nen Kos­ten­an­teil von 3 % des ehe­zeit­li­chen Deckungs­ka­pi­tals bewegt sich der Betei­lig­te zu 1 noch inner­halb der vom Gesetz­ge­ber vor­ge­se­he­nen Band­brei­te, auch wenn die­se nach oben voll aus­ge­schöpft wird. Der Betei­lig­te zu 1 weist in die­sem Zusam­men­hang zutref­fend dar­auf hin, dass sein Kos­ten­an­satz zuläs­si­ger­wei­se auf einer sog. Misch­kal­ku­la­ti­on beruht und dass kei­ne Min­dest­kos­ten erho­ben wer­den.

Die gel­tend gemach­ten Tei­lungs­kos­ten in Höhe von 765,08 EUR ste­hen auch nicht außer Ver­hält­nis zu dem tat­säch­li­chen Auf­wand des SWR. Der SWR hat schlüs­sig und nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt, dass sich die durch­schnitt­li­chen Kos­ten einer inter­nen Tei­lung des Ver­sor­gungs­an­rechts bei einer Anwart­schafts­pha­se von 20 Jah­ren und einer durch­schnitt­li­chen Bezugs­dau­er von 19 Jah­ren auf ins­ge­samt 2.371,00 EUR belau­fen. Er hat dabei dif­fe­ren­ziert zwi­schen den Kos­ten der Tei­lung selbst und dem Betreu­ungs­auf­wand wäh­rend der Anwart­schafts- und der Leis­tungs­pha­se. Die ange­ge­be­nen Kos­ten sind plau­si­bel und wer­den von den wei­te­ren Betei­lig­ten auch nicht in Fra­ge gestellt. Der SWR hat dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die in Rech­nung gestell­ten Kos­ten auf Tari­fen beru­hen, die von der BaFin geneh­migt wor­den sind. Dies ist nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he zumin­dest ein Indiz für ihre Ange­mes­sen­heit10.

Die ange­setz­ten Tei­lungs­kos­ten von 765,08 EUR lie­gen damit weit unter den Durch­schnitts­kos­ten und sind noch nicht ein­mal kos­ten­de­ckend. Dass der SWR vor­lie­gend die Tei­lungs­kos­ten wie­der­um mit Hil­fe von Pau­scha­lie­run­gen berech­net, steht der Aner­ken­nung nicht ent­ge­gen. Der Gesetz­ge­ber woll­te auch ver­mei­den, dass die tat­säch­lich anfal­len­den Tei­lungs­kos­ten in jedem Ein­zel­fall kon­kret über die den ent­spre­chen­den Ver­wal­tungs­kos­ten zugrun­de lie­gen­den betriebs­wirt­schaft­li­chen Kal­ku­la­tio­nen ermit­telt wer­den müs­sen11. Es ist mit­hin nicht not­wen­dig, eine ins Ein­zel­ne gehen­de Dar­le­gung und Kal­ku­lie­rung der Kos­ten vor­zu­neh­men12. Decken die Kos­ten noch nicht ein­mal den tat­säch­li­chen Auf­wand, so ste­hen sie erst recht nicht außer Ver­hält­nis zu ihm.

Von unan­ge­mes­sen hohen Tei­lungs­kos­ten ist hier auch nicht des­halb aus­zu­ge­hen, weil die Antrags­geg­ne­rin bereits über ein Ver­si­che­rungs­kon­to bei der bbp ver­fügt. Abge­se­hen davon, dass eine Misch­kal­ku­la­ti­on zuläs­sig ist, hat der SWR nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt, dass für die Aus­gleichs­be­rech­tig­te ein neu­es Kon­to ein­ge­rich­tet und gepflegt wer­den muss. Er hat auf die unter­schied­li­che Aus­ge­stal­tung der Ver­sor­gungs­an­sprü­che sei­ner Mit­ar­bei­ter und der auf­grund eines Ver­sor­gungs­aus­gleichs berech­tig­ten sons­ti­gen Per­so­nen hin­ge­wie­sen. Der Erwerbs­min­de­rungs- und Hin­ter­blie­be­nen­schutz gilt nur für den eige­nen unmit­tel­ba­ren Ver­sor­gungs­an­spruch, nicht aber für den vom Ehe­gat­ten über­tra­ge­nen Ver­sor­gungs­an­spruch.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 28. März 2012 – 2 UF 260/​11

  1. OLG Karls­ru­he Fam­RZ 2011, 1948; BGH, Beschluss vom 01.02.2012, XII ZB 172/​11, Tz. 40
  2. Palandt/​Brudermüller, BGB, 71. Aufl., § 13 VersAus­glG Rn. 1; OLG Düs­sel­dorf Fam­RZ 2011, 1945; OLG Nürn­berg Fam­RZ 2011, 898; OLG Stutt­gart Fam­RZ 2010, 1906
  3. BT-Drucks. 16/​10144, S. 57
  4. BT-Drucks. 16/​10144 S. 57; Palandt/​Brudermüller, a.a.O., § 13 VersAus­glG Rn. 1; Senat Fam­RZ 2011, 1948; OLG Nürn­berg Fam­RZ 2011, 1947; OLG Cel­le Fam­RZ 2011, 1946; OLG Stutt­gart 2010, 1906
  5. BGH, Beschluss vom 01.02.2012, a.a.O., Tz. 51 unter Hin­weis auf BT-Drucks. 16/​10144 S. 125
  6. BGH, Beschluss vom 01.02.2012, a.a.O., Tz. 52, 53
  7. OLG Karls­ru­he a.a.O.
  8. BT-Drucks.16/11903, S.53
  9. BGH, Beschluss vom 01.02.2012, a.a.O., Tz. 50
  10. vgl. Johannsen/​Henrich/​Holzwarth, a.a.O., § 11 Rn. 16
  11. BT-Drucks. 16/​10144, S. 117
  12. OLG Köln Fam­RZ 2011, 1795 Tz. 16